Mehrere Anläufe mit Rettungskapsel gescheitert
U-Boot soll notfalls komplett aus dem Wasser gefischt werden

Die russische Marine könnte versuchen, das gesunkene Atom-U-Boot "Kursk" komplett zu bergen, wenn eine Rettung der Besatzung mit Tiefseekapseln weiter scheitert. Das sagte der oberste Flottenchef Wladimir Kurojedow der Nachrichtenagentur Interfax am Dienstagabend. Eine Rettungskapsel versuchte zunächst in mehreren Anläufen vergeblich, an das in 100 Meter Tiefe auf Grund der Barentssee liegende Boot anzudocken. Unterdessen wurde bekannt, dass das U-Boot schon am Samstag und nicht erst, wie von russicher Seite behauptet, am Sonntag gesunken ist. Inzwischen hat sich Russland doch dazu durchgerungen, die Nato um Hile zu ersuchen.

dpa/afp/ap MOSKAU. Die Kapsel gleite von der Ausstiegsluke des Boots ab, sagte ein Sprecher der Nordflotte. Das U-Boot habe eine leichte Neigung. Das Manöver könne bis zu sechs Stunden dauern, hieß es. Die Rettungskapsel hat drei Besatzungsmitglieder und kann bis zu 20 Passagiere mitnehmen. Bei der Aktion solle Wasser aus dem Boot abgepumpt, Information über die Lage an Bord gesammelt und ein Teil der Besatzung in Sicherheit gebracht werden, meldete Itar-Tass. An Bord der am Wochenende gesunkenen "Kursk" waren 116 Besatzungsmitglieder.

Sollte die Bergung mit der Kapsel scheitern, werde versucht, das gesamte U-Boot mit Hilfe von Pontons zu bergen, sagte Kurojedow. Die 400 Tonnen schweren Pontons sollten von zwei Seiten am Boot befestigt und mit Luft voll gepumpt werden. So könne das 25 000 Tonnen schwere Boot an die Oberfläche gehoben werden. Norwegische Behörden hatten eine komplette Bergung des verunglückten Atom-U-Bootes als für die Umwelt am gefährlichsten eingestuft. Aus dem beschädigten Rumpf könne Radioaktivität austreten, hieß es.

Nato soll Russland helfen

In der Hoffnung auf neue Lösungsansätze nahmen Marinevertreter Kontakt zum U-Boot-Hersteller auf. Die USA und Großbritannien boten den Einsatz ihrer Mini-U-Boote an, die an verunglückte U-Boote andocken können Fast vier Tage nach der Havarie eines Atom-U-Bootes in der Barentssee bat Russland schließlich auch das westliche Militärbündnis Nato um Hilfe bei der Rettung der eingeschlossenen Seeleute. Es habe eine Anfrage gegeben, bestätigte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Admiral Craig Quigley, am Dienstag in Washington. Details könne er jedoch nicht nennen. Die russische Anfrage sei nicht sehr präzise.
Ein Mitarbeiter des Pentagon sagte, Russland habe kein formales Gesuch gestellt, sondern wolle für den Fall einer offiziellen Anfrage die Möglichkeiten der NATO zur Rettung der Marinesoldaten ausloten. Die russische Marine hatte zuvor mehrere Hilfsangebote aus den USA, Norwegen, Frankreich und Großbritannien abgelehnt.

Schwere See erschwert den Helfern den Zugang

In schwerer See war am Dienstagabend zuvor ein erster Versuch zur Rettung der 116 eingeschlossenen Seeleute aus dem havarierten Atom-U-Boot in der Barentssee fehlgeschlagen. Das teilte der Pressedienst der russischen Nordmeerflotte laut der Nachrichtenagentur Itar-Tass mit. Nach Presseberichten erschwerte die Schlagseite von rund 60 Grad den Zugang zu den Notluken. Ein großes Hindernis waren außerdem die hohen Wellen. Das U-Boot war nach jüngsten Angaben am Samstag in der Barentssee im Nordpolarmeer auf Grund gelaufen.

Der Rettungsversuch schlug wegen zu hohen Seegangs fehl, meldete Itar-Tass weiter. Falls das Andocken dennoch gelingen sollte, werde es noch fünf bis sechs Stunden dauern, bis mit der Evakuierung der Seeleute begonnen werden könne, hieß es in der von der Agentur zitierten Marine-Erklärung. Mit einer für U-Boot-Notfälle konstruierten Rettungsglocke sollten die Soldaten in Gruppen von bis zu 20 Mann an die Wasseroberfläche gebracht werden.

Atom-U-Boot schon am Samstag gesunken

Die «Kursk» sank nach norwegischen Angaben entgegen den bisherigen offiziellen Beteuerungen aus Moskau bereits am Samstag und nicht am Sonntag. Russische Experten hätten dies zugegeben, sagte ein Sprecher der norwegischen Außenministeriums am Dienstagabend laut der Nachrichtenagentur NTB. Die Sauerstoffvorräte an Bord der "Kursk" reichen nach Expertenmeinung höchstens bis Donnerstag.

Als mögliche Ursache des Wassereinbruchs im vorderen Teil des U-Boots wurden am Dienstag vor allem eine Explosion an Bord oder das Auflaufen der "Kursk" auf eine Mine aus dem Zweiten Weltkrieg genannt. Marinechef Kurojedow vermutete eine Explosion an der vordersten Torpedoluke als Grund. Für diese Theorie spreche, dass ein anderes an dem Manöver beteiligtes U-Boot und ein Kreuzfahrtschiff eine Druckwelle registriert hätten, schrieb die Zeitung «Kommersant». Die Havarie in der Barentssee ist bereits der dritte bekannt gewordene Unfall eines russischen Atom-U-Boots innerhalb von zwei Jahren.

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