Mehr Rechte für Albaner im Gespräch
Mazedonien erwägt Verfassungsänderung

rtr/dpa WIEN/SKOPJE. Über die Forderung der albanischen Bevölkerung Mazedoniens nach Gleichstellung mit der slawischen Mehrheit kann nach den Worten von Außenminister Srgan Kerim verhandelt werden. Kerim sagte am Mittwoch in Wien, entsprechende Änderungen der Verfassung seien "für mein Land kein Tabu". Er reagierte damit auf Forderungen der Albaner nach Anerkennung als zweites Staatsvolk. Die mazedonische Armee begann im Norden an der Grenze zum Kosovo eine neue Offensive gegen albanische Rebellen. Ziel sei es, zwei Gebiete nördlich von Skopje aus der Hand der Freischärler zu befreien, hieß es in Polizeikreisen.

Kerim sagte vor Journalisten, die Frage müsse nur im Parlament von einer Partei auf die Tagesordnung gesetzt werden. Allerdings dürfe nicht der falsche Eindruck entstehen, dass dies unter dem Druck von Extremisten geschehe. Kerim sprach in Österreich mit Außenministerin Benita Ferrero-Waldner über die Balkan-Krise.

Unterdessen hat ein albanischstämmiger Abgeordneter des mazedonischen Parlaments angekündigt, er werde sich der albanischen Rebellengruppe "Nationale Befreiungsarmee"(UCK) anschließen. Der Abgeordnete sagte zur Begründung, er verlasse das Parlament und wollen an der Seite der Rebellen kämpfen, "weil ich mir der Lage des albanischen Volkes in Mazedonien bewusst geworden bin..., als der Befreiungskrieg begann."

Der Parlamentarier gehörte der Fraktion der albanischen Regierungspartei Demokratische Partei der Albaner (DPA) an. Diese erklärte, sie stehe nicht hinter der Aktion ihres Abgeordneten, aber man verstehe seine Frustration bezüglich der Lage der albanischen Minderheit in Mazedonien.

Die albanische Bevölkerung im Gebiet um die Stadt Tetovo beklagt seit langem, dass sie wie Bürger zweiter Klasse behandelt wird. So gibt es in den Schulen keinen Albanisch-Unterricht und eine Universität musste heimlich aufgebaut werden. Von den zwei Mill. Bewohnern Mazedoniens sind rund ein Drittel albanischer Abstammung. Die Anerkennung eines albanischen Staatsvolks liefe auf eine mazdeonisch-albanische Föderation hinaus.

Die EU tritt für eine Verfassungsänderung ein

Die EU drängte die Regierung in Skopje, Verfassungsänderungen einzuleiten. EU-Außenpolitik-Koordinator Javier Solana sagte in Brüssel, er hoffe, dass sich in Mazedonien ein Allparteien-Komitee bilde, um eine Strategie für die Zukunft zu entwerfen. Die mazedonische Verfassung könnte so geändert werden, dass die Rechte aller dort lebenden Bürger gestärkt würden. Gewaltsame Veränderungen der Grenzen würden aber nicht hingenommen. Er rief die Kosovo-Friedenstruppe KFOR auf, die Grenze zu Mazedonien wirksam zu kontrollieren und so Versorgungswege der Rebellen aus dem Kosovo abzuschneiden.
Die KFOR im Kosovo berichtete am Mittwoch, sie habe 80 Mitglieder einer albanischen Rebellengruppe festgenommen, die aus Mazdonien gekommen seien. Es werde nun genau geprüft, ob es sich um Angehörige der früheren Kosovo-UCK handele, die inzwischen aufgelöst ist und als unbewaffnetes Schutz-Korps beim Wiederaufbau helfen soll.

Die albanischen Rebellen kämpfen nach eigener Darstellung für die Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. Der mazedonischen Regierung zufolge verfolgen sie separatistische Ziele und stammen aus der südserbischen Provinz Kosovo, im dem die Albaner die Bevölkerungsmehrheit stellen. Da auch albanische Extremisten in Südserbien für Unruhen sorgten, wächst auf dem Balkan die Furcht vor einer groß-albanische Bewegung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%