Mehrheit erwartet fürs zweite Halbjahr keinen spürbaren Aufschwung im eigenen Unternehmen
Top-Manager drücken die Preise

Deutschlands Top-Manager sind skeptisch, ob das eigene Geschäft im zweiten Halbjahr schon wieder ordentlich brummen wird. Die Krise ist noch nicht ausgestanden - entsprechend steht Kostensenkung noch im Vordergrund. Mit billigerem Einkauf und abgespeckter Produktion wollen die Führungskräfte ihre Firmen wieder fit machen. Dieses Ergebnis liefert der Handelsblatt Business-Monitor im Juni, für den das Psephos-Institut eine repräsentative Auswahl von Führungskräften der deutschen Wirtschaft befragt hat.

DÜSSELDORF. Wirtschaftsexperten und Politiker glauben fest an einem durchgreifenden Aufschwung in diesem Jahr. Deutschlands Top-Manager dagegen sind skeptisch - zumindest, was die Aussichten für das eigene Geschäft betrifft: Sie rechnen überwiegend nicht mit einer spürbaren Aufwärtsbewegung bei ihrem Unternehmen im zweiten Halbjahr 2002.

Das Ergebnis spiegelt die Unsicherheit darüber wider, ob und wann die derzeit leichte Verbesserung der Auftragslage in vielen Branchen in einen kräftigen Aufschwung münden wird. 60 % der Befragten rechnen nicht mit einem deutlichen Aufschwung beim eigenen Unternehmen. Immerhin 39 % gehen von einer spürbaren Besserung der Umsätze aus.

Je nach Branche kommen die Topmanager dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen. So gibt es unter den Dienstleistern sowie unter den Maschinen- und Fahrzeugbauern mehr Optimisten: Hier glauben 43 % der befragten Führungskräfte an einen kraftvollen Nachfrageschub beim eigenen Geschäft. Im Handel und Verkehr sowie bei Energie- und Chemiefirmen sind es dagegen nur 34 und 36 %. Im Baugewerbe winken gleich drei Viertel der befragten Manager beim Thema Aufschwung ab - mit Blick auf die kritische Lage der Bauindustrie in Deutschland verwundert dies nicht.

Rezepte: Abspecken und Preise neu verhandeln

Klare Tendenz: Fast alle Unternehmen nutzen die konjunkturelle Krise, um abzuspecken und ihr Geschäft für bessere Zeiten neu auszurichten. Das zeigte sich in den vergangenen Monaten in nahezu jedem Wirtschaftszweig: Kostensenkung durch Stellenabbau und die Stilllegung veralteter Produktionsanlagen standen beispielsweise in der Chemiebranche und im Baugewerbe im Vordergrund.

Beliebtestes Mittel zur Krisenbewältigung ist aber die Neuverhandlung der Preise mit den Zulieferern. Wie der Business-Monitor ergab, nutzen dies mehr als zwei Drittel aller Befragten (68 %/Grafik). Vor allem Großunternehmen im Fahrzeug- und Maschinenbau sowie in der Energie- und Chemieindustrie verlangten von ihren Zulieferern niedrigere Preise.

Grafik

Um die Kosten in den Griff zu kriegen, hat sich fast die Hälfte aller Befragten von unrentablen Bereichen getrennt und Investitionen in ihren Firmen zurückgefahren. Wichtige Weichenstellungen lassen sie aber weitgehend unangetastet: Nur 28 % verschieben angesichts der Krise ihre Pläne für den Zukauf von Unternehmen. Im Branchenvergleich griffen vor allem Manager im Baugewerbe, im Fahrzeug- und Maschinenbau sowie im Handel zu harten Mitteln wie Entlassungen (im Schnitt 40 % aller Firmen). Dienstleister dagegen sahen sich zu solchen Schritten weniger genötigt (27 %).

Skeptisch beantworteten viele Top- Manager die Frage, ob die Ausrichtung der Unternehmensentscheidungen an Forderungen der Börse noch Sinn mache. Zwar spielen die Wünsche von Analysten weiter eine gewichtige Rolle: Die Hälfte der Befragten glaubt, man werde sich weiterhin bei den Entscheidungen auch daran orientieren, 18 % - darunter vor allem Großunternehmen - erwarten, dass die Forderungen künftig sogar noch stärker beachtet werden. Doch für knapp ein Drittel der Befragten ist eine Konsequenz aus der Krise, dass Analystenforderungen für die Entscheidungen von Unternehmen eine geringere Bedeutung haben werden.

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