Mehr Sportlichkeit für das Markenimage
Audi muss auf US-Markt noch kräftig nachlegen

Audi will mit dem neuen Topmodell A 8 vor allem auf dem amerikanischen Markt für Furore in der Luxusklasse sorgen. Der neue Audi-Chef Martin Winterkorn trimmt das Markenimage mit Hilfe von leichten Aluminium-Karossen und Allradantrieb auf Sportlichkeit. Doch mit dem Phaeton droht Konkurrenz aus dem eigenen Konzern.

mwb BARCELONA. Der Autohersteller Audi verspricht sich von seinem neuen Flaggschiff A 8 besonders auf dem US-Markt große Chancen. "Wir müssen da was tun", sagte der neue Audi-Chef Martin Winterkorn bei der Vorstellung des Topmodells in Barcelona. Die Volkswagen-Tochter will den Absatz des A 8 in Nordamerika auf jährlich 6 000 bis 7 000 Fahrzeuge verdreifachen. Seine Zuversicht schöpft Winterkorn aus der positiven Resonanz der US-Händler bei den Präsentationen des neuen Fahrzeugs. Der A8 kommt im nächsten Frühjahr - nur wenige Monate nach dem Start in Europa - auf den US-Markt.

Das Vorgängermodell war viel zu spät auf dem wichtigen US-Markt eingeführt worden und hatte nie richtig Fuß gefasst. Der Nachfolger soll jetzt Boden gut machen gegenüber den Konkurrenten - der S-Klasse von Mercedes und der 7er-Reihe von BMW. Winterkorn hat Audi nach seinem Amtsantritt im März mehr Sportlichkeit verschrieben. Der Allrad-A 8 mit leichter Alu-Karosserie, Luftfederung und Acht-Zylinder-Motor soll vor allem BMW Marktanteile abjagen. Audi zielt dabei auf eine Image-Lücke, die der Münchener Konkurrent mit der gewichtigen 7er-Reihe und einem umstrittenen Design zumindest auf dem deutschen Markt eröffnet hat.

Winterkorn will von dem Spitzenmodell 20 000 bis 25 000 Exemplare verkaufen. Das würde einem Marktanteil von rund 10 % in der Luxusklasse entsprechen. "Dieses Ziel ist ehrgeizig, aber realistisch", sagte der Audi-Chef. Das Vorgängermodell wurde in neun Jahren 160 000 mal verkauft. Hypo-Vereinsbank-Analyst Albrecht Denninghoff ist dagegen skeptisch: "A8 und der neue Phaeton, von dem VW ebenfalls 20 000 Stück verkaufen will, kommen sich mit Sicherheit in die Quere". Die Konzernmutter Volkswagen ist vor wenigen Monaten mit seinem Topmodell Phaeton ebenfalls in die Luxusklasse gestartet.

Im US-Markt hinkt Audi den anderen deutschen Konkurrenten kräftig hinterher. Im ersten Halbjahr ging der Absatz aller Audi-Fahrzeuge dort sogar auf 42 000 leicht zurück. "Wir werden in diesem Jahr in den USA 90 000 Audis verkaufen", bleibt Winterkorn zuversichtlich für das zweite Halbjahr. 2004/05 soll dann ein so genanntes "Cross-Over-Modell" - eine Mischung aus Coupé und Geländewagen- mit Platz für sieben Passagiere für weitere Impulse in den USA sorgen. Für Winterkorn war die Präsentation des noch von seinem Vorgänger Franz-Josef Paefgen entwickelten A 8 kein leichtes Unterfangen. Schließlich war er in der Wolfsburger Konzernzentrale vor seinem Wechsel zu Audi für die Entwicklung des Phaeton verantwortlich. "Ich bin jetzt in erster Linie Audi -, und dann Konzern-Mann", versicherte er jetzt in Barcelona.

Überschneidungen bei den Modellen über die Marken-Grenzen hinweg und gegenseitige Kannibalisierungseffekte bleiben das größte Problem des VW-Konzerns. Winterkorn führt als Audi-Chef im VW-Konzern die sportliche Linie mit den Marken Audi, Seat und Lamborghini. Bis die Produktpalette von Audi und Seat "aus einem Guss" sei, werde es noch vier Jahre dauern.

Im Oktober will der Audi-Chef einen Ausblick geben, wie die Aufteilung zwischen Audi und der margenschwachen Schwester Seat aussehen wird. Winterkorn deutete an, dass Seat die Kosten beim Material deutlich senken müsse. Seat soll sportlich, aber deutlich unterhalb von Audi positioniert werden.

Der Manager bestätigte die Prognosen, 2002 den Vorjahresabsatz von rund 726 000 Fahrzeugen wieder zu erreichen. Derzeit würden Sonderschichten am Samstag gefahren, bestätigte Finanzchef Peter Abele. Die Läger müssten dringend wieder aufgefüllt werden. Zum Halbjahr hatte Audi erstmals wieder ein Umsatzminus und einen Gewinnrückgang gemeldet. Der Audichef zeigte sich jedoch gelassen. Die Rückgänge lägen vor allem an den Aufwendungen für neue Modelle.

Bislang hat Winterkorn auf die Gepflogenheit verzichtet, als Vorstandschef möglichst schnell eigene Vertraute an der Spitze zu installieren. "Ich brauche keine Hausmacht", sagte er dazu. Wechsel seien allenfalls "altersbedingt" fällig. Ausscheiden könnte der 61-jährige Finanzchef Abele.

Quelle: Handelsblatt

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