Mehrere Anwärter für Chefposten
Gewerkschaften signalisieren Zustimmung für Verdi

Nachdem die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft ihre Fusion mit vier weiteren Partnern am Samstag mit fast 99 Prozent beschlossen hat, deutet sich auch bei der Deutschen Postgewerkschaft eine Zustimmung an.

Bremen (ADX). Bei den Gewerkschaften zeichnet sich eine breite Zustimmung für die Gründung der vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ab. Nachdem die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) ihre Fusion mit vier weiteren Partnern am Samstag mit fast 99 % beschlossen hatte, deutet sich auch bei der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) eine Zustimmung an. DPG-Chef Kurt van Haaren betonte bei dem außerordentlichen DPG-Kongress am Sonntag in Bremen: "Wir wollen Verdi, und wir wollen Verdi zu fünft." Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV), Margret Mönig-Raane, zeigte sich optimistisch. Sie erwarte, dass Verdi wie geplant mit allen fünf Partnern gegründet werden kann. Gleichzeitig scheint ein Gerangel um den Chefposten der Super-Gewerkschaft einzusetzen.

DPG-Chef van Haaren sieht auf der letzten Etappe zur Bildung von Verdi Probleme, die aber lösbar seien. Er hob erneut die Wichtigkeit der Fusion hervor: Keine Gewerkschaft habe es bisher geschafft, in den neuen Berufen und Betrieben Fuß zu fassen. In den Zukunftsbranchen der Informationsgesellschaft, den Software- und Systemhäusern sowie bei den Serviceprovidern sei der gewerkschaftliche Organisationsgrad miserabel, sagte van Haaren.

"4 plus 1"-Lösung ist vom Tisch

Am Montag wollen die DPG-Delegierten eine Notlösung für den Fall erarbeiten, dass im März eine der fünf beteiligten Gewerkschaften das nötige Quorum von 80 % nicht schafft. Wie diese Option aussehen könnte, war am Sonntagnachmittag noch unklar. Erst am späten Abend wollte die Antragskommission der DPG ein entsprechendes Papier erarbeiten. Die so genannte "4 plus 1"-Lösung, die bislang für diesen Fall beschlossen werden sollte, ist nach Aussage aller Verdi-Kandidaten vom Tisch.

In einer Grundsatzrede hatte DAG-Chef Roland Issen auf dem DAG-Bundeskongress am Samstag in Bremen betonte, dass es keine Alternative zur Bildung von Verdi gebe. Issen verwies auch darauf, dass es keinerlei Nachverhandlungen über die Dokumente für die Vereinigung mehr geben werde. Sonst könnte der vorgesehene Zeitplan für die Gründung nicht mehr eingehalten werden.

Auch der neue ÖTV-Chef Frank Bsirske hatte in einem Grußwort beim DAG-Bundeskongresses Hoffnung versprüht. Er sei sicher, dass die fünf Verdi-Kandidaten nun zusammenfinden würden. Er betonte, dass die Fusion auf der Grundlage des bislang Verhandelten vollzogen werden müsse. Damit erteilte Bsirske Forderungen aus seiner Gewerkschaft nach Nachverhandlungen eine klare Absage.

HBV berät am Montag über Verdi-Fusion

Die HBV-Vorsitzende Mönig-Raane zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass ihre Gewerkschaft voll hinter dem geplanten Verdi-Beitritt steht. Sie betonte: "Die Chancen stehen gut, dass wir zum März 2001 das Quorum von 80 % der Stimmen erreichen." Die HBV kommt am Montag in Magdeburg zu einem außerordentlichen Gewerkschaftstag zusammen, um über die Verdi-Fusion zu beraten.

Die HBV-Chefin hob darüber hinaus hervor, eine Vorentscheidung über den künftigen Chef werde erst im Dezember fallen. Damit relativierte sie den Anspruch des neuen ÖTV-Chefs Frank Bsirske. Der Nachfolger von Herbert Mai hatte nach seiner überraschenden Wahl in Leipzig erklärt, dass er im nächsten März auch Vorsitzender von Verdi werden wolle. "Auch andere Personen sind denkbar", sagte Mönig-Raane. "Wir Gewerkschaften wären arm, wenn es keine Alternativen gäbe."



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