Archiv
Meet the Prime Minister

Unlängst hatte ich die Gelegenheit, ein län...



Unlängst hatte ich die Gelegenheit, ein längeres Gespräch mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány zu führen. Ungarn, Polen und die sechs anderen neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa gehören zu meinem Berichtsgebiet. Obwohl erst ein halbes Jahr im Amt, hat es der 44jährige Sozialdemokrat Gyurcsány bereits verstanden, die innenpolitische Dynamik an sich zu reißen. In der Regel ergreift er die Initiative und zwingt die konservative Opposition, seine politischen Entscheidungen zu bewerten und seine öffentlichen Äußerungen zu kommentieren.

Ausgestattet mit einem unbändigen Machtwillen, hat er die Arbeit des Regierungsapparats seht st ark auf sich ausgerichtet. Auch die Außenpolitik macht der Chef, nicht der Außenminister, sagt man in Budapest zu Recht. Wie Kanzler Gerhard Schröder versteht Gyurcsány Außenpolitik sehr stark als Außenwirtschaftspolitik. So wurden die ungarischen Diplomaten überall auf der Welt angewiesen, sich besonders um wirtschaftliche Kontakte zu bemühen. Vor seiner politischen Karriere hatte sich Gyurcsány schon als erfolgreicher Privatunternehmer erwiesen. Sein Vermögen, das er vor allem durch Immobilien- und Leasinggeschäfte erwarb, wird auf etwa 125 Mill. Euro geschätzt.

Gyucsány arbeitet hart, um seine Ziele zu erreichen. Sitzt er in seinem Arbeitszimmer im Parlamentsgebäude am Kossuth-Platz, bleibt kaum Zeit, die wunderbare Aussicht auf das Budapester Donauufer zu genießen. Die Fragen der Besucher beantwortet er im besten Englisch. Während des Gesprächs springt er wiederholt auf, um in seinem Laptop nach Daten oder Statistiken zu suchen. Um sich fit zu halten, absolviert Gyurcsány mehrmals pro Woche Langläufe bis zu 20 Kilometer. Von seiner geräumigen Villa auf dem Budapester Rosenhügel ist es nicht weit bis zu den schönsten Jogging-Strecken der Stadt. Freunde nennen ihn einfach „Langstreckenläufer“.

Der Ministerpräsident ist ein Macher. Er weiß aber auch, wie wichtig Symbole in der Politik sind. Eine Vielzahl von Reden und Interview bestimmt seinen Arbeitsplan. Und er schafft es sehr oft, in seinen öffentlichen Äußerungen gerade den Ton zu finden, den das jeweilige Publik von ihm erwartet. Seine Familie hat ihn schon gebeten, nicht mehr ganz so viele Reden zu halten.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%