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Mehr improvisieren!

Wer nicht fähig ist, schnell auf neue Entwicklungen zu reagieren, hat als Manager keinen Erfolg. IT-Unternehmer Prof. August-Wilhelm Scheer (Foto) erklärt, was Wirtschaftsbosse von Jazz-Musikern lernen können.

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Viele Führungskräfte spielen ein Musikinstrument, teilweise sehr gekonnt und fast professionell. Doch die meisten halten sich zurück, wenn es um öffentliche Auftritte oder Äußerungen zu ihrem Musizieren geht. Ich selbst spiele seit vielen Jahren Saxophon in verschiedenen Jazz-Bands und habe in der Welt der Musik vieles gelernt, was ich auf meine Tätigkeit als Unternehmer übertragen konnte. Ja, ich bin sogar der Überzeugung, dass eine Jazz-Band aus mehreren Gründen als Vorbild für modernes Management dienen kann. Improvisation - Das Wesen der Jazz-Musik Nehmen wir als Beispiel die Improvisation, die das Wesen der Jazz-Musik ausmacht. Ein Jazz-Solist erfindet aus dem Stegreif neue Melodien, die zu den vorgegebenen Harmonien eines Themas passen. Er trifft damit in extrem kurzer Zeit irreversible Entscheidungen über die Höhe der Note, die er spielt, den Ausdruck, den er ihr verleiht und über ihre rhythmische Einordnung. Gleichzeitig beeinflusst die gespielte Note sofort den weiteren Ablauf. Sein Spiel wiederum wird beeinflusst durch seine Mitspieler. So entsteht bei der Jazz-Improvisation eine hohe Intensität an Kommunikation zwischen den Beteiligten, die zu hoher Kreativität anregt. Indes ist im Management der Begriff Improvisation eher negativ belegt. Die Formulierung "wir müssen improvisieren" bringt zum Ausdruck, dass nicht wie gewünscht planmäßig gehandelt wird, sondern eben aus dem Stegreif. Nun setzt Planung aber voraus, dass das Umfeld stabil ist oder zumindest richtig eingeschätzt werden kann. In einem turbulenten Umfeld, in dem sich die Rahmenbedingungen schnell verändern, ist dagegen Planung problematisch. Generell wird in der neueren Managementliteratur deshalb auch die Bedeutung der Planung eher reduziert. Es gibt zu viele Beispiele, wo gerade das Gegenteil einer geplanten Aktion eingetreten ist und den Erfolg brachte. Strategien erfolgreich überdacht So plante das japanische Motorradunternehmen Honda vor einigen Jahren den Markteintritt mit schweren Motorrädern in die USA. Ein vorbereitendes Team wurde nach Amerika geschickt, das sich dort aber aus Budgetgründen nur mit mitgebrachten Leichtmotorrädern fortbewegte. Da durch Marken wie Harley Davidson bereits ein erfolgreicher einheimischer Markt bestand, war es für Honda schwer, in das gleiche Marktsegment einzudringen. Das Team merkte aber, dass Leichtmotorräder ein Erfolg sein könnten und hat die ursprüngliche Strategie spontan verändert und Honda auf diesem Marktsegment zu einem Eintrittserfolg verholfen. Auch SAP hatte sein Softwaresystem R/3 zunächst anders geplant. Zunächst sollte es eine Lösung für mittelständische Unternehmen auf der Plattform der IBM-Rechner vom Typ AS 400 werden. Auf Grund von Performance-Schwierigkeiten wurde die Systemarchitektur geändert. Daraus entwickelte sich ein weltweit erfolgreiches System, das vornehmlich von Großunternehmen eingesetzt wird und auf technischen Plattformen der Client-Server-Architektur mit neutralen Schnittstellen basiert. Diese Beispiele zeigen, dass erfolgreiche Unternehmensführung keineswegs das sture Festhalten einmal getroffener Planungsentscheidungen bedeutet, sondern das wache Aufnehmen neuer Entwicklungen und das darauf gekonnte und schnelle Reagieren. Auf das Miteinander kommt es an In einer guten Jazz-Band spielen Experten miteinander, die zeit- und ortsgleich in hohem Maße kommunizieren. Jeder hört auf den anderen, insbesondere auf den Solisten, und geht auf die harmonische und melodische Weiterentwicklung seines Solos ein. Gleichzeitig erhält der Solist Anregungen durch die Figuren der Rhythmus-Gruppe, bestehend aus Piano, Bass und Schlagzeug. Der CEO des Spielwarenherstellers Lego ließ seinen Vorstand als Jazz-Band präsentieren, um zu zeigen, wie bei einem modernen Führungsteam Kreativität zählt. Sowohl im Jazz als auch im modernen Management dominiert der Teamgedanke. Die Zusammensetzung des Teams durch möglichst weit gefächerte Kernkompetenzen und das Nutzen von Synergien zwischen den Kompetenzen durch hohe Kommunikation sind der Schlüssel zum Erfolg. (*) 1985 legte der gebürtige Westfale Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer den Grundstein für die IDS Scheer AG. Seit November 1999 ist Scheer Beauftragter des Ministerpräsidenten des Saarlandes für Innovation, Technologie und Forschung. Lesen Sie mehr über den leidenschaftlichen Jazz-Musiker in seinem Portrait weiter ...

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