Mehr Zeit für die Familie
Vivendi-Vize Bronfman tritt zurück

Der Vize-Chef des Medienkonzerns Vivendi Universal, Edgar Bronfman, will sein Amt Frühjahr 2002 niederlegen. Der 45-Jährige wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und sich verstärkt seinen persönlichen Interessen widmen, teilte Konzernchef Jean-Marie Messier am Donnerstag in Paris mit. Bronfman wolle aber Mitglied des Vivendi-Universal-Boards bleiben.

Reuters PARIS. Bronfman war bis zu ihrer Fusion mit Vivendi zu Universal Vivendi Chef des kanadischen Mischkonzerns Seagram. Erst am Mittwoch hatte der Chef des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner, Gerald Levin, seinen Rückzug angekündigt.

"Ich bedauere Edgars Entscheidung zutiefst, verstehe seinen Wunsch aber voll und ganz", erklärte Vivendi-Universal-Chef Messier. Branchenbeobachter hatten in der Vergangenheit wiederholt bezweifelt, dass der ruhige, aber ehrgeizige Bronfman sich mit seiner Rolle in der zweiten Reihe hinter dem schillernden Messier arrangieren wolle. Messier war in der Öffentlichkeit dafür bekannt geworden, dass er den einst schwerfälligen Konzern in eines der führenden Medienunternehmen weltweit umwandelte. Ob es einen Nachfolger für Bronfman geben wird, war zunächst unklar.

Bronfman erklärte, nach all den Erfolgen sei Ende des ersten Quartals 2002 der richtige Zeitpunkt für einen Rückzug. Genaue Pläne für seine Zukunft habe er noch nicht, außer dass er im Board des Unternehmens aktiv bleiben wolle. Seinen eigenen rund dreiprozentigen Anteil an Vivendi Universal wolle er mindestens in den nächsten zwölf Monaten nicht verkaufen. Edgar Bronfman vertritt auch die Interessen seiner Familie, mit er er zusammen insgesamt 6,1 % an Vivendi Universal hält.

Die Anteile notierten am Vormittag an der Pariser Börse 2,24 % im Minus bei 59,90 ?. Fortis-Securities-Analystin Sylvie Sejournet bezeichnete die Nachricht von Bronfmans Rückzug als positiv. "Damit wird Messier als der alleinige Chef bestätigt und jeder potenzielle Manager-Konflikt vermieden", sagte Sejournet.

Unterdessen kündigte auch der Chef des US Hearst Co., -Medienunternehmens Frank Bennack, seinen Rückzug an. Der 68-Jährige war 23 Jahre lang President und Chief Executive des in Privatbesitz befindlichen Medienkonzerns, der 28 Fernsehstationen kontrolliert und in dem mehrere US-Frauenmagazine wie "Cosmopolitan" und Zeitungen wie "San Francisco Chronicle" erscheinen.

Bei Deutschlands größtem Medienunternehmen, der Bertelsmann AG, hatte der 80-jährige Nachkriegsgründer Reinhard Mohn im August die Führung der Verwaltungsgesellschaft abgegeben. Die Verwaltungsgesellschaft nimmt 75 % der Stimmrechte in der Hauptversammlung des Medienkonzerns wahr. Geleitet wird Bertelsmann seit drei Jahren von Thomas Middelhoff. Beim Bertelsmann-Konkurrenten Kirch[KRCH.UL] hat der 75-jährige Gründer Leo Kirch noch den Chefposten selbst inne. Mit dem derzeitigen Geschäftsführer Dieter Hahn hat Kirch aber bereits seinen Nachfolger bestimmt.

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