Mehr Rechtssicherheit gefordert
Debitel sieht Wettbewerb gefährdet

Der Mann traut den Verträgen, die er selbst ausgehandelt hat, wohl nicht so ganz. Denn Peter Wagner, Chef des Mobilfunkdienstleisters Debitel, will mehr: "Wir brauchen Rechtssicherheit. Der Gesetzgeber muss in die Neufassung des Telekommunikationsgesetzes die Öffnung der Mobilfunknetze für Weiterverkäufer festschreiben", sagte Wagner dem Handelsblatt, "sonst sind am Ende der Wettbewerb und Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet."

slo HANNOVER. Debitel will damit eine Absicherung von ganz oben für das, was das Unternehmen mit Vodafone, T-Mobile und E-Plus auf freiwilliger Basis vereinbart hat: Demnach wird Debitel auch in der UMTS-Ära Handyverträge der Mobilfunkbetreiber vermarkten und in deren Netzen Kapazitäten mieten, um auch Dienste unter eigenem Namen zu verkaufen.

Für ihr Fortbestehen sind die so genannten Service Provider wie Debitel, Talkline und Mobilcom darauf angewiesen, denn sie besitzen kein eigenes Netz, sondern verkaufen die Produkte der Netzbetreiber. Diese haben parallel dazu ihre eigenen Handy-Läden. Die Kooperationen zwischen Service Provider und Netzbetreiber waren bisher gesetzlich festgeschrieben - in den Lizenzbedingungen der Mobilfunker für die Mobilfunktechnik GSM. Es gab nur eine Ausnahme: Bei dem zuletzt gestarteten Mobilfunker O2 ist diese Vorgabe nicht Teil der Auflagen. Debitel versucht, sich das vor Gericht zu erkämpfen.

In den Lizenzbedingungen für den neue Technik UMTS wurde auf eine Kooperationsverpflichtung verzichtet, weil ein Konkurrenzkampf unter den damals sechs Lizenznehmern erwartet wurde. Da Quam und Mobilcom aus dem UMTS-Geschäft ausgestiegen sind, gibt es inzwischen nur noch vier Spieler im Markt. Um dennoch einen größeren Wettbewerb sicherzustellen, fordert Wagner daher, dass die Interessen der Service Provider im neuen Telekommunikationsgesetz berücksichtigt werden. In dem bisherigen Diskussionsentwurf ist das nicht vorgesehen.

Das klassische Geschäft der Service Provider - das Verkaufen von Handy-Verträgen - stößt an seine Grenzen: Es bietet inzwischen nur noch kleine Margen und kaum Wachstum. Da etwa 70 % der Deutschen ein Handy besitzen, können die Unternehmen neue Kunden teilweise nur mit Hilfe hoher Subventionen kaufen und halten. Solche Kundenbindungskosten haben Spuren im Debitel-Ergebnis hinterlassen. Die genauen Zahlen für 2002 gibt das Unternehmen, das in Deutschland 7,6 Millionen Kunden hat, Ende des Monats bekannt.

"Wir müssen künftig einen größeren Teil der Wertschöpfungskette abdecken, um zu wachsen", sagt Wagner. Das bedeutet: Debitel will künftig auch verstärkt eigene Inhalte für das mobile Internet verkaufen. Dafür fordert Wagner nicht nur den diskriminierungsfreien Netzzugang, sondern auch Zugang zu den Inhalten der Netzbetreiber für das mobile Internet. "Die Portale der Mobilfunknetzbetreiber dürfen nicht den Inhaltemarkt dominieren", sagt Wagner. Es dürfe nicht sein, dass ein Vodafone-Kunde nur Zugang zu den von Vodafone bereitgestellten Inhalten habe. Wagner: "Es muss mehr Vorprodukte der Betreiber geben, die wir kaufen und daraus Dienste Kreieren können."

Die Bereitschaft der Netzbetreiber, sich darauf einzulassen, schätzen Branchenexperten als eher gering ein. Schließlich wollen die Unternehmen den direkten Kontakt zu den Kunden und seien auch nicht gewillt, ihre schmaler werdenden Margen mit Zwischenhändlern zu teilen. Wagner sieht das anders: "Die Netzbetreiber profitieren doch auch von Service Providern. Es ist günstiger für sie, den indirekten Verrieb über Debitel zu nutzen als ihn selbst aufzubauen."

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