Mehr als 600 Arbeitsplätze in Gefahr
Grundig verschiebt Entscheidung über Schließungen

Der Aufsichtsrat der Grundig AG hat die Entscheidung über ein Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger auf Anfang April verschoben, das Werksschließungen und Entlassungen vorsieht. Eine Grundig- Sprecherin sagte am Dienstag, zuvor seien weitere Gespräche mit den Banken, eine weitere Aufsichtsratssitzung am Donnerstag und ein Gespräch des Vorstands und des Großaktionärs Anton Kathrein mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) am Freitag geplant.

rtr NÜRNBERG. Grundigs Hausbanken hätten bei Verhandlungen mit Kathrein am Montag eine Zustimmung aller Beteiligten zur Bedingung für die Verlängerung ihrer Kreditlinien gemacht, hieß es. Das Konzept belaste das Grundig-Ergebnis 2001 deutlich.

Die Schließung des Büroelektronik-Werks in Bayreuth bis Ende des Jahres und die Verlagerung der Produktion von Fernsehern von Nürnberg-Langwasser nach Wien, wie sie das Gutachten vorsieht, könnte nach Berechnungen des Grundig-Betriebsrats deutlich mehr als 600 Arbeitsplätze kosten. Grundig selbst wollte zum Umfang des Stellenabbaus keine Stellung nehmen. Nach Firmenangaben sind in Bayreuth 360 Mitarbeiter beschäftigt, in Langwasser montieren 300 Mitarbeiter Fernsehgeräte. Auch zum Finanzierungsbedarf für das Konzept wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Kathrein hatte die Verhandlungen mit den Banken als "nicht erfolgreich" bezeichnet. Am Dienstag traf sich auch der aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehende Grundig-Wirtschaftsausschuss mit den Berger-Beratern. Das Wirtschaftsministerium in München wollte keine Stellung nehmen.

Konzern soll Fernseh-Produktion verkaufen

Das von Roland Berger erarbeitete Strategiepapier sieht nach Angaben von Grundig eine "Bereinigung" des Produktangebotes vor. Der Konzern solle sich auf höherpreisige Modelle konzentrieren, empfehlen die Münchener Berater. Die Produktion von Fernsehern solle an einem Standort - in Wien - zusammengefasst werden und das Werk in Bayreuth ausgegliedert, zusammen mit einem Partner betrieben oder verkauft werden. Die Büro- und Hotelkommunikation sowie die Messtechnik und der erst kürzlich gestartete Internet- Dienst "Events today" sollten ebenfalls verkauft oder in einem Gemeinschaftsunternehmen betrieben werden. Die Anteil eigener Fertigung müsse reduziert werden.

Mit dem Konzept könne Grundig im Jahr 2002 auf operativer Basis die Gewinnschwelle erreichen, heißt es in dem Gutachten. Im laufenden Jahr seien aber "deutliche Belastungen" und eine Reduzierung des Eigenkapitals zu erwarten. Dem Konzept zufolge soll Grundig deutlich kleiner werden. Mittelfristig sei wieder ein Umsatz von 2,8 Mrd. DM bei einem Gewinn von rund 100 Mill. DM erreichbar, im Jahr 2000 hat Grundig mehr als drei Mrd. DM umgesetzt. Allerdings rutschte der fränkische Traditionskonzern tief in die Verlustzone; in Zeitungsberichten ist von einem operativen Fehlbetrag von mehr als 80 Mill. DM die Rede.

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