Mehrere Krisenszenarien
Bundesbank kritisiert Panikmache vor dem Euro

"Schlägerei an der Käsetheke" oder "Chaos an den Bankschaltern" - die Vorbereitungen für den Bargeldumtausch von D-Mark in Euro zum Jahreswechsel werden derzeit mit Horrorgeschichten garniert.

dpa FRANKFURT/MAIN. Da die Mehrheit der Bundesbürger ohnehin der europäischen Gemeinschaftswährung noch skeptisch gegenübersteht, stoßen derartige Krisenszenarien auf großes Interesse. Die Deutsche Bundesbank beobachtet mit Sorge die zunehmende "Panikmache" in Teilen der Medien.

Gigantische Warteschlangen in Supermärkten, Durcheinander in den Banken und aggressive Käufer, die sich schließlich zu Tätlichkeiten hinreißen lassen, bilden das Szenario von Prof. Arnd Huchzermeier. "Machen Sie über den Jahreswechsel einen Urlaub außerhalb der Eurozone!", rät der Dozent an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar bei Koblenz.

Die deutschen Sparkassen fürchten sich vor tausenden Kunden, die jede Bankfiliale stürmen, um an das Euro-Bargeld zu kommen. Statt aufzuklären und auch auf die Vorzüge einer gemeinsamen Währung in zwölf europäischen Ländern hinzuweisen, werden vom Sparkassenverband "schockierende" Umfragen in den Vordergrund gerückt. Zusätzlich wird das Image des Euro belastet, wenn Kreditinstitute wie die Postbank Gebühren für den Bargeldumtausch von Nichtkunden ankündigen.

"Alles Panikmache" kommentiert Bundesbankpräsident Ernst Welteke die von ihm kritisierten "Horrorberichte". Allenfalls werde es bei der Bargeldumstellung "nur geringe Probleme geben". Die Deutsche Bundesbank mahnt deshalb, Ruhe zu bewahren. Niemand müsse sich am 1. Januar 2002 mit Euro versorgen, um seine Einkäufe bezahlen zu können. Auch im Januar und Februar 2002 könnten die Bundesbürger zunächst weiter mit D-Mark zahlen. Als Wechselgeld würden sie dann Euro-Noten beziehungsweise-Münzen herausbekommen.

Zum Jahresbeginn werde es auch keinen Mangel an Bargeld geben, wie der Herr Professor befürchte, versichert Welteke. Jeder könne sich nach dem Jahreswechsel an Geldautomaten mit den neuen Euro-Scheinen eindecken. "Es besteht also für niemanden ein Zwang, bei der Postbank D-Mark umzutauschen und dafür Gebühren zu bezahlen."

Die Bundesbank rät allerdings, größere DM-Bargeldbestände frühzeitig auf die Girokonten bei Banken und Sparkassen einzuzahlen. Die Guthaben werden dann automatisch zum Jahreswechsel in Euro umgerechnet.

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