Mehrfach vom Handel ausgesetzt
Vivendi-Aktien brechen dramatisch ein

Die Aktien des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal sind am Dienstag dramatisch eingebrochen. Händler führten den Kurssturz um zeitweise 40 Prozent auf eine Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's und einen Zeitungsbericht über angeblich versuchte Bilanzmanipulationen zurück.

Reuters PARIS. Vivendi teilte zunächst mit, das Unternehmen nehme unmittelbar nicht Stellung zu dem Bericht der französischen Tageszeitung "Le Monde". Vivendi Universal büßte durch den Kurssturz rund 10 Mrd. ? oder ein Drittel seines Börsenwertes ein.

Die Spekulationen über angebliche Ungereimtheiten in den Büchern von Vivendi belasteten die Aktienmärkte europaweit. Der Dax weitete seine Kursverluste aus. Vivendi-Titel, die wiederholt vom Handel ausgesetzt wurden, fielen um mehr als 40 % auf ein vorläufiges Tief von 14,13 ?. Nur einen Tag zuvor hatten Anleger den offenbar bevorstehenden Rücktritt von Firmenchef Jean-Marie Messier mit kräftigen Kursaufschlägen bei den seit längerem arg gebeutelten Aktien gefeiert.

Nervosität nach Worldcom

Die am Nachmittag erscheinende Zeitung "Le Monde" veröffentlichte auf ihrer Titelseite einen Bericht mit der Schlagzeile "Vivendis undurchsichtige Bilanz". Unter Berufung auf vertrauliche Informationen von französischen Regulierungsbehörden schrieb die Zeitung, Vivendi habe in einer hochkomplexen Transaktion versucht, die Bilanz 2001 um 1,5 Mrd. ? zu schönen. Händler sagten mit Blick auf den Worldcom-Schock von vergangener Woche, der Zeitungsbericht verschärfe nun die ohnehin prekäre Stimmung der Anleger. Zuvor hatte der Aktienkurs von Vivendi bereits deutlich verloren, nachdem die Ratingagentur Moody's die vorrangig gesicherten Schuldtitel des Konzerns am Vorabend auf den Status "Ramsch" (Junk) zurückgestuft hatte. Am Dienstag nahm auch S&P seine Einstufung für Vivendi Universal zurück.

Die Entwicklung um Vivendi Universal belastete Händlern zufolge die gesamten europäischen Aktienmärkte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete seine Verluste auf 2 % aus, die Pariser Börse verlor mehr als 3 %. "Die Vivendi-Nachricht hat den Markt weiter gedrückt", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. "Das passt zu den Nachrichten aus den USA in den vergangenen Tagen, jetzt haben wir wohl auch Bilanzprobleme in Europa. Das verunsichert den Markt." In der vergangenen Woche hatte unter anderem der US-Telekomkonzern Worldcom mit Fehlbuchungen in Milliardenhöhe die Aktienmärkte weltweit geschockt.

Messiers Bedingung

Messier stimmte einem Zeitungsinterview zufolge seinem Rücktritt unter der Bedingung zu, dass sein Nachfolger ein Franzose sein wird. Messier sagte der französischen Tageszeitung "Le Figaro" (Dienstagsausgabe): "Mein Nachfolger (...) kann nur ein Franzose sein. Ich habe dem Rücktritt zugestimmt." Messier bestätigte des weiteren, dass er seine Zukunft in die Hände des Verwaltungsrats legen wolle, der am Mittwoch tagen werde. Er appelliert dem Bericht zufolge an den Verwaltungsrat, den hoch verschuldeten Medienkonzern als französisch-amerikanisches Unternehmen zu belassen. "Ich habe zu viel zu schnell machen wollen", resümierte der 45-Jährige in dem Interview.

Messier war vor allem wegen des wachsenden Schuldenbergs bei Vivendi Universal und des Kursverfalls der Vivendi-Titel zunehmend in die Kritik der Anleger geraten. Der offenbar bevorstehende Rücktritt Messiers hatte am Montag die Vivendi-Titel noch zeitweise um knapp 20 % zulegen lassen.

Unklar ist nach wie vor, wer Messiers Nachfolger werden soll. Im Gespräch war offenbar neben dem als Favoriten für die Nachfolge geltenden Aventis-Manager Jean-Rene Fourtou auch Charles de Croisset, Chef der Bank CCF. Vivendi-Titel notierten im Handelsverlauf noch mehr als 30 % im Minus bei 15,88 ?.

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