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Mehrere Daimler-Aktionäre wollen Schrempp nicht entlasten

Als Konsequenz aus der Krise bei Chrysler haben mehrere Kleinaktionäre der Daimler-Chrysler AG beantragt, der Führung des Konzerns auf der Hauptversammlung am 11. April die Entlastung zu verweigern.

rtr FRANKFURT. In ihren am Montag von Daimler-Chrysler veröffentlichten Gegenanträgen für die Hauptversammlung warfen sie Vorstand und Aufsichtsrat Fehlentscheidungen und Täuschung der Anteilseigner vor. Ein Aktionär forderte, der Aufsichtsrat müsse Vorstandschef Jürgen Schrempp entlassen. In einer Stellungnahme zu den Gegenanträgen wies Daimler-Chrysler die Vorwürfe zurück. "Unser Ziel ist es, Daimler-Chrysler langfristig zum weltweit führenden Automobilhersteller zu machen", teilte die Konzernführung mit.

In der vergangenen Woche hatten bereits die großen Kleinaktionärs-Vereinigungen Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) angekündigt, wegen der Krise bei Chrysler Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern zu wollen. Ähnlich argumentierten nun auch andere Aktionäre. Der dem Umkreis des ökologisch orientierten Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zugerechnete Freiburger Jürgen Grässlin bezeichnete die Fusion mit Chrysler als gescheitert. Dem Vorstand warf er Fehlentscheidungen und dem Aufsichtsrat Nichterfüllen seiner Kontrollpflichten vor. "Heute stehen alle Beteiligten vor einem Scherbenhaufen", kritisierte Grässlin, der einmal ein Buch über Vorstandschef Schrempp veröffentlicht hat.

Ein anderer Aktionär warf der Daimler-Chrysler-Führung Missmanagement vor. "Statt wie versprochen ein gewinnträchtiges Fusionsunternehmen zu schaffen, wurde mit Chrysler ein überteuertes, sanierungsbedürftiges Unternehmen erworben", kritisierte er. Den durch gesunkene Aktienkurse geschädigten Aktionären schlug er vor, Vorstand und Aufsichtsrat auf Schadenersatz zu verklagen.

In weiteren Gegenanträgen zur Hauptversammlung begründeten einige Aktionäre ihren Antrag auf Nichtentlastung auch mit anderen Argumenten. So kritisierten Vertreter des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, die auch in den vergangenen Jahren mehrere Gegenanträge eingereicht hatten, dass Daimler-Chrysler immer noch Minen vertreibe und für den Bau des Airbus A380 in Hamburg ein Teil des Naturschutzgebiets "Mühlenberger Loch" zugeschüttet werde.

Ein Aktionär kritisierte, dass Daimler-Chrysler seine Pkw im Gegensatz zum Konkurrenten BMW nicht mit einem Radiogerät ausstatte, das auch Kurzwellen-Empfang habe. Der Marburger Aktionär Fred Brückner lehnte nach den Angaben eine Entlastung ab, da Daimler-Chrysler mit seinen Zahlungen an die Stiftungsinitiative zur Entschädigung von Zwangsarbeitern das Aktienvermögen teilweise enteigne und diese Zahlungen kein Unternehmenszweck seien. Insgesamt reichten Aktionäre oder Aktionärsvereinigungen 14 Gegenanträge ein. Die Frist für das Einreichen von Anträgen für die Daimler-Hauptversammlung war Ende vergangener Woche abgelaufen. Anschließend werden solche Anträge samt einer Stellungnahme des Unternehmens dazu mit den Hauptversammlungsunterlagen an alle Aktionäre verschickt.

In der Stellungnahme bekräftigte der Vorstand, an seiner Strategie festzuhalten. Im Zusammenhang mit den Sanierungsplänen für die Verluste schreibende US-Tochter Chrysler und den japanischen Partner Mitsubishi seien Ende Februar konkrete Meilensteine bekannt gegeben worden, wie die Entwicklung in den kommenden drei Jahren gestaltet werden solle. "Um dies (ein operativer Gewinn auf dem hohen Niveau der Vorjahre im Jahr 2003) zu erreichen sowie um langfristig und anhaltend Wert für unsere Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen, wird der Vorstand die eingeschlagene Strategie konsequent weiterverfolgen", hieß es. Der Aufsichtsrat sei laufend informiert worden, und er habe seine Kontrollfunktion "in vollem Umfang wahrgenommen". Auch die Kritik eines Aktionärs am Umtauschverhältnis für die Aktien bei der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler im Jahr 1998 wies der Konzern zurück.

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