Mehr Zeit fürs Kind
Linkes leiser Abschied

Für Thomas Linke ist die Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach 41 Einsätzen zu Ende. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Nationalmannschafts-Karriere hat sich der 33-Jährige zum Rücktritt entschlossen.

dpa MÜNCHEN. Als ihn endlich alle lautstark lobten, nahm er ganz leise Abschied. Thomas Linke, früher oft der Sündenbock des deutschen Fußballs, hat sich ausgerechnet am Höhepunkt seiner Nationalmannschafts-Karriere zum Rücktritt entschlossen. "Ich werde auf keinen Fall weitermachen, das waren definitiv die letzten Länderspiele für mich", bestätigte der Abwehrspieler am Montagabend im Bayerischen Fernsehen. Nach 41 Länderspiel-Einsätzen will er sich auf seine Aufgaben beim FC Bayern München konzentrieren - und endlich auch auf seine Familie. "Ich werde bald 33, und mein Sohn ist acht Monate alt. Ich glaube, der braucht jetzt auch ein bisschen Zeit", führte er als Grund für seinen Entschluss an.

Der bescheidene WM-Held blieb sich auch beim Abschied treu. Zwar hatte Thomas Linke bereits vor Wochen angekündigt, wahrscheinlich nach dem Turnier aufhören zu wollen. Doch als es endgültig so weit war, gingen die Pläne des Ex-Schalkers im großen Empfangs-Trubel nach der Rückkehr aus Japan etwas unter. Dem 32-Jährigen war's egal, denn ein Ziel konnte er verwirklichen. "Ich hatte mir vorgenommen, meine letzten Länderspiele wirklich zu genießen. Ich denke, mit so einem Abschluss ist mir das gelungen", so Linke in der Sendung "Blickpunkt Sport" beim Empfang der Münchner Nationalspieler in der bayerischen Landeshauptstadt.

Tatsächlich ist der viel gescholtene "EM-Versager" von 2000 und oft auch in der Bundesliga kritisierte Defensiv-Spieler bei dieser WM zum großen Gewinner avanciert, den erstmals auch alle Experten lobten. "Thomas Linke ist für mich eine positive Überraschung der WM", sagte Karl-Heinz Rummenigge. "Er war ein ganz großer Stabilisator in der Abwehr und hat eine ganz tolle WM abgeliefert." Bayern-Manager Uli Hoeneß pflichtete dem Vorstandsvorsitzenden bei: "Er hat eine souveräne WM gespielt. Das war phänomenal." Linkes Berater glaubt gar, dass der Marktwert des Verteidigers während der WM um sechs auf zehn Millionen Euro gestiegen ist, berichtete die "Bild"-Zeitung am Dienstag.

Auch ohne die WM hätte sich die Erfolgsbilanz des Thüringers, der seine Fußballer-Laufbahn 1977 bei Robotron Sömmerda gestartet hatte, sehen lassen können. Seit seinem Wechsel vor vier Jahren von Schalke 04, mit dem er 1997 den UEFA-Cup geholt hatte, zum FC Bayern feierte Linke den Titel in der Champions League (2001), drei Mal die deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokalsieg. Aber immer stand er in München im Schatten der Stars. Auch in der nächsten Saison wird sich daran wohl kaum etwas ändern - WM hin, Erfolge her. Er kann auch damit gut leben. Linke: "Mich stört das absolut nicht. Das hängt auch oft mit der Position zusammen, die man sich als kleines Kind aussucht. Die Stars spielen meist vorne, und die Stillen müssen die Stars abmelden."

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