Mehr verdächtiges Fleisch als bislang gedacht gelangte nach Deutschland
Schweinemast-Skandal zieht weitere Kreise

Der jüngste Skandal um hormonverseuchtes Schweinefleisch hat sich weiter ausgeweitet. Am Wochenende haben die Ermittler noch mehr verdächtige Lieferungen entdeckt. Offenbar ist noch mehr belastetes Schweinefleisch als bislang gedacht nach Deutschland gelangt.

HB BERLIN/BRÜSSEL. Die Zahl der verdächtigen Tiere, deren Fleisch den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurde, stieg um 500 auf 7 500. Davon seien die deutschen Behörden über das europäische Schnellwarnsystem unterrichtet worden, teilte das Bundesverbraucherschutzministerium am Samstag mit.

Die 500 Schweine seien von den Niederlanden nach Belgien geliefert und dort geschlachtet worden, erklärte Verbraucher-Staatssekretär Alexander Müller am Samstag in Berlin. Das Fleisch sei dann nach Nordrhein-Westfalen (NRW) gelangt. Die Behörden dort verfolgten die Lieferungen nun weiter.

Bis Freitag war das Ministerium in Berlin noch von etwa 7000 Tieren ausgegangen, die in einem niederländischen Betrieb Futter mit dem künstlichen Wachstumshormon MPA bekamen. Das Tierfutter kam wahrscheinlich aus Belgien.

Experten sehen keine Gesundheitsgefahr für den Menschen

Wegen der geringen Rückstände im Fleisch sehen Experten keine Gesundheitsgefahr für Menschen. Das Hormon MPA (Medroxy-Progesteron-Azetat) gilt in der Tierzucht als Wachstumsförderer, der zu größeren Wassereinlagerungen und Fettzuwachs bei den Tieren führen kann.

Die Dimension des Falles ist nach den Worten von Staatssekretär Müller noch unklar. "Wir erwarten in der kommenden Woche Aussagen der zuständigen belgischen und niederländischen Behörden, ob noch mit weiteren Verfütterungen und damit möglichen weiteren Lieferungen nach Deutschland zu rechnen sei", sagte Müller. Derzeit stehen mehr als 40 niederländische Schweinemastbetriebe unter Beobachtung.

Das Hormon MPA gelangte nach bisherigen Erkenntnissen über Zuckersirup in das Schweinfutter. Die Firma Bioland in der nordbelgischen Provinz Antwerpen gilt als Lieferant dieses Sirups, der in den Niederlanden zu Schweinefutter verarbeitet wurde. Die Niederlande exportierten tausende möglicherweise belastete Schweine nach Deutschland und Belgien. Das Fleisch wurde nach NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz geliefert. Im Einzelnen ist nicht geklärt, wo das Fleisch an die Verbraucher verkauft wurde.

Den Inhaber von Bioland, ein Niederländer, nahm die Polizei am Freitagabend fest. Die Behörden werfen ihm vor, bewusst Hormone unter den Sirup gemischt zu haben, obwohl deren Verwendung in der Mast verboten ist. In Proben, die die Ermittler bei Bioland nahmen, konnten sie Hormone nachweisen. Die im Mai Pleite gegangene Firma hat nichts mit dem gleichnamigen deutschen Öko-Verband zu tun.

Die belgischen Behörden verfolgen inzwischen auch eine Spur nach Irland. Bei der Firma Bioland seien "Materialien" gefunden worden, die offenbar aus Irland stammen, teilte ein Sprecher der belgischen Lebensmittelaufsicht am Samstagabend mit. Genauere Angaben machte er nicht. Die irische Partnerbehörde habe eine Untersuchung bei Lieferanten von Bioland eingeleitet.

NRW-Verbraucherministerin Bärbel Höhn (Grüne) forderte höhere Geld- und Freiheitsstrafen für die Täter. "Leute mit krimineller Energie müssen Angst haben, erwischt zu werden", sagte Höhn der "Welt am Sonntag". Zudem verlangte die Ministerin eine Ausweitung der EU-weiten Kontrollen.

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