Mehr Offenheit gefordert
Schröder: Bei Gentechnik auch ökonomische Chancen beachten

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat erneut zu mehr Offenheit in der Debatte über die Gentechnik aufgerufen, sich aber in den aktuellen Streitfragen nicht festgelegt.

Reuetrs MÜNCHEN. Auf die wirtschaftliche Dimension der Biotechnologie werde in der aktuellen Debatte zu wenig geachtet, sagte Schröder am Mittwoch vor dem Deutschen Sparkassentag 2001 in München. Mehr als 20 Prozent der europäischen Biotechnologiefirmen kämen bereits aus Deutschland. Die Zahl der Arbeitsplätze sei dort in einem Jahr um mehr als 30 Prozent auf rund 11 000 gestiegen. Auch die medizinischen Möglichkeiten müssten beachtet werden.

"Die Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie unseres Jahrhunderts", sagte Schröder. Ob ein Land diese Potenziale einer solchen Technologie nutzen wolle oder nicht, sei eine Frage hoher sozialethischer Bedeutung. "Denn verantwortlich sind wir immer für das, was wir unterlassen oder verhindern." Er halte das Prinzip Verantwortung bei der Nutzung von Gentechnik für vernünftig, allerdings müsste diese in einem umfassenden Sinne verstanden werden. "Moralisch ist es eben nicht nur, über den Schutz von Embryonen nachzudenken. Moralisch ist es genauso, die vielen Menschen mit zum Teil schwersten Erkrankungen nicht zu vergessen, die um ihr Leben bangen und sich durch gentechnisch hergesellte Medikamente Heilung und Linderung erhoffen", sagte der Kanzler.

Schröder ging nicht auf die Themen Präimplantationsdiagonstik (PID) und Forschung an menschlichen Embryos ein, die in der SPD unterschiedlich bewertet werden. Während das Bundesforschungsministerium für eine Zulassung plädiert, hält das Bundesjustizministerium an dem derzeitigen Verbot fest. Die Grünen haben sich der Position des Justizministeriums angeschlossen. Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersucht.

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