Megadeal sorgt für weitere Konsolidierung
Pechiney kauft deutsche Alu-Werke

Die Konzentrationswelle unter Europas Metallproduzenten setzt sich fort: Corus steht kurz vor dem Verkauf seiner Aluminiumsparte für knapp eine Milliarde Euro an die französische Pechiney-Gruppe.

LONDON/PARIS. Der viertgrößte Aluminiumhersteller Pechiney steht kurz vor einem wichtigen Zukauf: Voraussichtlich Anfang kommender Woche wird er die Alu- Sparte des britisch-niederländischen Stahlriesen Corus für knapp eine Milliarde Euro übernehmen. Corus hat mehrere Produktionsstandorte in Deutschland, in denen knapp 2 900 Menschen beschäftigt sind.

Mit der Transaktion setzt sich die Konzentrationswelle unter den Metallerzeugern fort. Corus selbst ist erst 1999 aus der Fusion von British Steel mit der niederländischen Hoogovens entstanden. Anfang 2002 hatte der Konzern aus kartellrechtlichen Gründen das Bietergefecht um den deutschen Alu-Produzenten VAW gegen die norwegische Norsk Hydro verloren. Daraufhin sah er in diesem Geschäft keine Expansionschance mehr und bot seine Alu-Sparte zum Verkauf an. Parallel vergrößerte er im Juli das Stahlgeschäft durch die Fusion mit der brasilianischen CSN.

Nach Informationen des Handelsblatts haben sich die Unternehmen weitgehend geeinigt. "Die Verhandlungen nähern sich dem Ende", sagte ein Insider. Allerdings werde Corus angesichts der schlechten Wirtschaftslage durch den Verkauf deutlich weniger erlösen als ursprünglich erhofft. Pechiney werde nur rund 600 Mill. Pfund, also knapp eine Milliarde Euro zahlen. Vor wenigen Monaten hatten Experten die Alu-Sparte von Corus noch mit bis zu 800 Mill. Pfund bewertet.

Pechiney hatte sich im Kampf um die Corus-Alu-Sparte mit ihren 5 700 Beschäftigten und einer Jahreskapazität von 244 000 Tonnen stets als Favorit gesehen. Konzernchef Jean-Pierre Rodier hatte aber schon im Sommer im Handelsblatt angekündigt, dass er keinen strategischen Aufpreis zahlen werde.

Das Geschäft mit Aluminium, das vor allem im Auto- und Flugzeugbau verwendet findet, wird bereits von wenigen großen Anbietern dominiert. Darum hatte die EU-Wettbewerbskommission 2000 eine Dreier-Fusion von Pechiney mit dem US-Konzern Alcan und der schweizerischen Algroup untersagt. Auch bei der Übernahme der Corus-Sparte müssen die Franzosen nach Einschätzung von Marktkennern mit Auflagen bis hin zur Abgabe von Werken rechnen. Davon könne vor allem das Walzpresswerk in Koblenz betroffen sein. Pechiney betreibt bereits drei Presswerke in Deutschland - in Burg, Crailsheim und Landau. Auch bei der Produktion von Getränkedosen könnten die Kartellwächter eine zu starke Marktmacht feststellen.

Eine offizielle Bestätigung für den Deal mit Corus gab es gestern weder bei Pechiney noch bei Corus. "Wir haben von Corus noch keine bindende Entscheidung über unser Gebot mitgeteilt bekommen", sagte eine Pechiney-Sprecherin. Doch in Unternehmenskreisen ist zu hören, dass sich die Franzosen ihrer Sache ziemlich sicher sind. Ein Corus-Sprecher betonte zwar, dass es neben Pechiney noch weitere Interessenten gebe, doch das wurde in der Londoner City gestern als Nebelkerze gewertet.

Der bevorstehende Abschluss beflügelt bereits den Kurs der Corus - Aktie in London: Sie legte in den vergangenen Tagen deutlich zu und erreichte fast 40 Pence. Im Januar war das Papier allerdings noch doppelt so teuer gewesen. Auch die Pechiney-Aktie hat sich seit Jahresbeginn halbiert. Gestern zog das Papier leicht auf Kurse um 25,60 Euro an.

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