Mehr Ab- als Aufrunden bei Euro-Umstellung
Handel weist Vorwurf der verdeckten Preiserhöhung zurück

Der Einzelhandel hat den Vorwurf verdeckter Preiserhöhungen bei der Euro-Umstellung zurückgewiesen. Der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Holger Wenzel, sagte am Mittwoch in Berlin: "Wir werden in mehr Fällen abrunden als aufrunden."

ap BERLIN Allerdings sei der 1. Januar 2001 ein beliebter Stichtag für Preiserhöhungen bei den Vorlieferanten, und die Aufschläge würden an die Kunden weitergegeben.

Im Durchschnitt der Firmen sei der Euro kein Grund für Preiserhöhungen, sagte Wenzel. Er verwies darauf, dass seit langem der Einzelhandel mit seiner Preissteigerungsrate deutlich unter der Inflationsrate liege. Der Geschäftsführer kritisierte, von Banken sei das Thema Preissteigerungen ins Gespräch gebracht worden, um von eigenen Problemen bei der Euro-Umstellung abzulenken.

Schwellenpreise bereiten Sorge

Edda Müller, Vorstand im Bundesverband der Verbraucherzentralen, nannte die Preisaufschläge einen schleichenden Prozess. Sorge mache den Verbraucherschützern vor allem die "Umstellung so genannter Schwellenpreise", beispielsweise 0,99 oder 9,99 DM. Damit künftig die 99 auch bei der Euro-Auszeichnung hinter dem Komma stehe, müssten die Verbraucher heute richtig krumme Beträge in Kauf nehmen.

Wenzel erklärte, der Einzelhandel sei sich seiner Verantwortung bei der Euro-Einführung bewusst. Deshalb habe er schon vor drei Jahren freiwillig mit der doppelten Preisauszeichnung begonnen. Der Geschäftsführer appellierte erneut an die Einzelhandelsunternehmen, Euro- und DM-Preis gleich groß auszuzeichnen. Auf keinen Fall sollte der Euro-Preis vor dem 1. Januar stärker hervorgehoben werden. "Hierin sehe ich die Gefahr der Irreführung, auch wenn das Bundeswirtschaftsministerium ausdrücklich auf diese Möglichkeit hinweist." Wenzel kritisierte: "Die Praxis einiger Unternehmen schadet dem Ruf des gesamten Einzelhandels und stört das Vertrauen der Verbraucher."

Höhere Gewinnmargen ein "Bumerang"

DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer erklärte, mögliche Versuche des Groß- und Einzelhandels, im Zuge der Einführung der neuen Geldscheine und Münzen die Gewinnmargen durch verdeckte Preiserhöhungen anzuheben, könnten sich als "Bumerang" erweisen. Angesichts der derzeitigen Nachfrageschwäche würden Preiserhöhungen die Konjunktur zusätzlich belasten. Dies wäre weder im Interesse der Verbraucher noch des Handels.

Scharfe Kritik übte das Bundesvorstandsmitglied der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, Marie-Luise Dött, an den Warnungen vor künstlichen Preissteigerungen im Zusammenhang mit der Euro-Einführung. "Als Mittelstandspolitikerin und selbst im Handel Tätige halte ich diese Stimmungsmache für völlig ungerechtfertigt." Man sollte lieber gemeinsam mit den Verbraucherverbänden überlegen, wie man die Umstellung kundenfreundlich gestalten könne.

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