Mehrbelastungen werden auf Kunden umgelegt
Terror belastet Geldbeutel der Versicherungsnehmer

Nach den Terroranschlägen in den USA müssen die Risiken auch in der Versicherungswirtschaft völlig neu bewertet werden. Die Versicherungskonzerne gehen von Schadensbelastungen in Milliardenhöhe aus. Die Konsequenzen werden vor allem Industriekunden durch steigende Versicherungsprämien zu spüren bekommen.

afp BERLIN. Europäische Fluggesellschaften müssen laut EU-Kommission bereits ab Montag höhere Prämien zahlen, sonst droht Flugverbot. Doch auch Verbraucher werden tiefer in die Tasche greifen müssen, denn die Konzerne werden die Mehrbelastungen teilweise auf die Kunden umlegen. Zudem müssen Verbraucher für die Finanzierung des von der Bundesregierung beschlossenen Sicherheitspakets ab 2002 mehr Tabak- und Versicherungssteuer berappen. "Wer viele Versicherungen hat, wird gleich mehrfach zur Kasse gebeten", sagt Manfred Westphal vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

"Die Anhebung der Versicherungssteuer um ein Prozentpunkt auf 16 % müssen allein die Verbraucher zahlen", sagt Westphal. Ausgenommen von der Steuer sind nur Lebens-, Renten-, Kranken- und Unfallversicherungen. Mehr Steuer wird hingegen für so genannte Schadens- und Sachversicherungen wie KFZ-Versicherung, Haftpflicht, Wohngebäudeversicherung und Hausrat fällig.

Erhöhte Prämien erwartet

Bei einem Versicherungsbeitrag von 100 DM sind das zwar nur 1,50 DM mehr und bei 1 500 DM ganze 15 DM zusätzlich. "Doch auch kleine Beträge summieren sich", meint Westphal. Zudem würden Verbraucher, die sich etwa gegen Gebäudeschäden oder Feuer abgesichert haben, "praktisch bestraft", indem sie für den "Super-Gau-Schutz des Staates" zusätzlich zahlen müssen. Westphal schließt auch nicht aus, dass einzelne Versicherer ihre Grundprämien erhöhen werden.

"Prämienerhöhungen für Privatkunden sind unwahrscheinlich", betont hingegen Gabriele Hoffmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In erster Linie seien international tätige Konzerne wie die Münchener Rück oder die Allianz von den Folgen der Anschläge betroffen. Die Münchener Rück, bei der sich "normale" Versicherungen gegen besonders hohe Schadensfälle absichern können, sieht durch den Terroranschlag eine mögliche Belastung vor Steuern in Höhe von 2,1 Mrd. ? (4,1 Mrd. DM) auf sich zukommen. Auch die Hannover Rück und die Gerling-Versicherung rechnen mit Belastungen in mehrstelliger Millionenhöhe. Die Münchner Allianz bezifferte ihre Schäden mit bis zu 700 Mill. ? (1,37 Mrd. DM).

Preiserhöhung auch bei den Fluggesellschaften

Inwieweit sich diese Belastungen auf Industriekunden und Feuer-, Gebäude- oder Betriebsunterbrechungs-Versicherungen durchschlägt, ist laut Hoffmann derzeit noch nicht abzusehen. Es sei aber klar, dass die Risiken "neu bewertet werden müssen". Die Hamburger Bank M. M. Warburg & Co. rechnet jedenfalls mit steigenden Prämien. Angesichts der Schadensmeldungen rechnet die Bank für das laufende Jahr mit einem Gewinnrückgang von 40 % in der gesamten Branche.

Als Konsequenz aus den steigenden Versicherungsprämien und vor allem den verschärften Sicherheitsmaßnahmen kündigte die Deutsche Lufthansa bereits an, dass "eine deutliche Erhöhung" der Ticketpreise "unumgänglich" sein werde. Auch Passagiere der französischen Fluggesellschaft Air France werden wohl um steigende Flugpreise nicht herumkommen. Die Versicherer fordern von der Fluggesellschaft zehnmal höhere Prämien als vor der Anschlagsserie in den USA, wie der Präsident von Air France, Jean-Cyril Spinetta, erklärte.

Experten schließen nicht aus, dass sich auch andere Produkte verteuern könnten, wenn etwa die Risiken von Großindustrieanlagen neu bewertet werden müssen. In jedem Fall wird sich die von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Tabak- und Versicherungssteuer deutlich bei den Verbraucherpreisen niederschlagen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird die Inflationsrate im nächsten Jahr um 0,3 bis 0,4 %punkte höher liegen als ohne diese zusätzlichen Belastungen.

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