Mehr Aufträge bei Datensicherern möglich
IT-Sicherheitstitel sind kein Kauf ohne Risiko

In der Talfahrt der Börsen suchen viele Anleger ihr Heil in den Aktien von Sicherheitsdienstleistern der IT-Branche. An der Bewertung dieser Papiere scheiden sich aber die Geister.

HB DÜSSELDORF. Nach den Anschlägen in den USA sind Aktien von Unternehmen, die sich auf Daten- und Netzwerksicherheit spezialisiert haben, stark gefragt. Zum Beispiel die Papiere der Biodata Information Technology. Diese haben seit ihrem Jahrestief - einen Tag nach den Anschlägen - zeitweise mehr als 30 Prozent zugelegt. Auch andere Titel des Bereichs Sicherheitssoftware wie Articon Integralis, Utimaco Safeware oder Securenet profitierten stark von dem Run auf Aktien der IT-Sicherheitsdienstleister. Zusätzlichen Schub brachte noch der Virus "Nimda", der vergangenen Dienstag tausende Computer infizierte.

Bei Datenverlust droht das Aus

"Das ist ein fast wahlloses Investieren in alles, was "Security" im Namen hat", sagt Thomas Becker, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Es gäbe keinen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Amerika und den Produkten von Unternehmen wie Biodata. Der Softwareentwickler beschäftigt sich vor allem mit Verschlüsselungstechniken. "Allein dadurch hätten die betroffenen Unternehmen im World Trade Center ihre Daten auch nicht retten können."

Das vielleicht nicht, doch die Analysten von SES Research meinen, dass Biodata die Technologie gut im Rüstungs- oder Militärbereich einsetzten könnte. Außerdem sei Biodata bei der Bilderkennung führend. Konsequenz: Biodata sei ein "Outperformer", sollte sich also besser als der Markt entwickeln.

"Selbst wenn jetzt mehr IT-Sicherheit gefragt wird, die Kursgewinne von Biodata und Co. waren völlig übertrieben", sagt dagegen Jost Niggemann von der Perfomaxx AG. Und dass ausgerechnet die Aktien des Weltmarktführers in diesem Bereich, Check Point Software Technologies, nicht profitiert hätten, sei noch verwunderlicher. Als Fakt gilt, dass die meisten Unternehmen ihre Ausgaben für Informationstechnologie in diesem Jahr stark gekürzt haben. Ob sie nach den Ereignissen der letzten Tage wieder stärker in die Sicherheit ihrer Daten investieren, bleibt daher erst einmal reine Spekulation.

Auf Disaster-Recovery spezialisiert

Mehr Aufträge können sich Analysten eher bei Unternehmen vorstellen, die sich auf Disaster-Recovery spezialisiert haben. Die stellen keine Software her, sondern speichern die wichtigen Daten großer Unternehmen extern, also in sicherer Umgebung. Das machen beispielsweise Dienstleister wie International Business Machines (IBM), Electronic Data Systems (EDS), Comdisco oder SunGard Data Systems. Allein Comdisco betreut 40 New Yorker Firmen beim Wiederaufbau der Informationstechnik.

Die IT Gartner Group-Beratungsgesellschaft erwartet, dass einige Unternehmen mehr in Datensicherheit investieren werden. Zwei von fünf Unternehmen würden einen Ausfall ihrer Computersysteme und den Komplettverlust ihrer Daten nicht überstehen. In diesem Bereich sei ein Wachstum schon möglich, sagt auch Analyst Becker, "aber auch hier wird es keine Marktverdoppelung geben", warnt er.

Auch die Schweizer Mount-10 Holding hat sich auf die Sicherung von Daten spezialisiert. Letzte Woche stufte die Norddeutsche Landesbank die Aktien des IT-Diensleisters von "Reduzieren" auf "Halten" herauf. Zwar habe das Unternehmen eine hohe Cash-Burn-Rate, verbrauche also ziemlich schnell die liquiden Mittel. "Bei Mount-10 ist der psychologische Effekt aber nicht zu unterschätzen", sagt Analystin Martina Noß. Das Unternehmen speichert Daten in geschützten Bunkern in den Schweizer Alpen. "Das ist in Europa wohl das Sicherste, was es gibt." Für die Unternehmen. Doch für die Anleger bleibe die Aktie nicht ohne Risiko.

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