Mehr Börsen-Umsatz erwartet
Gewinner und Verlierer vor Index-Neugewichtung

Deutlich steigende Börsenumsätze erwarten Aktienexperten in den kommenden vier Wochen, bevor die Deutsche Börse zum 24. Juni die Berechnung ihrer Indizes auf Streubesitz umstellt und institutionelle Anleger dadurch zur Anpassung ihrer Portfolios zwingt.

rtr/ mm FRANKFURT. Ab 24. Juni ist vieles anders - zumindest bei den Aktienindizes der Deutschen Börse. Dann werden erstmals alle Index-Titel nach ihrem Streubesitz-Anteil gewichtet. Als Streubesitz werden die Aktien bezeichnet, die sich tatsächlich am Markt kaufen oder verkaufen lassen. Bislang orientiert sich das Gewicht eines Titels an allen Aktien.
Demnächst werden viele instutuionelle Investoren ihre Depots umstellen. "Die Anpassung wird in den nächsten vier Wochen erfolgen", erwartet Christian Stocker, Aktienstratege bei der HypoVereinsbank, und verweist auf Erfahrungen bei Umstellungen von Indizes anderer Anbieter. Vermögensverwalter, die sich an den Börsen-Barometern als Gradmesser (Benchmark) orientieren oder einen solchen Aktienkorb exakt nachbilden, müssen spätestens zum Stichtag ihre Positionen angepasst haben. Analysten gehen davon aus, dass rund die Hälfte der Börsenwerte des Dax von rund 665 Milliarden Euro in solchen Fonds gebunden ist. Stocker erwartet bei den Gewinnern der Umstellung in den nächsten Wochen eine steigende Zahl von Kaufaufträgen. Beim Versorger Eon rechnet er beispielsweise mit elf Prozent mehr Nachfrage als in "normalen" Börsenzeiten.

Ab dem 24. Juni bezieht die Börse nicht mehr alle zum Handel zugelassenen Aktien in die Berechnung ihrer Indizes - beispielsweise des Deutschen Aktienindex (Dax) - ein, sondern nur noch die tatsächlich an der Börse verfügbaren Titel. Dadurch sollen die Unternehmen, deren Aktien gut handelbar sind, ein höheres Gewicht im Index erhalten. Gesellschaften, deren Aktien in erster Linie bei strategischen Investoren festliegen, dem Börsenhandel also nur bedingt zur Verfügung stehen, werden ein geringeres Gewicht erhalten. Dabei gilt ein Aktienpaket von fünf Prozent als strategisches Investment und wird nicht mehr dem Streubesitz zugerechnet.

GEWINNER UND VERLIERER IM FOKUS DER ANLEGER

Nach Berechnungen der Privatbank Trinkaus & Burkhardt werden die Deutsche Bank, Siemens und E.ON im Dax stark an Gewichtung zu legen, während die Münchner Rück, die Deutsche Telekom und BMW zu den Verlieren gehören werden. Die entscheidenden Daten für die Umstellung will die Deutsche Börse am 19. Juni vorlegen. Für die Übergangsphase geht HVB-Stratege Stocker auf Basis einer Szenario-Berechnung für die zu erwartenden Umschichtungen von elf Prozent mehr Nachfrage bei den Aktien von Eon und rund zehn Prozent mehr Kauforder beim Chemieunternehmen Schering sowie bei der Deutschen Bank aus. Zu diesem Ergebnis kommt der HVB-Analyst unter Annahme eines am Dax orientierten Fonds mit einer Milliarde Euro zu verwaltendem Vermögen.

Deutlichen Abgabedruck erwartet Stocker dagegen bei BMW, Henkel und Degussa, bei denen bis zu 37 Prozent mehr Verkäufe als im bisherigen Durchschnitt auftreten sollten. "Eine Trading-Idee wäre, die ersten drei jetzt zu erwerben und die anderen drei leer zu verkaufen", sagte Stocker. Unter einem Leerverkauf versteht man die Veräußerung einer geliehenen Aktie mit dem Ziel, sie später - möglichst bei gefallenem Kurs - wieder zurückzukaufen.

Im MDax werden die Deutsche Börse selbst, der Reifenhersteller Continental und der Pharmakonzern Merck von der Änderung der Berechnungsmethode profitieren, Heidelberger Druck, AMB Generali und BHW Holding werden hingegen an Indexgewicht einbüßen. Im Nemax50 wiegen Qiagen, BB Biotech und Singulus nach dem 24. Juni im Index schwerer, während Consors, Medion und Comdirect Einbußen bei der Gewichtung hinnehmen müssen.

UMSTELLUNG WIRD DAX-ZUSAMMENSETZUNG WOHL NICHT ÄNDERN

Analysten rechnen für die nächste zum 13. August anstehende Überprüfung der Zusammensetzung der Indizes der Deutschen Börse nicht mit einer Veränderung im Leitindex Dax, da die kleinsten Unternehmen des Börsenbaromters nach den Kriterien Börsenumsatz und Marktkapitalisierung nicht von einem Abstieg gefährdet sind.
Auch der Finanzdienstleister MLP, eines der kleineren Unternehmen im Dax, ist wohl nicht gefährdet, obwohl sich seine Marktkapitalisierung seit Anfang Januar mehr als halbiert hat. "Wir glauben nicht, dass MLP bedroht ist, da kein überzeugender Nachrücker da ist", sagte Aktienstratege Rainer Gerdau von der Dresdner Bank.

Sollte Degussa aufgrund einer Übernahme durch die RAG aus dem Dax herausfallen, sind Altana, Beiersdorf und die Deutsche Börse dem Reglement zufolge Kandidaten für den Aufstieg in den Dax. Gerdau räumt hier Altana die größten Chancen ein. Angesichts des verhältnismäßig dünnen Börsenumsatzes bei der Deutschen Börse rechnet er für diese Aktie vorerst nicht mit einem Aufstieg in das Blue Chip-Segment.

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