Mehrere Bezugsgrößen gefordert
Optionsprogramme erhalten neue Form

BASF-Sprecher Michael Grabicki ist über die Frage erstaunt: "Das machen wir doch schon lange. Bei uns hängt die Ausübung von Aktienoptionen an mindestens zwei Bezugsgrößen, und eine Obergrenze gibt es ebenfalls." Der Ludwigshafener Chemiekonzern gestattet die Ausübung von Aktienoptionen erst, wenn der Börsenkurs seiner Aktie um 30 % gestiegen ist und gleichzeitig die Werte anderer Chemiekonzerne übertrifft.

HB FRANKFURT/M. Damit entspricht die BASF bereits den neuen Regeln des deutschen "Corporate-Governance-Kodex" zum Umgang mit Aktienoptionen. Darin heißt es noch etwas unscharf: "Aktienoptionen und vergleichbare Gestaltungen sollen künftig auf anspruchsvolle, relevante Vergleichsparameter bezogen sein. Für außerordentliche, nicht vorhergesehene Entwicklungen soll der Aufsichtsrat eine Begrenzungsmöglichkeit (Cap) vereinbaren."

Peer-Groups relevant

Im Klartext: Die Ausübung von Aktienoptionen sollte nicht nur von der Kursentwicklung, sondern auch vom Vergleich zu Branchenindizes oder anderen Unternehmen ("Peer- Groups") abhängen. Gegen diese erweiterte Vorgabe hatte sich die Siemens AG gleich nach Bekanntgabe ausgesprochen. Nach Einschätzung von Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger würden die komplizierteren Vergleichsmaßstäbe und die empfohlene Deckelung der Kursgewinne einen nicht mehr akzeptablen technischen und finanziellen Aufwand bei der Verwaltung von Aktienoptionsprogrammen verursachen. Im Ernstfall müsse sich der Siemens-Konzern möglicherweise sogar von seinem weltweiten Optionsprogramm verabschieden.

Allzu viele Mitstreiter für den Vorstoß gegen die verschärften Transparenz-Regeln wird Siemens wahrscheinlich nicht finden. Denn wie BASF legen schon etliche andere Dax-Unternehmen erweiterte Messlatten an. Bayer zum Beispiel zieht den Euro-Stoxx 50 heran, die Deutsche Post den Euro-Stoxx-Total-Return-Index. Es gibt weitere Neuerungen: Der Versorgungskonzern RWE ist gerade dabei, seine echten Aktienoptionen durch virtuelle zu ersetzen. Damit ist RWE in guter Gesellschaft: In Dax-Kreisen erfreuen sich solche "Stock Appreciation Rights" (SAR) oder "Phantom Stocks", auf Deutsch Wertsteigerungsrechte, wachsender Beliebtheit.

Keine Verwässerung mehr

Die Wertsteigerungsrechte unterliegen den gleichen Spielregeln wie echte Optionen, und sie sind fast immer an zwei Ausübungskriterien gebunden. Auch hier geht der Mitarbeiter leer aus, wenn die Aktie seines Unternehmens die vorgegebenen Bezugsgrößen verpasst (was in den vergangenen Jahren normal war). Übt er aber seine Option aus, erhält er an Stelle von Aktien nur jenen Kursgewinn ausgezahlt, den er bei Ausübung realisiert hätte. Mit diesem Verfahren vermeiden die Unternehmen den von den Alt-Aktionären monierten Verwässerungseffekt durch Ausgabe neuer Aktien.

Bislang kann sich Siemens-Finanzchef Neubürger nur durch den Walldorfer Software-Konzern SAP-indirekt - bestätigt sehen. Der hat beschlossen, sein bisheriges Optionsprogramm, genannt "Long- Term-Incentive-Plan" (LTI), durch ein einfaches Aktienoptionsprogramm mit dem Aktienkurs als alleiniger Bezugsgröße zu ersetzen.

Erfolgsneutral im Eigenkapital

Rechtsanwalt Jens Gemmecke, Mitglied der Wirtschaftskanzlei Jones Day, vermutet noch einen weiteren Grund hinter der Neigung zum simplen Modell: "Es liegt im Interesse der Unternehmen, dass die Ausübung von Optionen nicht zur Verbuchung von Personalaufwand führt, sondern sich erfolgsneutral im Eigenkapital widerspiegelt."

Das funktioniere aber nur, wenn Aktien aus einer Kapitalerhöhung (nicht am Markt erworben) zu einem festgesetzten Preis (Basispreis plus Kursziel) an die Mitarbeiter abgegeben würden. "Dabei werden die Kosten der Kapitalerhöhung in Form des Verwässerungseffekts allein von den Alt-Aktionären getragen", erläutert Gemmecke. Die Bindung an weitere Parameter dagegen führe zur Verbuchung von Personalaufwand.

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