Mehr Tempo für den Handelsriesen
Urban führt Karstadt-Quelle ins Internet-Zeitalter

Im Chefsessel der Essener Karstadt-Quelle AG steht am Sonntag ein Wechsel bevor. Wolfgang Urban wird dann neuer Vorstandschef von Europas größtem Warenhaus- und Versandkonzern. Er löst Walter Deuss ab, der 18 Jahre an der Konzernspitze stand.

adx ESSEN. Urban, der bisher das Warenhausgeschäft des Konzerns verantwortete, will den Handelsriesen schnell wieder auf Kurs trimmen und profitabler machen. Vor allem das Internet soll künftig maßgeblich das Konzernwachstum beflügeln. In den nächsten fünf Jahren will Karstadt-Quelle 400 Mill. DM in den Ausbau des elektronischen Handels investieren.

Die Börse honorierte die Ernennung Urbans bereits mit Zustimmung. Als Deuss auf der Hauptversammlung im Juli sein vorzeitiges Ausscheiden und den Nachfolger Urban bekannt gab, ging der Kurs der seit langem dahin dümpelnden Karstadt-Quelle-Aktie sprunghaft in die Höhe. Im Gegensatz zu Deuss, der wegen Versäumnissen bei der Modernisierung des Konzerns hart in die Kritik geraten war und wegen schwacher Bilanzzahlen gehen musste, gilt der im schlesischen Oberbaumgarten geborene Urban als entschiedener Sanierer.

Erfolge sammelte der gelernte Werkzeugmacher und studierte Betriebswirt beim Kaufhof-Konzern, in den er 1973 eintrat. Nach Stationen als Bereichsleiter Rechnungswesen und Prokurist berief der damalige Kaufhof-Chef Jens Odewald Urban in den Vorstand. Nach Odewalds Abgang 1995 avancierte Urban zunächst zum Vorstandssprecher. Dann stellte er als Chef und Sanierer der Kaufhof Holding AG die Weichen für die Verschmelzung der Kaufhof- und Horten-Warenhäuser unter dem Dach des Handelsriesen Metro. Urban verkaufte verlustbringende Kaufhof-Töchter wie das Versandhaus Friedrich Wenz, die Tourismus-Sparte und die Kaufhalle-Filialen im Osten.

Überraschender Ausstieg bei Metro

Dabei galt Urban zunächst als enger Vertrauter von Metro-Lenker Conradi. Doch die Chemie zwischen beiden geriet ins Wanken, als Urban im Metro-Konzern als einziger ehemaliger Kaufhof-Mann 1996 die Ressorts Finanzen und Controlling übernahm. Schon Anfang 1998 schied Urban überraschend aus dem Konzern aus - zwar in "gegenseitigem Einvernehmen", wie es hieß, doch als Begründung stellte Conradi später kein gutes Zeugnis aus: Urban habe vor lauter Arbeit den Überblick verloren und sich im Vorstand isoliert. Außerdem seien Unstimmigkeiten über eine Abrechnung einer Flugreise aufgetreten.

Rückkehr zu den eigenen Wurzeln

Doch Conradis Vorwürfe ließen Urbans Karriere unbeeindruckt: Nach seinem Ausstieg bei der Metro wechselte er in den Vorstand der Fürther Quelle Schickedanz Holding Stiftung-Muttergesellschaft - Urbans neuer Arbeitgeber wertete Conradis Äußerungen eher als Foul denn als Tatsache. Mit der Fusion von Quelle und Karstadt zur Karstadt-Quelle AG im Vorjahr kehrte Urban zu seinen Wurzeln zurück: Er übernahm zum 1. Januar das Warenhaus-Geschäft des Konzerns, wurde Vize-Vorstandschef und später als Nachfolge-Kandidat für den Vorstandsposten auserkoren.

Urban will Internet-Umsatz verzehnfachen



Nach dem ersten, glücklosen Internet-Auftritt «My World», den KarstadtQuelle unter Deuss gestartet hatte, will Urban dem Online-Shopping nun zu durchschlagendem Erfolg verhelfen. Die für diesen Zweck gegründete Karstadt New Media AG steht dazu in den Startlöchern. Bis Ende 2002 soll der Internet-Umsatz nach Urbans Worten auf 2 Mrd. DM gegenüber 1999 verzehnfacht werden. Einen weiterer Baustein der Internet-Offensive sieht er in der europaweiten Expansion der konzerneigenen Musik-Kette WOM. Neue Filialen in europäischen Städten sollen einhergehend mit dem Internet-Start von WOM den Umsatz stärken.

10 Millionen Online-Kunden durch Multichannel-Strategie

Mittelfristig will KarstadtQuelle unter Urbans Leitung das Internet mit dem Warenhaus- und Versandgeschäft vernetzen. «Multichannel-Strategie» nennt Urban das - was bedeutet: Die verschiedenen Vertriebslinien sollen einander ergänzen. Denn wie kein anderer Wettbewerber kann KarstadtQuelle Versand (Quelle, Neckermann), Warenhäuser (Karstadt, Hertie) und Internet aus einer Hand anbieten. Eine Schlüsselrolle soll dabei der Karstadt-Kundenkarte zukommen, mit der Kunden online bezahlen können und schon jetzt Einkaufsvorteile haben. Ihre Zahl will Urban von jetzt 2 Millionen auf mindestens 10 Millionen steigern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%