Mehrere neue Systeme sollen Unfälle wegen Trunkenheit am Steuer verhindern
Sensoren erkennen betrunkene Autofahrer

Ein von amerikanischen Forschern entwickeltes Sensor-System könnte die Zahl der Unfälle durch Alkohol am Steuer drastisch senken. Und auch britische Wissenschaftler arbeiten an einer komplexen Technologie, die Trunkenheit und sogar Müdigkeit eines Fahrers zuverlässig erkennen kann.

DÜSSELDORF. Ingenieure der Texas Christian University haben einen Detektor entwickelt, der den alkoholischen Atem von Autofahrern erkennt und darüber hinaus auch noch die Polizei rufen kann. Der Detektor basiert auf einer kleinen Brennstoffzelle, die mit Ethyl-Alkohol angetrieben wird. Bereits in der kommenden Woche wollen die Entwickler nach eigenen Angaben Gespräche mit General Motors führen. Der US-Automobilkonzern könnte Fahrzeuge testweise mit dem Gerät ausstatten.

"Eine Pumpe zieht die Luft aus dem Fahrzeuginneren in den Detektor, wo ein Katalysator den Alkohol in Essigsäure umwandelt. So entsteht eine Spannung proportional der Konzentration von Alkohol in der Luft", erklärt Projektleiter Edward Kolesar. Ein Chip analysiert die Daten. Sind die Werte zu hoch, springt eine drahtlose Funkanlage an und ruft die Polizei.

Der Sensor wird auf dem Lenkrad oder der Sonnenblende über dem Fahrer angebracht. Nach Angaben der Forscher reicht eine Entfernung von 50 cm vom Mund des Fahrers, um den Alkoholgehalt in der Atemluft nachzuweisen. Dieser Abstand soll auch falschen Alarm verhindern, wenn zum Beispiel lediglich betrunkene Insassen befördert werden. Das System sei nur schwer zu täuschen, sagt Kolesar: "Tests haben ergeben, dass Parfüms oder Abgase den Sensor nicht beirren." Die Produktionskosten für den Sensor seien in Massenproduktion gering genug, um das Gerät in jedes Auto einzubauen. In fünf Jahren könne das Gerät in Serie gehen - "wenn Autoproduzenten, Polizei und Versicherungen mitspielen", sagt Kolesar.

Auch Wissenschaftler der Universität Bristol wollen Unfälle wegen Trunkenheit am Steuer mit einem neuen technischen System verhindern. Ein von Dilwyn Marple-Horvat geleitetes Forscherteam konzipierte ein Gerät, das die Aufmerksamkeit von Autofahrern beurteilen kann. Ein Ring von Infrarotlichtern erfasst dabei zunächst die Augenbewegungen des Fahrers. Über Sensoren im Lenkrad misst das Gerät außerdem die Lenkbewegungen. Ob der Fahrer alkoholisiert ist, erkennt das Fahrzeug vor allem in Kurven. Auch Übermüdung könne so festgestellt werden, sagt Marple-Horvat.

In klarem Zustand blickt ein Fahrer vorausschauend in die Kurve, die entsprechende Lenkbewegung folgt erst nach einer Verzögerung. Ist ein Fahrer müde oder betrunken, geht ihm der vorausschauende Blick verloren. Bei Versuchen im Fahrsimulator fanden die Forscher heraus, dass die Verzögerung zwischen Augen- und Lenkbewegung mit steigenden Promille-Werten immer geringer wird.

Alkoholsünder per Funk an Polizei melden

Erkennt das Auto den Zustand seines Fahrers, kann es ihn mit Blinklicht oder akustischen Signalen warnen oder die Fahrt abbrechen. Denkbar sei auch, Alkoholsünder gleich per Funk der Polizei zu melden, sagt Marple-Horvat. Er plädiert für eine "Black Box" im Auto. Dieser Rekorder soll Daten über Fahrer und Fahrzeug aufzeichnen und so die Aufklärung von Unfällen erleichtern.

Für Lkw gibt es schon jetzt vergleichbare Systeme. Daimler-Chrysler brachte vor zwei Jahren den "Spurassistenten" für Lkw und Busse auf den Markt. Bei diesem Helfer im Fahrzeug filmt eine kleine Kamera die Fahrbahn vor dem Lkw. Kommt das Fahrzeug von der Spur ab, weil der Fahrer eingeschlafen ist, warnt das Auto den Fahrer. Über die Lautsprecher ertönt ein lautes "Rattern" - als ob die Räder über die Markierungspunkte einer Baustelle fahren.

Die Technik von Marple-Horvat ist derzeit noch recht teuer: Rund 65 000 Euro würde ein solches Gerät kosten. Deshalb ist der Wissenschaftler jetzt auch auf der Suche nach einem finanzstarken Partner aus der Industrie. "Wie bei allen elektronischen Systemen fällt der Preis deutlich, wenn sie in großer Anzahl produziert werden", so Marple-Horvat.

Sven Krüger, Experte für Sensorik im Automobil am unabhängigen VDI/VDE Technologiezentrum Informationstechnik, schätzt die Marktchancen für Marple-Horvats Erfindung allerdings gering ein. "Bislang sind die Systeme zu groß, zu teuer und zu unzuverlässig", sagt er. Er könne sich aber generell vorstellen, dass die Technik eingesetzt werde, um den Fahrer "zu unterstützen". Ähnlich wie bei Daimler-Chryslers Spurassisstenten könnte das Auto den Fahrer durch ein Geräusch warnen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich die Gurte automatisch fester ziehen oder das Auto langsamer fährt. Auf größeres Interesse könnte die Technik vor allem bei Versicherungskonzernen stoßen, glaubt Marple Horvat. "Versicherungen könnten Kunden Rabatte anbieten, wenn sie unser System einbauen", sagt er.

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