Mehr als nur Hilfskraft
Wissensmanager für Anwälte

Professional Support Lawyer sind Wissensmanager, die ihre Kanzlei-Kollegen mit Informationen versorgen.

DÜSSELDORF. Ihre Kollegen nennen sie spöttisch "Archivar" oder "besserer Referendar". Doch was die Professional Support Lawyer (PSL) leisten, ist weit mehr als die Arbeit eines Referendars. "Der Job kann nur von eingearbeiteten und spezialisierten Juristen gemacht werden", sagt Christoph Stadler, Partner im Düsseldorfer Büro der Kanzlei Hengeler Müller.

PSL sind spezialisierte Juristen, die vornehmlich in Wirtschaftskanzleien als Wissensmanager für andere Anwälte arbeiten. Sie sammeln und strukturieren Informationen, die etwa bei Fusionen und Übernahmen anfallen, und werten sie für spätere Fälle aus.

"Großkanzleien brauchen standardisiertes Wissen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärt Nikolaus Reinhuber, Partner bei der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Schließlich tobt der Konkurrenzkampf unter den großen Kanzleien seit Eintritt der angloamerikanischen "Law-Firms" auf den deutschen Markt. Freshfields beschäftigt in Deutschland zur Zeit zehn PSL bei knapp 500 Anwälten.

Entscheidend für den Erfolg ist, welche Qualität die Informationen haben, mit denen ihre Anwälte arbeiten, und wie schnell sie darauf zugreifen können. Der PSL bereitet deshalb auf, was er in der Kanzlei und auch extern zusammenträgt - etwa aktuelle Urteile oder Aufsätze aus juristischen Zeitschriften. Für häufig wiederkehrende Verträge entwickelt und aktualisiert er Muster - beispielsweise Standard-Satzungen für Aktiengesellschaften - entwirft standardisierte Gutachten und trägt Branchen-Know-How zusammen. Daneben erarbeitet und hält der PSL Trainings- und Schulungsveranstaltungen für Neueinsteiger.

Das Ziel lautet: gleichbleibende Qualität an allen Standorten, und damit ein einheitliches Erscheinungsbild, die "Corporate Identity".

Die Info-Manager sind auch ein Selbstschutz. Früher war das Wissen über die teilweise hoch komplexen Mandate nur in den Köpfen der beteiligten Anwälte gespeichert. Da in den vergangenen Jahren Kanzleiwechsel für Anwälte selbstverständlicher geworden sind, garantiert ein zentrales Wissensmanagement, dass wertvolle Informationen nicht verschwinden.

Die angelsächsischen Sozietäten haben das schon früher begriffen - und umgesetzt. In England kommt auf 25 Anwälte bereits ein Professional Support Lawyer, vor allem im Gesellschafts- und Unternehmenskaufrecht, Prozessrecht, Immobilien, sowie Bank- und Arbeitsrecht. "Das Berufsbild wird auch hier bald so originär zur Kanzlei gehören wie die Finanzbuchhaltung", ist Reinhuber überzeugt.

Streng genommen existiert "das Berufsbild" gar nicht, denn bislang hat jede Kanzlei in Deutschland ihr eigenes Jobprofil für PSL. Das spiegelt sich schon in der Bezeichnung wider: Bei Freshfields heißen die Kollegen "Knowledge Management Lawyer", bei Hengeler Müller kurz und knackig "Project Lawyer". "Support Lawyer" klingt nun mal zu sehr wie Hilfskraft.

Erfahrung an der Front

Dabei müssen auch PSL die Abeit der übrigen Anwälte beurteilen können - um beispielsweise Risiken in Unternehmenskaufverträgen zu erkennen. Deswegen engagieren die Kanzleien gern Anwälte, die jahrelange Erfahrung im Geschäft "an der Front" haben. Häufig sind es Frauen, die nach dem Erziehungsurlaub wieder einsteigen möchten, oder Juristen, "die einfach einen lockereren Job haben möchten", wie es ein Anwalt ausdrückt. Denn für den PSL ist auch Teilzeitbeschäftigung möglich.

Ein Teilzeit-PSL ist etwa Kristian Landegren, der drei Tage pro Woche bei Linklaters Oppenhoff & Rädler arbeitet. Er hat im vergangenen Jahr EDV-gestützte Knowhow-Systeme aufgebaut, sowie das vorhandene Material indexiert und mit einem Schlagwortverzeichnis versehen. "Die Arbeit hat nur wenig mit der klassischen Vorstellung von Anwaltsaufgaben zu tun", meint Landegren. "Aber gerade das gefällt mir an dem Job. Er ist vielseitig."

Und er bietet mit seinen relativ geregelten Arbeitszeiten die Chance, eine gewisse Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten. Die Teilzeit ist für männliche PSL aber schon mal ein Problem. "Manche empfinden es als Makel, wenn man nicht die ganze Woche arbeitet, sondern bei der Familie bleiben will. Das ist Quatsch. Die leisten schließlich wertvolle Arbeit, auch wenn sie nur an drei Tagen da sind", sagt Reinhuber.

Weniger Druck - weniger Gehalt. "Es kann schon mal ein gleiches Anfangsgehalt geben, doch spätestens nach zwei bis drei Jahren zieht der Anwalt am PSL vorbei", sagt Landegren. Vom Hungerlohn sind die Wissensmanager dennoch weit entfernt: Bei Freshfields etwa kann ein Einsteiger bis zu 39 000 Euro mit nach Hause nehmen, nach einem Jahr schon bis zu 43 000 Euro. Im Schnitt liegt die Vergütung rund 15 Prozent unter dem Gehalt der Anwälte.

Ob die PSL in Zukunft eine größere Lohntüte bekommen, hängt davon ab, "ob sich das Berufsbild bewähren wird", sagt Reinhuber. "Das Limit regelt der Markt - und letztlich der Nutzen der PSL für die Kanzleien."

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