Mehr als die Hälfte aller Obdachlosen sind Männer
Zahl der Obdachlosen in Deutschland gesunken

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland hat sich nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) seit Mitte der 90er Jahre nahezu halbiert.

HB/dpa FULDA. Im vergangenen Jahr hätten rund 330 000 Menschen ohne eigene Wohnung gelebt, 1996 seien es noch 590 000 gewesen, sagte die BAG-W-Vorsitzende Renate Walter-Hamann am Freitag in Fulda. Dies sei ein Erfolg der Anstrengungen von Kommunen und freien Sozialträgern. Für die nächsten Jahren befürchte sie aber wieder einen Anstieg der Zahlen.

Kommunen und freie Träger hätten es in den vergangenen Jahren durch ihre Bemühungen häufig verhindert, dass Menschen überhaupt erst ihre Wohnung verlieren. "Die freien Träger haben die Beratung ausgebaut und die Vermittlung von Wohnungen erleichtert", sagte Walter-Hamann. Viele Kommunen hätten Mietschulden übernommen. Zudem habe sich der Markt für günstige Wohnungen entspannt.

Die BAG W, ein Zusammenschluss von privaten und öffentlichen Sozialorganisationen, warnte davor, sich auf Grund der positiven Entwicklung "zurückzulehnen". Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Wohnungslosen nur um 20 000 gesunken. "Wir stehen kurz vor der Talsohle", sagte der stellvertretende Geschäftsführer der BAG W, Thomas Specht-Kittler. Eine steigende Arbeitslosigkeit bedeute auch mehr Wohnungslose. Die Kommunen ständen unter Finanzdruck und müssten sparen. Die von der Bundesregierung geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sei ungerecht, weil Empfänger nicht nach Bedarf und individuell versorgt würden, sagte Walter-Hamann.

Mehr als die Hälfte der Obdachlosen seien Männer, 23 Prozent Frauen und 22 Prozent Kinder und Jugendliche. Von den 330 000 Wohnungslosen lebten 180 000 allein und 150 000 in Familien. Männer gerieten häufig in einen sozialen "Ausgrenzungsprozess", nachdem sie ihre Arbeit verloren hätten, sagte Walter-Hamann. An dessen Ende müssten sie ihre Wohnung aufgeben. Bei Frauen beginne die Obdachlosigkeit eher mit Problemen in Familie oder Partnerschaft. Nicht einbezogen in die Statistik ist die Zahl der wohnungslosen Aussiedler in Übergangswohnheimen. Sie sank seit 1996 von 340 000 auf 80 000.

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