Mehr Übertragungen aus der DEL
Vom Prügelknaben zum Werbeträger

Jochen Rölfs wird sich damit abfinden müssen, dass auf den Träger seiner Werbung gepfiffen wird. Dass er ausgebuht und übelst beschimpft wird - aber dafür wird der Name der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung Rölfs Partner eine Fernsehpräsenz haben wie kaum jemand sonst in der TV-werbearmen Branche der Prüfer und Consultants.

DÜSSELDORF. Denn seit dem vergangenen Wochenende wirbt das Düsseldorfer Unternehmen auf dem Rücken der Schiedsrichter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Zwar zählt Rölfs nicht zu den großen sechs Wirtschaftsprüfern, die den Markt dominieren. Doch mit elf Standorten gehören die Düsseldorfer zu den Großen unter den Mittleren.

Nun ist das Interesse vor allem von Wirtschaftsprüfern und Anwälten am Eishockey nicht neu, doch selten treten die Firmen per Logo auf Banden oder Trikots ins Rampenlicht. Doch Rölfs ist aber eben kein typischer Vertreter seiner Branche, einen Ruf erwarb er sich als knallharter Sanierer, der offene Worte liebt. Das Image eines verstaubten Zahlenklaubers haftet ihm nicht an. Bei Fragen zur finanziellen Größenordnung des Deals legt er jedoch die branchentypische Verschwiegenheit an den Tag.

Und warum der Schiedsrichter-Rücken? "Als wir über die Partnerschaften verhandelten, haben wir die Parallelen zwischen Schiedsrichtern und Teilen unseres Geschäfts erkannt. Schließlich müssen auch Wirtschaftsprüfer immer unparteiisch sein und auf die Einhaltung der Regeln unseres Berufsstands achten", erklärt Rölfs. Auch DEL-Chef Gernot Tripcke, selbst von Haus aus Anwalt, sieht das so: "Der Unparteiigkeitsgedanke passt gut." Bei den Verhandlungen dürfte geholfen haben, dass Rölfs privat langjähriger Anhänger der Düsseldorfer EG ist.

Dank eines modifizierten TV-Vertrags werden die bepflasterten Schiri-Rücken auch für Nicht-Abonnenten des Bezahl-Fernsehens Premiere häufiger zu sehen sein. Die DEL durfte eigentlich nur Ausschnitte sowie fünf Live-Spiele aus der gesamten Saison an andere Sender verkaufen. "Mit diesem Pfand der fünf Spiele sind wir hausieren gegangen", sagt Liga-Leiter Tripcke.

Überraschenderweise reagierte darauf das eigentlich als geldklamm verschrieene DSF mit einer Offerte: Künftig wird jeden Dienstag eine Partie live übertragen, entweder ein Spiel der DEL oder eines aus dem neu geschaffenen Pokal. Spiele werden aber nicht extra auf diesen Tag verlegt. Denn "auch die zusätzliche Reichweite würden die Zuschauereinbußen gegenüber dem Wochenende nicht wett machen", erklärt Tripcke. Die Augsburger Panther haben diesen Schritt gewagt - wohl auch, weil dem Club noch immer ein Trikot-Sponsor fehlt. Aus dem Rennen sind damit die dritten Programme: Sie zeigten Interesse an den fünf verhandelbaren Spielen, gehen nun aber leer aus.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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