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Mehr als 11 000 Tote durch Flutwellen in Südasien

Bei der Erdbebenkatastrophe in Asien sind mehr als 11 000 Menschen von Flutwellen in den Tod gerissen worden. Allein auf Sri Lanka vor der Ostküste Indiens starben 3 500 Menschen und in Indien mindestens 3 000.

dpa JAKARTA/TOKIO. Bei der Erdbebenkatastrophe in Asien sind mehr als 11 000 Menschen von Flutwellen in den Tod gerissen worden. Allein auf Sri Lanka vor der Ostküste Indiens starben 3 500 Menschen und in Indien mindestens 3 000.

Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montagmorgen (Ortszeit) unter Berufung auf örtliche Beamte und Medien. In Indonesien verloren insgesamt mehr als 4 400 Menschen ihr Leben. Vor der indonesischen Insel Sumatra lag das Zentrum des Bebens, das mit einer Stärke von 8,9 auf der Richterskala am Sonntag die Tsunami-Wellen auslöste.

Auch Touristenzentren mit etwa 6 000 deutschen Urlaubern wurden durch die Fluten zerstört. Über mögliche deutsche Opfer lagen zunächst keine Angaben vor. Zahlreiche Hilfsorganisationen entsandten bereits Retter in die Krisenregionen. Auf Sri Lanka sind nach Angaben der Regierung möglicherweise 100 ausländische Touristen durch Flutwellen ums Leben gekommen. Dutzende von Ausländern sollen verletzt worden sein. Über deren Nationalität lagen zunächst keine Angaben vor.

Die mit dem Reiseveranstalter Tui auf die Malediven gereisten rund 380 Urlauber überstanden das Beben nach Angaben von Tui-Sprecher Mario Köpers unverletzt. "Nur einige Menschen haben ihr Hab und Gut verloren", sagte Köpers am Sonntagabend der dpa. Auch alle Urlauber auf Sri Lanka seien unversehrt. Noch keinen genauen Überblick über die Lage der Reisenden gibt es nach Köpers Angaben über die Situation der Touristen in Thailand. Ein Konvoi mit sieben Bussen sei aber auf dem Weg nach Bangkok. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein, Reiseveranstalter sagten Flüge in die Region ab.

Im Süden Thailands, darunter auf der auch bei Deutschen beliebten Ferieninsel Phuket, fanden mindestens 300 Menschen den Tod. "Es sieht hier aus wie nach einem Wirbelsturm", sagte eine Augenzeugin in Thailand der dpa. Der thailändische Regierungssprecher Jakrapob Penkair sagte, am härtesten sei die wegen des Unwetters noch immer völlig unzugängliche Insel Phi-Phi zwischen Phuket und dem Festland betroffen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan war "zutiefst erschüttert über den ungeheuren Verlust von Menschenleben und die Zerstörung". Annan sprach den Betroffenen in Südostasien und Südasien in einer von seinem Sprecher verbreiteten Erklärung seine Anteilnahme aus. Die Vereinten Nationen seien bereit, die nötige Hilfestellung zu geben, sagte Annan. Die Naturkatastrophe hat mehr als eine Million Menschen in Südasien obdachlos gemacht, teilte die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation (Ifrc) in Genf mit.

Die japanische Botschaft schickte Beamte nach Sri Lanka, um die Identität von etwa zehn Leichen zu überprüfen, bei denen es sich um Japaner handeln könnte, hieß es in Medienberichten in Tokio. Es gab örtliche Berichte, wonach 17 japanische Touristen, die einen Tierpark an der Südküste der Insel besucht hatten, in den Fluten umgekommen sind. Unter den Opfern sollen auch Reisende sein, die in einem Zug saßen, den die Wassermassen von den Schienen rissen. Die Regierung rief den Notstand aus. Zehntausende übernachteten in höher gelegenen Gebieten, weil sie weitere Flutwellen befürchteten.

Das Beben war auch in Malaysia und Singapur zu spüren. Auf einer Insel im Nordwesten Malaysias fielen 16 Menschen der Flutwelle zum Opfer. Auf den Malediven starb ein britischer Tourist vor Schreck, als der Tsunami auf ihn zuraste.

Mit Bestürzung und Hilfsangeboten haben Politiker aus aller Welt auf die Katastrophe reagiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Sonntag den betroffenen Ländern die Unterstützung Deutschlands zu. Die Bundesregierung bewilligte als humanitäre Soforthilfe eine Million Euro. Vor Ort werden die Botschaften umgehend verstärkt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Papst Johannes Paul II. forderte internationale Hilfsmaßnahmen. Die Europäische Union stellte eine Soforthilfe von drei Mill. Euro bereit. US-Präsident W. Bush sprach in Washington den Angehörigen der Opfer sein Mitleid aus. Er bedauerte den "schreckliche Verlust von Leben und Leiden, das durch das Erdbeben und den folgenden Tsunamis in der Region" ausgelöst wurde, berichtete Kyodo.

Caritas International und die Diakonie Katastrophenhilfe stellten für die Opfer der Erdbeben in Asien 300 000 Euro als erste Hilfe zur Verfügung. Einheimische Mitarbeiter und Hunderte freiwillige Helfer seien bereits im Einsatz.

Deutsche Reiseveranstalter sagten für die nächsten Tage ihre Flüge in das Katastrophengebiet ab. Das Touristikunternehmen Thomas Cook schickt vier leere Flugzeuge in die Region, um Touristen nach Hause zu bringen. Europas größter Reisekonzern Tui sagte am Sonntag alle Reisen nach Phuket (Thailand), Sri Lanka und auf die Malediven bis 31. Dezember ab. Die Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg), die derzeit etwa 1 600 Urlauber dort betreut, stornierte alle Abflüge für die drei Ziele am 26. und 27. Dezember.

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