Mehrere Soldaten an Leukämie erkrankt
Neue Vorwürfe gegen NATO wegen Uran-Munition im Kosovo

dpa LISSABON/ROM/MADRID. Mehrere südeuropäische Staaten haben der NATO vorgeworfen, durch den Einsatz von Munition mit schwach radioaktivem Uranmantel im Kosovo-Krieg eigenen Soldaten gesundheitliche Schäden zugefügt zu haben. Nach Presseberichten in Italien, Spanien und Portugal sollen infolge der Strahlung mittlerweile mehrere NATO-Soldaten an Leukämie erkrankt und gestorben sein.

In Portugal ordnete der Generalstab der Streitkräfte am Freitag die Entsendung einer Expertenkommission nach Kosovo an. Die Nuklear- Wissenschaftler sollen prüfen, ob die von der Uran-Munition ausgegangene Strahlung gesundheitsschädliche Wirkungen hatte. Der Anlass ist der Tod eines portugiesischen Soldaten, der im vorigen Jahr als Mitglied der Friedenstruppen im Kosovo im Einsatz war. Nach Angaben von portugiesischen Ärzten wies der Soldat die "typischen Symptome" einer radioaktiven Verstrahlung auf.

In Italien erkrankten Presseberichten zufolge insgesamt elf Soldaten an Leukämie. Fünf von ihnen seien im Kosovo und in Bosnien stationiert gewesen und dort vermutlich mit uranhaltiger NATO - Munition in Kontakt gekommen. Verteidigungsminister Sergio Mattarella setzte eine Untersuchungskommission aus fünf Experten ein, um einen möglichen Zusammenhang zu klären.

In Spanien berichtete der private Fernsehsender Antena-3, zwei spanische Soldaten seien nach ihrem Einsatz im Kosovo an Leukämie erkrankt. Einer von ihnen sei gestorben. Das Madrider Verteidigungsministerium bestritt, dass es irgendwelche Fälle von Leukämie unter den spanischen NATO-Soldaten im Kosovo gegeben habe. Die NATO hatte bereits im April 1999 den Einsatz schwach radioaktiver Munition aus abgereichertem Uran bei den Luftangriffen gegen Jugoslawien eingeräumt. Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass amerikanische NATO-Piloten bei rund 100 Angriffsflügen mit A-10- Flugzeugen 31 000 Einheiten Munition mit insgesamt rund zehn Tonnen schwach radioaktivem Uran verwendeten. Munition mit Uran-Mantel zeichnet sich durch eine besondere Durchschlagskraft aus.

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