Mehr als die Hälfte der Spiele zur WM 2006 im Free-TV
Kirch Media will DSF mit Fußballrechten aufwerten

Die insolvente Filmgesellschaft Kirch Media will die Zweitverwertungsrechte für die Fußball-Bundesliga möglicherweise an ihren defizitären Sportsender Deutsches Sportfernsehen (DSF) vergeben. Damit stünden Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wie zum Beispiel das "ZDF Sportstudio" zur Disposition.

rtr MüNCHEN. "Wir überlegen, Zweitverwertungsrechte für die Fußball-Bundesliga an DSF zu vergeben", sagte Geschäftsführer Heinz-Joachim Ziems am Dienstagabend in einem Reuters-Interview. ARD und ZDF seien mit reduzierten Preisvorstellungen an KirchMedia herangetreten, die auch DSF bieten könne. Sprecher von ARD und ZDF sagten, die öffentlich-rechtlichen Sender gingen davon aus, dass sich die geringeren Preise, die Kirch Media für die Fußball-Rechte bezahlt habe, auch auf die Zweit- und Drittverwertungsrechte niederschlagen würden. Die Verhandlungen mit KirchMedia darüber liefen. Kirch Media hatte nach einem harten Verhandlungspoker Ende Juni von der Deutschen Fußball Liga (DFL) trotz des Insolvenzverfahrens den Zuschlag für die Rechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten beiden Spielzeiten erhalten - zu wesentlich geringeren Preisen als ursprünglich geplant. Dazu hat die DFL die Option, mit einem Anteil von 25 % bei DSF einzusteigen. Insofern seien auch die Vereine an einer Stärkung des Senders interessiert, sagte Ziems. Eine Entscheidung über die Vergabe der Rechte solle innerhalb einer Woche fallen.

Ziems: Auch DSF könnte Fußballmagazine senden

Bereits ausgehandelt ist Ziems zufolge der Verkauf der PayTV-Rechte an den Sender Premiere und der Erstverwertungsrechte an den hauseigenen Sender Sat.1. Die Zweitverwertungsrechte hatten bisher ARD und ZDF, die Ausschnitte von Spielen in ihren Nachrichten "Tagesschau" und "Heute" und in Sportmagazinen zeigten. Auch das DSF könne Sendungen wie das "Sportstudio" machen, sagte Ziems. Die Kurzberichterstattung in den Nachrichten bei ARD und ZDF würde aber nicht in Frage gestellt.

Über die Zukunft des Senders DSF, der seit Jahren Verluste schreibt, war in der Vergangenheit spekuliert worden. Nach dem eingeleiteten rigorosen Sparkurs soll DSF 2003 schwarze Zahlen schreiben. DSF hat den Abbau von rund einem Viertel seiner 400 Stellen angekündigt.

Mehr als die Hälfte der Spiele zur WM 2006 im Free-TV

Verhandeln muss KirchMedia auch noch über die Vergabe der TV-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die in Deutschland stattfindet und daher für alle deutschen Sender aktraktiv ist. Neben den Live-Übertragungen im PayTV-Sender Premiere sollten diesmal auf jeden Fall mehr als die Hälfte der insgesamt 64 WM-Spiele im freiempfangbaren deutschen TV zu sehen sein, versprach Ziems. Bei der gerade zu Ende gegangenen WM in Asien hatten ARD und ZDF nur insgesamt 26 Spiele übertragen, was von den Zuschauern heftig kritisiert wurde. "Wir schließen auch nicht aus, dass alle Spiele live im Free-TV laufen werden".

Das fordern auch die öffentlich-rechtlichen Sender: "Die ARD wird alles daran setzen, dass im Interesse des Publikums alle 64 Spiele im Free-TV gezeigt werden", sagte ein ARD-Sprecher. Dass nicht alle Live-Spiele von ARD und ZDF gezeigt werden müssen, hatte ARD-Chef Fritz Pleitgen schon im Juni erklärt. Parallel laufende Spiele könnten durchaus von anderen Sendern ausgestahlt werden, hatte er gesagt. ARD und ZDF seien jederzeit zu Verhandlungen über die WM-Rechte 2006 bereit, wiederholte ein Sprecher frühere Äußerungen Pleitgens.

Ziems sagte, derzeit verhandele KirchMedia mit allen anderen Sendern, nur nicht mit ARD und ZDF, über die Rechte. Die öffentlich-rechtlichen Sender hätten allerdings ein Erstverhandlungsrecht. Die Verhandlungen über die WM-Rechte sollten bis Ende Oktober abgeschlossen werden.

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