Mehr Kontrollen bei Zulieferern
Mercedes: Qualitätsmängel werden zur Chefsache

Mercedes macht die anhaltenden Qualitätsmängel an seinen Autos zur Chefsache. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert kümmert sich jetzt an oberster Stelle selbst darum. Vor allem die Zulieferer geraten ins Visier.

brb/zel VALENCIA/DÜSSELDORF. Mercedes reagiert: Der Stuttgarter Automobilhersteller will die Qualitätsmängel an seinen Fahrzeugen abstellen und dem Premiumanspruch wieder gerecht werden. "Qualität ist zu einem entscheidenden Faktor in der Arbeit von Mercedes geworden", betonte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert im Gespräch mit dem Handelsblatt bei der Präsentation der neuen E-Klasse in Valencia. Hubbert gestand die Häufung von Qualitätsmängeln ein und versprach Besserung. Qualität wird beim wichtigsten Geschäftszweig des Daimler-Chrysler-Konzerns jetzt zur Chefsache erklärt - Hubbert will sich künftig persönlich darum kümmern.

Erst vor wenigen Wochen hatte der TÜV mit seinem Mängelreport über deutsche Autos dem Stuttgarter Automobilhersteller zum letzten Mal schlechte Nachrichten beschert. Das aktuell beste Fahrzeug mit den wenigsten Mängeln (ein bis drei Jahre alt) kommt mit dem Focus von Ford. Daimler-Kunden müssen in der TÜV-Liste lange nach dem ersten Mercedes-Modell suchen: Der Roadster SLK steht auf dem zwölften Rang.

Im TÜV-Report ist im Detail nachzulesen, wie sich die Qualität über Jahre bei Mercedes verschlechtert hat. Bei älteren Autos (zwischen sechs und elf Jahren) belegt Mercedes mit seinen Modellen noch Spitzenplätze - so, wie es sich für einen Hersteller mit Premiumanspruch gehören sollte. Doch schon bei den vier und fünf Jahre alten Autos reicht es bei Mercedes nur für Mittelplätze. Ähnlich schlechte Noten hatte die deutsche Edelmarke auch vom renommierten amerikanischen Marktforschungsunternehmen J. D. Power erhalten. In Kundenbefragungen über Qualität ist Mercedes im vergangenen Jahr von Platz sechs auf zehn gefallen.

Mercedes-Chef Hubbert bezeichnet die Qualitätsmängel als "komplexeres Problem". Schwierigkeiten gebe es bei den Zulieferern, wo das Thema Qualität "nicht überall gelebt" werde. Mercedes sei in den vergangenen Monaten von Qualitätsmängeln überrascht worden, da die Lieferanten von sich aus Veränderungen an den gelieferten Bauteilen vorgenommen hätten. Wenig zuverlässige Zulieferer müssen sich künftig auf Besuch einstellen. Hubbert kündigte an, dass Mercedes-Abgesandte künftig verstärkt die Zulieferer und deren Fertigungsprozesse kontrollieren werden.

"Unser Ziel ist es, die Besten in der Qualität zu sein", versprach Jürgen Hubbert. Im Moment stellt Mercedes für jedes produzierte Fahrzeug im Durchschnitt 1 200 Euro für Qualitätsmängel zurück. Hubbert räumte ein, dass das eine Steigerung sei. Ausgelöst sei der Zuwachs jedoch durch höhere Produktionszahlen von Mercedes-Modellen. Dies betreffe insbesondere die A- und die M-Klasse.

Gravierende Mängel ziehen sich durch fast alle Fahrzeugtypen von Mercedes. Bei der kleinen A-Klasse häufen sich die Probleme an der Hinterachse, bei der S-Klasse gibt es Ärger mit der "Air-Body-Control", einem Hydrauliksystem für die Federung. Schwierigkeiten macht auch die neue C-Klasse: Viel zu früh muss die Einspritzpumpe bei Dieselmotoren ausgetauscht werden, manchmal schon bei 80 000 km. Von Mercedes-Chef Hubbert kommt dazu kein Dementi, der betroffene Zulieferer Bosch will sich zu dem Problem in der Öffentlichkeit nicht äußern.

In Börsen- und Finanzkreisen wachsen die Sorgen, das Premiumansehen von Mercedes könne auf Dauer Schaden nehmen. Das amerikanische Investmenthaus Goldman Sachs schrieb bereits im vergangenen Jahr dazu: "Wir sind beunruhigt, dass das Kostensparen in einigen Bereichen zu weit gehen könnte." Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft im württembergischen Nürtingen, sieht das Problem in kürzeren Entwicklungszeiten begründet: "Damit nehmen auch die Qualitätsmängel zu."

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