Mehr als vier Fünftel des prognostizierten Jahresgewinns sind bereits eingefahren
VW kommt langsam wieder auf Touren

Die Absatzzahlen der Volkswagen AG signalisieren eine leichte Erholung, doch für Euphorie besteht nach Meinung von Analysten noch lange kein Grund: "VW durchläuft momentan eine schwierige Phase, und auch das kommende Jahr wird nicht einfach", erklärt Autoanalyst Henrik Lier von der WestLB die Lage.

hof FRANKFURT/M. Geschwächt wird der Konzern einerseits von der allgemeinen Branchenflaute. Andererseits sind die aktuellen Modelle der Verkaufsschlager Golf und Passat schon vergleichsweise alt; Ende des kommenden Jahres kommt der Golf V, erst 2004 der neue Passat. Viele Kunden warten mit dem Kauf daher ab. Der Geländewagen Touareg und der Minivan Touran, die nun auf den Markt kommen und an die VW große Hoffnungen knüpft, werden diesen Nachteil nicht ausgleichen können.

Im dritten Quartal 2002, dessen Zahlen am Mittwoch veröffentlicht werden, wird das Ergebnis des Konzerns nach Meinung von Analysten deutlich niedriger ausfallen im Vorjahr. Im Schnitt erwarten die Analysten bei einem relativ konstanten Umsatz von 20,7 Mrd. bis 20,9 Mrd. Euro einen Vorsteuergewinn nahe der Milliardengrenze. Das wäre zwar mehr als ein Viertel weniger als im Vergleichsquartal 2001. Damals hätten allerdings aufgelöste Rückstellungen in Höhe von 200 Mill. Euro das Ergebnis aufgebläht, sagt Michael Raab von Sal. Oppenheim. Nach einem Vorsteuerergebnis von 2,26 Mrd. Euro im ersten Halbjahr hätte VW gleichwohl vor dem traditionell schwachen 4. Quartal bereits mehr als 80 % des Jahresziels erreicht. Damit dürfte die Ertragsprognose des größten europäischen Automobilkonzerns nicht in Frage stehen. VW hatte sein Ertragsziel im Sommer zurückgenommen und peilt nun ein um rund 10 % reduziertes Vorsteuerergebnis von 4 Mrd. Euro für 2002 an.

Das ursprüngliche Ziel, 5 Mill. Autos zu verkaufen, dürfte nur schwer erreichbar sein. Denn das erste Halbjahr war für VW mit einem Absatzminus von mehr als 8 % und Marktanteilsverlusten sehr schwierig. Als Volumenhersteller wurden die Wolfsburger bedeutend härter von der Branchenflaute getroffen als die Konkurrenz von BMW und Daimler-Chrysler. Doch besonders die Erfolge der französischen Hersteller Peugeot/Citroen und Renault auf dem VW-Heimatmarkt Deutschland zeigen, dass die Probleme in Wolfsburg zum Teil auch hausgemacht sind.

VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hat bereits eine Strategiekorrektur angekündigt. VW hatte zuletzt stark wachsende Segmente vernachlässigt und beispielsweise den Trend zu kleinen Vans oder die Roadster-Welle verschlafen. Pischetsrieder will nun eine Aufholjagd in attraktiven Nischen starten, die Zyklen der verkaufsstarken Modelle entzerren und die Angebote der Marken VW, Audi, Seat und Skoda stärker differenzieren.

Trotz aller Probleme hat sich die Lage des Konzerns in den vergangenen beiden Monaten entspannt. Im September legte der Absatz um rund 5 % zu, und auch im laufenden Monat konnte der Konzern gegenüber dem Vorjahr anscheinend mehr Autos absetzen, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Allerdings sei der Zuwachs bei den Absatzzahlen im Oktober deutlich geringer ausgefallen als im Vormonat.

2003 sollen die neuen Modelle das Geschäft wieder ankurbeln. Doch die Kosten des noch frischen Produktionsstarts von Touareg und Touran sowie der Umstellung auf den neuen Golf werden die Bilanz belasten: "Doch 2004 wird dann das Superjahr für VW", prophezeiht Analyst Lier.

Quelle: Handelsblatt

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