Mehrheit in der Bundesversammlung: Jetzt will die Union Rau ablösen

Mehrheit in der Bundesversammlung
Jetzt will die Union Rau ablösen

Die CDU ist berauscht von ihren Wahlsiegen - und will noch mehr. Nachdem die Mehrheit in der Bundesversammlung an Union und FDP gefallen ist, gilt eine zweite Amtszeit von Johannes Rau als unwahrscheinlich.

HB/dpa BERLIN. Diesmal hielt bei der CDU der Jubel den ganzen Abend an. Anders als nach der Bundestagswahl vor gut vier Monaten, wo erster Euphorie nach 18.00 Uhr immer mehr einem Katzenjammer gewichen war, konnten sich die Christdemokraten im Adenauer-Haus in Berlin den gesamten Sonntagabend auf den Grund ihrer guten Laune verlassen.

Der Wahlsieg in Niedersachsen und Hessen verzückte die Basis, die sich in der Parteizentrale versammelt hatte, so, als könnte man mit ihm das Ergebnis vom 22. September noch nachträglich korrigieren. Die ersten lang und länger werdenden schwarzen Balken der CDU-Anteile auf den Fernsehbildschirmen wurde mit lautem "Ja" quittiert, das Abschneiden der SPD mit Häme. Parteichefin Angela Merkel war da schon auf dem Weg in die Fernsehstudios der Hauptstadt. "Sensationelle Siege" seien das gewesen, sagte Merkel voll Genugtuung.

Die Doppelwahl wurde für die Union zum erhofften Tag der Revanche für den 22. September. Einer aus der Fraktionsspitze sprach gar von einem "Systemwechsel". Die Strategie von Merkel, Koch und Wulff, die Abstimmungen auch zu "Denkzettelwahlen" gegen Rot-Grün in Berlin zu machen, ist voll aufgegangen. Dafür hatte die Partei seit der Niederlage im Bund Ruhe gehalten. Eine breite Diskussion über die Versäumnisse, die zur Niederlage am 22. September geführt hatten, wurde immer wieder aufgeschoben. Auch die Fortentwicklung der Programmatik war auf Wiedervorlage nach dem 2. Februar gelegt worden. Die CDU schwamm auf der Welle der Antipathie gegen Rot-Grün und siegte wie noch nie in Westdeutschland.

Nun will die Union mehr. Zunächst einmal richtet sich der Blick auf den Mai 2005, wenn der Bundespräsident gewählt wird. Die Union hat nach dieser Wahl wohl eine Mehrheit in der Bundesversammlung. Die CDU gewann nach ersten Hochrechnungen am Sonntag etwa acht und die FDP sieben Sitze in dem Gremium hinzu. Damit würde die Zahl der von Schwarz-Gelb gestellten Delegierten von derzeit 595 auf 610 steigen. Die absolute Mehrheit liegt bei 604 Stimmen.

"Es ist unser Ziel, den nächsten Bundespräsidenten zu stellen", sagt CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer klipp und klar. Dass Schröder nach den herben Niederlagen das Handtuch werfen könnte, damit rechnet in der CDU-Parteispitze noch niemand. "Es müsste da noch mehr zusammenkommen: Neben der Niederlage etwa Turbulenzen in der rot-grünen Koalition wegen des Irak-Krieges und der damit zusammen hängenden deutschen Hilfeleistungen für die USA", sagt ein Präsidiumsmitglied.

Die nächsten Monate werden aber auch in der CDU spannend. In der Führung der Partei rechnet im Grunde jeder damit, dass Roland Koch nach seinem glänzenden Wahlsieg in absehbarer Zeit seine Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur deutlich machen wird. Die nächste Bundestagswahl ist zwar erst 2006. Doch auch langfristige Projekte muss ein Kandidat in Wartestand irgendwann einmal angehen.

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