Mehr Chancen als Risiken
Stahlkocher freuen sich auf Erweiterung der EU

Die deutsche Stahlindustrie blickt gespannt gen Osten: Beim Stahl-Branchenverband in Düsseldorf ist durch die EU-Erweiterung von Chancen und Risiken die Rede - mit Betonung auf Ersterem. "Die Stahlindustrie wird wieder eine stärkere Stellung in der europäischen Wirtschaft einnehmen", hofft der Präsident des Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling.

HB DÜSSELDORF/ESSEN. So liege der Beitrag der Stahlindustrie zur Industrieproduktion in Polen und Tschechien bei rund fünf Prozent, in Deutschland bei unter zwei.

Deutsche Unternehmen haben derzeit nur wenige kleine Produktionsstätten in den Beitrittsländern. Die Hersteller freuen sich deshalb vor allem auf den größeren Markt. Der Handel werde durch den Beitritt erleichtert. Die Absatzmöglichkeiten in stahlintensive Branchen wie Bau- und Autoindustrie vergrößerten sich. Auch der Import von Vorprodukten sei interessant. "Mittelfristig bleiben die mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer ein günstiger Produktionsstandort", heißt es. Die Kehrseite der Medaille: Günstige Produktionskosten stellten für die deutschen Unternehmen auch eine Bedrohung dar. "Der Wettbewerb in der erweiterten Union wird an Schärfe zunehmen."

Die Rohstahlkapazitäten liegen nach Schätzungen des Verbandes in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn bei rund 27 Mill. Tonnen im Jahr. Produziert wurden in diesen vier Ländern 2003 insgesamt rund 24 Mill. Tonnen. Lettland und Slowenien mit zusammen insgesamt rund einer Million Tonnen fallen nicht ins Gewicht. Estland, Litauen, Malta und Zypern haben gar keine Stahlindustrie. Zum Vergleich: 2003 erzeugten die deutschen Hersteller rund 44,8 Mill. Tonnen Rohstahl, in der bisherigen EU mit 15 Mitgliedern waren es nach Angaben des Brüsseler Welt-Stahlinstituts insgesamt 159,8 Mill. Tonnen.

Die Produktivität ist gleichwohl weitaus geringer als in der alten EU. So werden in Polen, Tschechien und Ungarn im Schnitt rund 160 Tonnen Rohstahl pro Mann und Jahr erzeugt. In Deutschland sind es 600 Tonnen. Die vergleichsweise schlechte Produktivität wird jedoch durch günstige Arbeitskosten aufgewogen: nur zehn bis 15 % der deutschen Kosten fallen an. Daraus ergibt sich, dass die "Lohnstückkosten" bei der Rohstahlerzeugung etwa in Polen nur 60 % im Vergleich zu Deutschland betragen, in der Slowakei sogar nur 20 %.

Langfristig rechnen die deutschen Stahlexperten damit, dass sich die Arbeitskosten im EU-Rahmen erhöhen. "Daher wird es unerlässlich sein, die Produktivität durch einen deutlichen Beschäftigtenabbau zu verbessern." Dies gehe einher mit Modernisierungen. Man geht davon aus, dass in den Beitrittsländern durch Restrukturierungen am Ende rund die Hälfte der Stahl-Arbeitsplätze im Vergleich zu 2001 abgebaut sein werden. Zum Vergleich: Derzeit beschäftigt die deutsche Stahlindustrie rund 94 500 Menschen. 1978 waren es noch 300 000. Weitere Veränderungen werden bei den Erzeugungsverfahren und im Produktsortiment erwartet, hervorgerufen auch durch eine erwartete steigende Nachfrage in der Bau- und der Autoindustrie.

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