Mehr Flexibilität und neue Märkte
Strategiewandel bei Thomas Cook

Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook hat im Zeichen der anhaltenden Krise der Touristikbranche einen Wandel seiner Strategie eingeleitet.

Reuters REINHARTSHAUSEN. Angesichts der Probleme beim klassischen Pauschalurlaub plant Cook nach den Worten von Konzernchef Stefan Pichler mehr flexibel buchbare Reisen, eine veränderte Preispolitik und die Expansion in neue Märkte vor allem in Asien. "Wir wollen Wachstum durch neue Produkte", sagte Pichler am Wochenende bei der Präsentation der Konzernstrategie für die kommenden fünf Jahre in Reinhartshausen bei Wiesbaden. In neuen Märkten seien die Gewinnchancen deutlich besser als in Europa. Pichlers Pläne sehen vor, dass sich bei Cook bis 2007 der Anteil flexibler Reisen nach dem Baukastenprinzip von heute zehn auf 40 Prozent erhöht. Das Geschäft außerhalb Westeuropas, das heute gerade mal vier Prozent ausmacht, soll auf 20 Prozent wachsen.

Für das laufende Jahr blieb Pichler zurückhaltend. Die Wachstumsprognose von drei bis vier Prozent für den Gesamtmarkt in Deutschland stehe unter dem Vorbehalt einer weiterhin schwachen Konjunktur und eines Irak-Krieges. "Das Jahr 2003 wird sicherlich kein Zuckerschlecken. Aber wir sind vorbereitet", sagte Pichler. Das gelte auch für einen Krieg gegen Irak.

In der Wintersaison, die am 1. November begann, liege Thomas Cook bei den gebuchten Umsätzen "leicht über dem Vorjahr", für die Sommersaison "noch leicht unter Vorjahr". Der Konkurrent Tui - Marktführer in Europa - hatte kürzlich sowohl für die Wintersaison, als auch die Sommersaison Umsatzrückgänge von bisher fünf und sechs Prozent gegenüber dem bereits stark rückläufigen Vorjahr eingeräumt.

Cook plant nach dem schon angekündigten Konzernverlust im Vorjahr für das laufende Geschäftsjahr 2002/2003 (bis 31. Oktober) dennoch "eine schwarze Null". Der geplante Abbau von gut 500 Stellen, Ausgliederung des IT-Bereichs und weitere Maßnahmen soll laut Pichler rund 100 Millionen Euro in diesem Jahr einsparen.

Gleichwohl sieht Pichler für die großen europäischen Touristikkonzerne mittelfristig weiterhin Wachstum, allerdings mit veränderten Spielregeln und zunehmend außerhalb Europas. Der klassische Pauschalurlaub "Sun & Beach" ("Sonne & Strand") sei ein relativ gesättigter Markt mit nur noch geringem zusätzlichen Potenzial. Reisen nach dem Bausteinprinzip könnten dagegen bis 2007 jährlich um acht Prozent wachsen. Sogar bis zu 18 Prozent Wachstum erwartet Pichler bei Reisen mit speziellen Ausrichtungen (Sport & Aktivitäten, Erholung).

Thomas Cook will die Preise flexibler gestalten. Der umsatzstärkste Veranstalter Neckermann, wird zur "Aktionsmarke". Dies bedeute regelmäßige Preisaktionen über Frühbucherrabatte und Last-Minute-Angebote hinaus. Mit den neuen Billigfluglinien will Cook zusammenarbeiten, ohne wie Tui eine eigene zu gründen. Die Gespräche mit dem Low-Cost-Carrier des Cook-Miteigners Lufthansa, Germanwings, seien auf gutem Weg. Aber auch konzernfremde Anbieter seien als Partner denkbar.

Die Zukunft der Touristik liegt nach Ansicht Pichlers allerdings in Asien."Die Entwicklung in Europa flacht ab. Das Amerika-Geschäft wächst langsam. Der Reisemarkt der Zukunft ist Asien", sagte Pichler. Dort seien in den nächsten Jahren die höchsten Erträge in der Touristik möglich. Während man sich in Europa schon mit Renditen zwischen zwei und drei Prozent glücklich schätzen könne, kalkuliert Pichler in Asien mit acht bis zehn Prozent. In Indien ist Thomas Cook bereits als börsennotiertes Unternehmen seit Jahrzehnten präsent. Thomas Cook Thailand wurde kürzlich gegründet. Das bereits vor einigen Monaten angekündigte Joint-Venture mit einem großen chinesischen Veranstalter werde kommende Woche unterzeichnet, sagte Pichler.

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