Megadeal in der Pharmabranche
Pfizer kauft Pharmacia

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer will den kleineren Wettbewerber Pharmacia per Aktientausch für rund 51 Mrd. Dollar übernehmen.

rtr NEW YORK. Mit der von Pfizer am Montag angekündigten Übernahme entstünde ein Pharmagigant mit einem Weltmarktanteil von rund elf Prozent. Damit läge er deutlich über dem des stärksten Rivalen GlaxoSmithKline aus Großbritannien. Zudem würde der in New York ansässige Pfizer-Konzern seine ohnehin schon starke Position als Nummer Eins auf dem US-Pharmamarkt weiter ausbauen und in Europa, Japan und Lateinamerika zur Spitze aufsteigen. Nach Einschätzung von Analysten wird mit der geplanten Übernahme - dem größten Zusammenschluss zweier Unternehmen seit Jahresbeginn - möglicherweise eine neue Konsolidierungsrunde in der Pharmabranche eingeleitet mit Auswirkungen auch auf Deutschland.

"Mit Pharmacia werden wir die Produkte, die Pipeline, die Größe und die finanzielle Flexibilität haben, unsere führende Position weiter auszubauen", sagte Pfizer-Chef Hank McKinnell. Das zusammengeschlossene Unternehmen hätte einen Jahresumsatz von mehr als 48 Mrd. Dollar. In seiner Produktpalette wären so verkaufsträchtige Arzneien wie das Potenzmittel Viagra, der Cholesterinsenker Lipitor oder die Arthritis-Mittel Celebrex und Bextra von Pharmacia. Der Konzern hätte zudem zwölf Blockbuster mit einem Jahresumsatz von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar in seiner Produktpalette sowie rund 120 Arzneimittel in der aktuellen Forschungspipeline bei einem jährlichen Forschungsbudget von mehr als sieben Mrd. Dollar.

1,4 Pfizer-Aktien je Pharmacia-Aktie

Den Angaben zu Folge sollen im Rahmen der Übernahme 1,4 Pfizer-Aktien gegen je eine Pharmacia-Aktie getauscht werden. Dies würde den amerikanisch-schwedischen Konzern mit 39 Dollar je Anteilsschein bewerten und entspräche einem Aufschlag von rund 20 % auf Basis des gegenwärtigen Aktienkurses. Die Transaktion, die zuvor mit 60 Mrd. Dollar bewertet wurde, hätte damit ein Volumen von rund 51 Mrd. Dollar. Pfizer-Aktionäre sollen nach der Übernahme zu 77 % an dem Konzern beteiligt sein. Pfizer-Chef und-Chairman McKinnell werde auch nach der Übernahme an der Spitze des Unternehmens bleiben und seine Posten behalten, während Pharmacia-Chef Fred Hassan Vizechef im Board werden solle.

Pfizer-Aktien gaben an der Wall Street im Verlauf rund 14,6 % auf 27,50 Dollar nach. Pharmacia-Aktien zogen dagegen um 18 % auf 38,46 Dollar an. Im Vorfeld der Ankündigung hatten in Frankfurt Pharmacia-Aktien zeitweise mehr als 30 % angezogen, während Pfizer-Titel rund acht Prozent an Wert einbüßten.

Pfizer erwartet durch den Zusammenschluss Kosteneinsparungen von 1,4 Mrd. Dollar 2003. Bis 2005 sollen sie dann auf 2,5 Mrd. Dollar steigen. Abgeschlossen werden solle die Übernahme noch in diesem Jahr, teilte Pfizer weiter mit. Den bereinigten Gewinn je Aktie für 2003 werde die Transaktion nicht verwässern. Erst danach werde sie sich auf die Gewinne auswirken.

Ernster Konkurrent für andere entsteht

"Dies wird für andere eine sehr ernste Bedrohung im Wettbewerb", sagte Martin Hall, Pharma-Analyst bei der HSBC Securities in London. Die Frage werde nun sein, ob Konzerne wie GlaxoSmithKline, Merck and Co oder Bristol-Myers Squibb(BMS) selbst etwas tun wegen dieser Gefahr. Die Analysten der Investmentbank Sal Oppenheim sehen in der Ankündigung den möglichen Beginn einer neuen Konsolidierungswelle nach den Fusionen der späten 90iger Jahre. Im Zentrum stünden dabei Unternehmen wie Roche, Novartis, Sanofi-Synthelabo und BMS. Nach Einschätzung der DZ Bank hat die Transaktion möglicherweise auch Auswirkungen auf deutsche Pharmakonzerne wie Bayer. "Die Kluft zwischen Bayer und den Top-Adressen wächst weiter", hieß es in einer Kurzmitteilung der Bank. Die Bayer-Aktie werde möglicherweise von der Fusions-Fantasie profitieren. "Die Frage ist, soll Bayer eine Pharmafirma zukaufen oder wird es selbst ausgekauft", hieß es in der Mitteilung. Unterdessen hieß es bei Bayer in einer ersten Reaktion, das Unternehmen verfolge weiter die Strategie, in seinem Gesundheitsbereich Partnerschaften zu suchen. Dies gelte nach wie vor, sagte ein Sprecher. Die Bayer-Aktie lag im Handelsverlauf in Frankfurt zeitweise deutlich im Plus, rutschte aber danach ins Minus.

Die Übernahme von Pharmacia durch Pfizer kommt zu einer Zeit, in der weltweit der Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen zunimmt. Durch das Auslaufen vieler Patente hat die Branche beispielsweise zunehmend mit dem Auftreten generischen Wettbewerbs zu kämpfen. An der Börse hatte der Pharmasektor zuletzt gegenüber dem Gesamtmarkt eingebüßt. Börsianer sehen die Ankündigung daher auch als mögliches Signal dafür, dass der Bewertungsrückgang nun möglicherweise sein Ende erreicht hat.

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