Mehrheit rechnet mit Lohnabschlüssen von zwei bis drei Prozent
Führungskräfte erwarten moderate Tarifrunde

Mehr als zwei Drittel der Top-Manager erwarten, dass die Tariflohnsteigerungen in ihrer Branche die Drei-Prozent-Marke auch in diesem Jahr nicht überschreiten.

DÜSSELDORF. Das Bündnis für Arbeit liegt brach, die Gewerkschaften rufen trotz Konjunkturflaute nach verstärkter Umverteilung - und doch gibt die Mehrheit der deutschen Führungskräfte die Hoffnung auf einigermaßen moderate Tarifabschlüsse nicht auf: Mehr als zwei Drittel der Top-Manager erwarten, dass die Tariflohnsteigerungen in ihrer Branche die Drei-Prozent-Marke auch in diesem Jahr nicht überschreiten. Genau die Hälfte der Befragten rechnet mit Abschlüssen zwischen zwei und drei Prozent. Das entspräche den vorangegangenen Abschlüssen: Im Jahr 2000 waren die Tarifentgelte im Durchschnitt um 2,4 Prozent gestiegen, im Jahr 2001 um 2,1 Prozent. Für 2002 liegen die Forderungen der Gewerkschaften zwar fast durchweg höher als in den Vorjahren, die Verhandlungen in den großen Industriezweigen Metall, Chemie und Bau stehen aber noch am Anfang.

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Sicher ist für die Führungskräfte allerdings, dass sie selbst dann weiteren Personalabbau veranlassen werden, wenn das Lohnplus tatsächlich auf Vorjahresniveau bleibt: Mit Blick auf die Wirtschaftslage ihrer jeweiligen Branche wertet zugleich mehr als die Hälfte (60 %) der Top-Manager schon Abschlüsse jenseits von zwei Prozent als unvertretbar. Und die Hälfte (51 %) will sicher oder wahrscheinlich Personal abbauen, falls die Tarifabschlüsse "zu hoch" ausfallen.

Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Branchen. Die Führungskräfte des gebeutelten Baugewerbes geben ihren Arbeitgeberverbänden Rückendeckung gegenüber der IG Bau: Mit 39 Prozent hält eine relative Mehrheit nur einen völligen Verzicht auf Lohnerhöhungen für hinnehmbar. In der Metall- und Elektroindustrie werten dagegen 84 Prozent zumindest eine Eins vor dem Komma als akzeptabel.

Für den Fall überhöhter Abschlüsse droht in der Metallindustrie allerdings eine besonders große Mehrheit von 60 Prozent mit Personalabbau. Zugleich geben sich die Metallarbeitgeber kämpferisch: Für den Fall eines großen Arbeitskampfes wäre gut die Hälfte bereit, mit Aussperrungen auf Streiks zu reagieren. Im Durchschnitt aller Branchen zeigt sich nur gut ein Drittel (35 %) zu dieser Gegenwehr bereit.

Ob es ausgerechnet im Wahljahr zum großen Arbeitskampf kommt, bleibt indes fraglich. Sicher ist: Während die Gewerkschaften über kräftige Lohnerhöhungen auch die Konjunktur ankurbeln wollen, haben die Top-Manager andere Ansichten davon, wie mehr Beschäftigung entsteht. Etwa über Reformen am Sozialstaat: Fast zwei Drittel (63 %) finden, dass die Regierung noch vor der Bundestagswahl im September eine Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe anpacken sollte.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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