Mehr Arbeitslose: Hamburg: Trendbranchen kommen unter Druck

Mehr Arbeitslose
Hamburg: Trendbranchen kommen unter Druck

Der gelungene Strukturwandel von einem eher industriell geprägten Standort zu einer Dienstleistungsmetropole zählt seit langem zu den Pluspunkten der Hamburger Wirtschaft.

dpa HAMBURG. "Die privaten und öffentlichen Dienstleistungen befinden sich seit Jahren in einem stabilen Aufwärtstrend", hieß es noch vor kurzem in einer Analyse der Hamburgischen Landesbank. Der Dienstleistungssektor trägt mehr als die Hälfte zur Hamburger Wirtschaftsleistung bei. Doch schon seit dem Sommer lässt die Dynamik dieser Wirtschaftszweige deutlich nach und die Politik in Hamburg muss erkennen: Auch Trendbranchen kommen schwer unter Druck.

Seit 1997 hat sich der Arbeitsmarkt in der Hansestadt stetig verbessert. Waren vor fünf Jahren noch mehr als 90 000 Hamburger ohne Job, so ging diese Zahl bis Mitte des vergangenen Jahres auf weniger als 70 000 zurück. Die Arbeitslosenquote erreichte im Juni 2001 mit 7,9 % ihren Tiefststand. Seitdem nimmt die Arbeitslosigkeit an der Elbe wieder zu und lag zuletzt bei über 77 000. Mit einem Plus von 4 900 neuen Arbeitslosen im Januar beklagte das zuständige Arbeitsamt den höchsten Januar-Zuwachs seit 1997. Die aktuelle Quote von 9,0 % ist zwar deutlich besser als in den anderen vier Küstenländern, aber schlechter als der Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer von 8,3 %.

Werbeflaute trifft Hamburg

Besonders fatal für die Hamburger Wirtschaftspolitik: Die neuen Arbeitslosen kommen aus den gehätschelten Branchen Werbung, Medien und Datenverarbeitung. Das Ende des Internet-Booms hat auch eine starke Werbeflaute bei den Verlagen nach sich gezogen, so dass der Hamburger Arbeitsmarkt gleich dreifach betroffen ist: Auf den Arbeitsmarkt strömen Werbefachleute und Grafiker, EDV-Experten und Internet-Spezialisten.

Doch auch die großen Industriebetriebe melden keine guten Nachrichten: Bei Airbus wurde eine geplante Aufstockung von Produktion und Personal wegen der Luftfahrt-Krise erst einmal verschoben und stattdessen Kurzarbeit angesetzt, die Lufthansa-Werft ist froh, wenn sie niemanden entlassen muss und der Philips-Konzern hat riesige Verluste angehäuft. Dazu schwächeln praktisch alle Handelsbranchen, vom Einzelhandel bis zum Groß- und Außenhandel.

Der neue Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU), der erstmals auch für die Arbeitsförderung zuständig ist, will nutzlose Ausgaben in diesem Bereich einsparen und stattdessen das Wachstum stärken. Seine Amtszeit ist noch zu kurz, als dass er sich die jüngste Entwicklung zurechnen lassen müsste. Um neue Arbeitsplätze zu schaffen, hat der neue Senat als ersten Schritt ein städtisches Reparaturprogramm über 50 Mill. Euro auf den Weg gebracht, das dem Mittelstand helfen soll.

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