Mehr als eine ganze Mannschaft fällt über Wochen aus
Sammer hat die „Schnauze voll"

Für Borussia Dortmund kommt es immer dicker: Sportlich war der Ausflug nach Wien dank des 2:1 (1:1)-Erfolgs im Erstrunden-Hinspiel des Uefa-Pokals bei der Austria zwar ein Erfolg. Doch den musste der Fußball-Bundesligist mit zwei weiteren schweren Verletzungen teuer bezahlen. Besonders hart traf es einmal mehr Otto Addo, dem das Karriereende droht.

HB WIEN. Matthias Sammer hätte am liebsten auf irgendetwas eingedroschen, um seinen Frust loszuwerden. "Ich habe so die Schnauze voll, das macht keinen Spaß mehr", wütete Borussia Dortmunds Trainer, dem trotz des Siegs seiner Elf jegliches Glücksgefühl abhanden gekommen war. Stattdessen beherrschten stille Resignation und innere Wut über die Verletzten Nummer elf und zwölf die Gemütslage des 36-Jährigen.

Bei einer Kernspinntomographie am Donnerstag in Straubing wurde bei Otto Addo ein Teilanriss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie sowie eine Überdehnung des Innenbandes und ein kleiner Riss im Innenmeniskus diagnostiziert. Da der 28-jährige Offensivspieler bereits im Juni 2001 und September 2002 zwei Kreuzbandrisse an gleicher Stelle erlitten hatte, ist seine Zukunft als Profi ungewiss. Zunächst wird Addo sechs Wochen lang eine Schiene tragen müssen, bevor über eine Operation entschieden wird, hieß es in einer BVB - Mitteilung. Über die Verletzung von Dede wird erst eine Kernspin- Untersuchung in Bochum Klarheit geben. Das Ergebnis soll an diesem Freitag vorliegen.

Der Ausfall von Addo und Dede lassen die Liste der ausfallenden Fußball-Profis beim BVB fast unermesslich lang werden, Sammer wachsen die Sorgen über den Kopf. "Das ist Wahnsinn. Fakt ist, dass uns im Moment eine komplette Mannschaft fehlt", unterwarf sich auch Nationalspieler Christian Wörns dem Gefühl der Ohnmacht. Der ghanaische Nationalspieler Addo schied Sekunden nach seinem Führungstor (38.) aus. "Da wird der Sport doch langsam unwichtig", sagte Sammer. Dede bekam einen Schlag auf das Knie und droht ebenfalls auszufallen.

"Auf Dauer werden wir das nicht ersetzen können, irgendwann wird es gefährlich", erinnerte der Leid geprüfte BVB-Coach daran, dass ihm vor dem Bundesligaspiel am Samstag gegen den SC Freiburg fast keine personellen Alternativen mehr bleiben. "Wir machen's schon irgendwie", zuckte er mit den Schultern, nachdem sich sein B-Team vor 30 500 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion mit einer kämpferischen Glanzleistung eine perfekte Ausgangssituation für das Rückspiel am 15. Oktober erarbeitet hatte. Nach dem Ausgleich durch einen 32- Meter-Freistoß des Slowaken Vladimir Janocko (39.) gelang Lars Ricken (67.) das 2:1 und damit der erste Auswärtssieg des BVB in einem internationalen Wettbewerb seit dem 18. März (1:0 beim AC Mailand).

Konzentriert, engagiert, mannschaftlich endlich wieder einmal restlos überzeugend - die Dortmunder Not-Elf fand in Wien ihre alten Tugenden wieder. Und Interims-Kapitän Dede machte sich und seinen Kollegen Mut, trotz aller Nackenschläge: "Wir müssen weiter nach vorn schauen, es muss immer weiter gehen." Doch wie, weiß keiner. Definitiv ist laut Sammer nur, dass von den ohnehin schon zehn Ausfällen, die sein Team vor dem UEFA-Pokal-Auftakt hatte, so schnell keiner zurückkommt. "Ich will aber nicht jammern", ergab sich Sammer dem Fatalismus, an der Situation nichts ändern zu können: "Wir haben diese Dinge einfach nicht mehr selbst in der Hand."

Doch der 36-Jährige weiß seit Mittwoch, dass er seinem Kader auch ohne elf oder zwölf vertrauen kann. Die Mannschaft zeigte die richtige Reaktion auf die zuletzt schwachen Leistungen und stimmte die rund 700 nach Wien mitgereisten Fans versöhnlich. Zudem ist die Personalmisere auch eine Chance für den Nachwuchs: Sahr Senesie (18), Salvatore Gambino (19) und Malte Metzelder (21) aus dem Regionalliga- Team des BVB absolvierten ihre erste Europacup-Reise. Sammer sprach von einer "Riesenchance", die sich den Talenten jetzt böte.

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