Mehrheit der Analysten hält Senkung für unwahrscheinlich
Märkte hoffen auf Zinssignal von der Fed

Wenn die US-Notenbank Federal Reserve nach ihrer Dienstags-Sitzung eine stärkere Zinssenkungs-Bereitschaft erkennen lässt, als die Märkte ohnehin erwarten, werden sich Aktien und der US-Dollar besser entwickeln. Diese Meinung herrscht unter Aktien- und Währungsstrategen vor.

HB DÜSSELDORF. Zwar rechnen nur wenige Finanzmarkt-Teilnehmer damit, dass die Fed bereits am Dienstag die Zinsen senken könnte. Nach einer Umfrage der Nachrichten-Agentur Bloomberg erwarten aber neun von 25 der direkt mit der Fed handelnden US-Banken, dass die Notenbank in ihrem standardisierten Ausblick die Konjunkturrisiken höher gewichten werde als das Risiko einer Inflationsbeschleunigung. Zuvor hatte die Fed beide Risiken gleich gewichtet.

Obwohl der Fed-Leitzins mit 1,75 Prozent bereits auf dem tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten liegt, nehmen die Zinsfutures am Geldmarkt eine weitere Zinssenkung spätestens auf der übernächsten Sitzung am 24. September vorweg. Dagegen wird die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung der Finanzmärkte ihren Leitzins von derzeit 3,25 Prozent in diesem Zyklus nicht weiter senken.

Die Marktteilnehmer erwarten von der Fed zumindest, dass sie eine erhöhte Besorgnis um die Konjunkturentwicklung erkennen lässt. Zuletzt hatte sie geschrieben, dass die Stärke der erwarteten Erholung unsicher sei.

"So wie die Erwartungslage ist, müsste die Fed schon deutliche Worte der Besorgnis finden, damit der Markt positive Impulse bekommt", sagte Steven Englander, Währungsstratege von Schroder Salomon Smith Barney in London. Er ist der Überzeugung, dass der Markt Zinssenkungs-Signale positiv aufnehmen würde. Erhebliche Konjunkturrisiken seien bereits für jeden erkennbar. Wenn die Notenbank zeige, dass sie bereit ist, dagegen anzugehen, könne das nur helfen.

"Je besorgter die Fed sich gibt, desto besser ist das für die Aktienmärkte", urteilt auch Gerhard Schwarz, Leiter des Aktienresearch der Hypo-Vereinsbank in München. "Wie lange das anhält, muss sich allerdings zeigen", fügt er mit Blick auf die Kursverluste der letzten Jahre hinzu, die auch durch eine Serie von Zinssenkungen nicht verhindert wurden. Die gestrige Schwäche der Aktienmärkte führt Schwarz zum Teil darauf zurück, dass sich die Zinssenkungshoffnung für die heutige Fed-Sitzung weiter verflüchtigt hat.

Michael Fraikin, der Leiter der Aktienstrategie Europa der Fondsgesellschaft Invesco hält eine Positionierung am Aktienmarkt mit Blick auf die Fed-Sitzung für reines Glückspiel. "Um wie viele Ecken herum die Fed-Entscheidung am Markt bereits antizipiert ist, lässt sich nicht abschätzen." Er schwört auf Aktien, weil er sie inzwischen für deutlich unterbewertet hält.

Die EZB werde zwar unter verstärkten Erwartungsdruck von Märkten und Politik kommen, je mehr sich ihr US-Pendant einer Zinssenkung verbal annähert, meinen die Analysten. Sie sind aber einhellig der Ansicht, dass die europäische Notenbank weiterhin weniger Aktivismus an den Tag legen wird als die Federal Reserve.

"Wenn die Fed senkt und damit etwas für die Weltkonjunktur tut, mindert das den Handlungsdruck für die EZB", meint etwa Joachim Fels von Morgan Stanley in London. Sein Kollege von Schroder Salomon, José-Luis Alzola, kommt zum gleichen Ergebnis: "Wenn die Fed Zinssenkungsbereitschaft zeigt, stützt das den Dollar und schwächt den Euro. Die EZB würde daraus schließen, dass sich die Inflationsaussichten für Europa verschlechtern und der Spielraum für Zinssenkungen kleiner wird."

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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