Mehr als 1 000 Investment-Banker von Dresdner Kleinwort Wasserstein müssen gehen
Analyse: Allianz kehrt mit eisernem Besen

So schnell kann es gehen: Gestern träumten die Investment-Banker von Dresdner Kleinwort Wasserstein noch vom Börsengang ihres Unternehmens, heute fürchten sie um ihre Jobs. Mehr als Tausend von ihnen müssen im Rahmen der neuen Pläne für Dresdner Kleinwort Wasserstein ihren Hut nehmen. Der Hausherr Allianz kehrt mit eisernem Besen und speckt die neue Tochter kräftig ab. Damit dürfte es endgültig vorbei sein mit der Harmonie zwischen Bank und Versicherer, die schon im Zusammenhang mit der Verlagerung wesentlicher Teile der Vermögensverwaltung nach München erste Dissonanzen aufwies.

Zur Erinnerung: Gleich nach Bekanntwerden der Übernahmepläne hatte die Allianz noch verkündet, die Investment-Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein zähle nicht zum Kerngeschäft, solle ausgegliedert und an die Börse gebracht werden. Den Mitarbeitern wurde mehr Unabhängigkeit, größere Flexibilität und nicht zuletzt eine Beteiligung am Unternehmen versprochen.

Alle diese Zusagen sind hinfällig: Dresdner Kleinwort Wasserstein wird nicht ausgegliedert, der Börsengang ist vom Tisch, eine Beteiligung der Mitarbeiter wird es nicht geben. Zusammengefasst mit dem Firmenkundengeschäft soll das Investment-Banking nun integraler Bestandteil des Allianzkonzerns werden. Bei Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle scheint die Erkenntnis gereift zu sein, dass die Dresdner-Unternehmenskunden, die für die Betriebspensionsfonds-Pläne der Allianz eine entscheidende Rolle spielen, nur mit dem vollen Investment-Banking-Angebot zu halten sind. Zudem erspart sich Schulte-Noelle mit diesem Schritt die mühsame Ausgliederung von Dresdner Kleinwort Wasserstein, die als Geschäftseinheit noch eng mit dem Dresdner-Bankgeschäft verwoben ist. Und auch die Frage nach der angemessenen Eigenkapitalunterlegung der Tochter löst er elegant. Denn Dresdner Kleinwort Wasserstein kann künftig auf die Finanzkraft der Allianz zurückgreifen.

Mit dem nun deutlich härteren Kurs macht sich Schulte-Noelle Feinde. Den verbliebenen Rest der hoch bezahlten Investment-Banker zu halten, wird nicht einfach sein, auch wenn der Markt für Investment-Banker gegenwärtig nicht allzu günstig ist. Überall entlassen Investment-Banken angesichts der schwierigen Kapitalmarktlage ihre Mitarbeiter.

Schulte-Noelle und mit ihm sein Finanzvorstand Paul Achleitner, ein gelernter Investment-Banker, müssen aber aufpassen, dass die Stimmung nicht zu sehr ins Negative umschlägt. Wohin dies führen kann, zeigten die Erfahrungen des vergangenen Jahres. Bei der geplanten Fusion mit der Deutschen Bank litten die Investment-Banker der Dresdner ebenfalls unter einem plötzlichen Sinneswandel: Erst bezeichnete Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer Dresdner Kleinwort Wasserstein als "Juwel", das behalten werden sollte. Kurze Zeit später stand das Institut jedoch zum Verkauf - woran letztlich die Fusion scheiterte. Damals reagierten zahlreiche der Finanzspezialisten mit einem schnellen Abschied. Die Bank stand nahezu zwei Monate still, was der Dresdner das Ergebnis im dritten und vierten Quartal verhagelte. Bonuszahlungen von rund 800 Millionen Euro verhinderten Schlimmeres.

Wenn der Münchener Versicherungskonzern ein ernsthaftes Interesse an Dresdner Kleinwort Wasserstein hat, dann ist er gut beraten, die Tochter nicht an eine zu kurze Leine zu nehmen und die Mitarbeiter nicht über Gebühr zu verärgern. Der Erfolg einer Investment-Bank steht und fällt mit der Qualität und dem Engagement der Mitarbeiter. Die Entlassungen tragen nicht zur Stimmungsverbesserung bei.

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