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Mehrere zehntausend Demonstranten bei Ostermärschen

Mehrere zehntausend Anhänger der Friedensbewegung haben an den Feiertagen mit Ostermärschen für Abrüstung und gegen Gewalt demonstriert.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Beteiligung an den traditionellen Protestaktionen sei damit so hoch wie im Vorjahr gewesen, teilte die Ostermarsch-Zentrale am Montag in Frankfurt am Main mit. Der "stabile Kern" der Friedensbewegung sei nach wie vor lebendig, sagte der Sprecher Willi van Ooyen.

Schwerpunkte waren das Ruhrgebiet, das Land Brandenburg, Frankfurt und Stuttgart. Von Karfreitag bis Ostermontag gab es deutschlandweit etwa 50 Veranstaltungen der Friedensbewegung.

Bei Wittstock in Brandenburg demonstrierten am Sonntag nach Angaben der Veranstalter rund 1500 Menschen gegen den umstrittenen Bombenabwurfplatz "Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide. In Frankfurt am Main zogen nach Polizeischätzung am Montag etwa 400 Menschen in einem Sternmarsch zur zentralen Kundgebung vor der Paulskirche. Sie wandten sich unter anderem gegen die geplante Raketenabwehr der USA und kritisierten den Kosovo- Einsatz der NATO.

Etwa 250 Menschen forderten in Stuttgart eine drastische Verkleinerung der Bundeswehr. Vor der Europa-Kommandozentrale der US- Streitkräfte (EUCOM) weigerten sich dabei rund 50 Demonstranten, die Zufahrt zur Kaserne zu räumen. Sie wurden von der Polizei weggetragen. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin demonstrierte eine kleine Gruppe gegen "Interventionskriege".

Die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann, beklagte ein nachlassendes Interesse an den Ostermärschen. Die Themen Krieg und Gewalt seien nicht gelöst, nur weil es keine unmittelbare Bedrohung wie in den achtziger Jahren gebe, sagte sie im DeutschlandRadio Berlin. Käßmann schlug vor, Gewalt gegen Ausländer zum Thema künftiger Ostermärsche zu machen.

Noch Anfang der 80er Jahre waren in der Bundesrepublik über Ostern Hunderttausende Rüstungsgegner auf die Straße gegangen. Die Ostermarschbewegung erlebte damals den größten Zulauf nach dem Beschluss der NATO, mit Pershing-2-Raketen und Cruise Missile- Marschflugkörpern auf die Stationierung sowjetischer SS- 20- Mittelstrecken-Raketen zu reagieren.

Der erste Höhepunkt der Bewegung war das Jahr 1968. Damals protestierten zu Ostern rund 300 000 Menschen gegen atomare Rüstung. Nach der Einigung zwischen den USA und der UdSSR über den Abbau der atomaren Mittelstrecken-Waffen 1987 verlor die Ostermarsch-Bewegung eines ihrer Hauptthemen.

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