Mehr Durchblick für den Anleger
Der gläserne Vermögensverwalter kommt

Nicht nur Analysten geraten in der Börsenbaisse ins Kreuzfeuer der Kritik. Auch bei Investmentfonds schauen die Anleger genauer hin und fragen nach verschleierten Kosten oder möglichen Interessenkonflikten. Die deutsche Fondsbranche will dieser Kritik mit neuen Spielregeln den Wind aus den Segen nehmen.

FRANKFURT/M. Mit dem Ende des Börsenbooms kam die Enttäuschung - auch für Fondsanleger. Sie stellen jetzt kritische Fragen: Was leistet der Fondsmanager? Welche Kosten verschlingt die Gesellschaft? "Sowohl private als auch institutionelle Anleger fordern mehr Transparenz - der Trend ist eindeutig", sagt Patrik Bremerich, Geschäftsführer der Kölner Beratungsfirma RMC Risk-Mangement-Consulting. In Zukunft entscheide nicht mehr die Vertriebskraft der Investmentgesellschaft über den Verkaufserfolg, sondern die Qualität der Produkte. Auch Frank Wehlmann, Geschäftsführer der Ratingagentur RCP & Partners, sieht das so: "Deshalb müssen die Vermögensverwalter heute mehr Informationen liefern."

Die Branche geht in die Offensive, um sich der Kritik zu stellen. Der deutsche Fondsverband BVI wird morgen seine so genannten Wohlverhaltensregeln vorstellen. Sie sollen die Gesellschaften stärker in die Pflicht nehmen. So muss die Anlagepolitik dauerhaft dem in den Fondsunterlagen beschriebenen Anlagecharakter des Fonds entsprechen. Darüber hinaus darf die Investmentgesellschaft Wertpapierorders nur an Händler geben, die eine bestmögliche Ausführung sicherstellen und die Transaktionen zu marktkonformen Konditionen abwickeln. Damit soll verhindert werden, dass Bankkonzerne sich bei ihren Fondskunden indirekt über die Aufträge der Fonds bedienen. Weitere Punkte dürften die Fondskosten und den Handel mit konzernverbundenen Aktien betreffen. Immer wieder ist zum Beispiel gefordert worden, dass der Fonds seine gesamten Kosten in einer einzigen Kennzahl veröffentlichen soll, um Vergleiche zu ermöglichen. Anteilsbesitzer sollten zudem über die Ergebnisse von Abstimmungen auf Hauptversammlungen bei jenen Firmen informiert werden, die in den Fondsportefeuilles enthalten sind.

Insgesamt handelt es sich um einen sehr umfangreichen Verhaltens-Kodex mit sieben Hauptpunkten und rund 50 Unterpunkten. Er konkretisiert die gesetzliche Vorgabe, nach der Kapitalanlagegesellschaften ausschließlich im Interesse ihrer Anleger handeln müssen. "Wir gehen davon aus, dass die Gesellschaften die Wohlstandsregeln verabschieden", sagt BVI-Sprecher Andreas Fink. Allerdings gebe es auch Einsprüche, denn einige Bestimmungen seien für einzelne Gesellschaften "unangenehm".

Welche Auswirkungen hat die größere Transparenz? "Sie macht erst die Unterschiede zwischen den Anbietern deutlich", sagt Carsten Wittrock, Geschäftsführer der Beratungsfirma zeb/asset-management.consult. Dies führe dazu, dass sich die Anbieter stärker spezialisieren und sehr deutliche Profile ausbilden müssten - aber auch zu einer Marktbereinigung. "Besonders kleinere Anbieter, die sich nicht auf einen Nische konzentrieren oder keinen besonderen Service anbieten, bekommen Probleme", sagt Wittrock. Allerdings sei bei den Investoren noch Aufklärungsarbeit zu leisten. "Bei vielen ist das Know-How noch nicht da, um mit den neuen Informationen umzugehen. Viele stürzen sich doch wieder auf die Performance als Auswahlkriterium."

Die Offensive des BVI ist Teil eines übergreifenden Trends zu mehr Transparenz. Ein Schlaglicht auf die Entwicklung werfen die an Popularität gewinnenden Ratings bei den Publikumsfonds und die Performance Presentation Standards (PPS) im Spezialfondsgeschäft. Grundprinzip der PPS ist die Darstellung von Anlageergebnissen anhand so genannter Composites, in denen sämtliche Portfolios einer Fondsgesellschaft mit vergleichbaren Anlagestrategien oder-zielen zusammengefasst werden. Auf diese Weise wird vermieden, dass lediglich mit besonders erfolgreichen Fonds geworben wird. Bei den Asset-Manager-Ratings handelt es sich um Bewertungen ähnlich einem Schulnotensystem, das vor allem institutionelle Anleger verwenden. Sie ziehen bei der Auswahl auch spezialisierte Berater hinzu.

Der neue Trend ist im Berichtswesen der Fonds ebenfalls zu spüren. Immer häufiger werden den Investoren per Internet aktuelle abrufbare Informationen zur Verfügung gestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%