Mehr Geld vom Bund gefordert
Industrie droht mit Aus für Ariane-Rakete

Die europäische Raumfahrt-Industrie verlangt mehr Geld von den europäischen Regierungen, um das Raketenprogramm Ariane weiter zu führen.

HB/dri BERLIN. Nach einem Gespräch mit Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte Rainer Hertrich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), über eine zusätzliche Finanzierung gebe es keine Einigung. Der BDLI fordert von Bulmahn die Erhöhung des Raumfahrtetats von jährlich 561 Mill. Euro um 40 Mill. Euro. "Raumfahrt ist kein Wettbewerbsmarkt", sagte Wolfgang Brunn, Vorstandsvorsitzender der MAN Technologie AG. Gerade die Zulieferer bräuchten eine langfristige Perspektive und Abnahmegarantien für ein Weltraumprogramm. Anderenfalls sei das Risiko zu hoch.

Bulmahn wird am 27. Mai in Paris die außerordentliche Ministerkonferenz der Europäischen Weltraumagentur (ESA) leiten, bei der über die Zukunft der Ariane-Rakete entschieden werden soll. Vor dieser Konferenz könne es keine Finanzierungszusagen der Bundesregierung geben, sagte ein Sprecher Bulmahns. Darüber wollten sich die Minister erst in Paris verständigen. Einig sei sich die Bundesregierung aber mit der Raumfahrtindustrie, dass ein eigenes europäisches Programm einschließlich der Trägerrakete Ariane für Europa unverzichtbar sei.

Das Ariane-Programm steckt tief in der Krise. Ursache ist vor allem der Zusammenbruch des Marktes für Kommunikationssatelliten. Die letzten Hoffnungen der Europäer für einen baldigen Ariane-Erfolg machte im Dezember 2002 die Explosion einer Ariane-Rakete kurz nach dem Start zunichte. Seither überarbeitet die Industrie das gesamte Projekt und rechnet mit eigenen Zusatzkosten von 550 Mill. Euro. Die Ariane soll künftig für 136 Mill. Euro angeboten werden; das sind 27 % weniger als beim letzten erfolgreichen Start im April und 55 % weniger als vor dem Fehlstart.

Neben höheren Subventionen brauche die Industrie jetzt aber auch die Garantie, dass europäische Satelliten - etwa für das Galileo-Programm - mit der Ariane ins All befördert werden. "In den USA wäre es undenkbar, dass etwa GPS-Satelliten mit einer ausländischen Rakete befördert werden", sagte Hertrich.

Brunn forderte von den europäischen Regierungen, sich zu entscheiden, ob sie eine eigene Raumfahrt entwickeln wollten oder nicht: In den USA, Russland und China käme niemand auf die Idee, aus kommerziellen Gründen Raumfahrt zu betreiben, wie dies die Europäer begründen. "Es geht dabei um Macht und militärische Strategie."

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