Mehrheit sieht positive Frühindikatoren
Stimmung der Firmen ist besser als die Lage

Die wirtschaftliche Lage vieler deutscher Großunternehmen bleibt angespannt. Die Firmen spüren zwar erste Anzeichen für eine Besserung, doch die Auftragsbücher hat der ersehnte Aufschwung noch nicht erreicht. Dennoch blickt die Mehrheit durchaus optimistisch in die Zukunft.

FRANKFURT/M. Die führenden deutschen Industrieunternehmen wagen nach den starken Einbrüchen der vergangenen Monate derzeit noch nicht aufzuatmen. Nach einem zumeist rabenschwarzen Vorjahr sieht die Mehrheit der Firmen positive Frühindikatoren, aber keine sicheren Anzeichen für eine Trendwende. Die schwache Konjunktur zeichnet nach wie vor die Bücher in der laufenden Berichtssaison zum zurückliegenden Quartal.

Unter dem Strich blickt die Mehrheit der Dax-Firmen ungeachtet der angespannten Lage jedoch zuversichtlich in das laufende Jahr und erwartet eine günstigere Geschäftsentwicklung für die kommenden Monate. "Die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Einschätzung der Lage ist typisch für konjunkturelle Wendepunkte", sagt Ifo- Chefvolkswirt Gernot Nerb.

Von den 29 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzernen, die bisher Eckdaten vorlegten, haben nach einer Untersuchung des Handelsblatts bislang nur sechs mit ihren Quartalszahlen die Analysteneinschätzungen übertreffen können. 18 Firmen lagen mit ihren Geschäftszahlen im Rahmen der Erwartungen, weitere fünf verfehlten die Prognosen der Finanzexperten.

Viele der führenden Industrieunternehmen im Dax sehen zwar nach den schweren Einbrüchen der vergangenen Monate wieder Frühindikatoren für eine konjunkturelle Besserung. Für die meisten reichen diese Anzeichen jedoch noch nicht aus, um eine Trendwende zu postulieren. Denn in den Auftragsbüchern der Unternehmen schlägt sich der ersehnte Aufschwung bislang noch nicht nachhaltig nieder.

Der seit Beginn vergangenen Jahres spürbare Rückgang der Unternehmensgewinne hat sich im vergangenen Quartal weiter beschleunigt. Hatte das Minus im Vorquartal noch rund 70 % betragen, lagen die Erträge nach Steuern zwischen Oktober und Dezember 2001 bei den 25 Dax-Firmen, von denen sich vergleichbare Eckdaten für die Dreimonatsperiode ermitteln ließen, um schätzungsweise 90 % unter den Gewinnen im Vorjahreszeitraum.

Die Firmen haben damit den bisher heftigsten Gewinnrückgang seit zwölf Monaten zu verkraften. Im ersten Halbjahr hatte das Minus noch 32 % betragen. Das Zahlenwerk wird allerdings jeweils durch Abschreibungen und Sondereffekte verzerrt.

Von den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland legte einzig der Touristikriese Preussag noch keine Zahlen vor. Europas größter Reisekonzern will sich erst am 25. April in die Bücher schauen lassen.

Besonders schlimm traf es im zurückliegenden Quartal die Luftfahrt, den Technologie- und den Chemiesektor. Firmen aus diesen Branchen rutschten im zurückliegenden Quartal sogar unter dem Strich ins Minus. So sackten Lufthansa und Infineon in die Verlustzone, und auch BASF schrieb im vierten Quartal rote Zahlen. Dagegen überstanden die Energieversorger, Handelskonzerne sowie die meisten Automobilfirmen das vergangene Quartal relativ gut. Auch Degussa, Schering und Linde konnten ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal steigern.

Die Volkswirte rechnen nach wie vor mit einem neuen konjunkturellen Aufschwung für das zweite Halbjahr des laufenden Jahres. "Vermutlich schon ab dem kommenden Quartal wird das Wachstum sich in den Dreimonatsberichten niederschlagen", sagt Kai Franke, Aktienstratege der BHF Bank. -

Generell werden die Ergebniszahlen auch von einem Basiseffekt profitieren. So schlug die Konjunkturflaute sich bei vielen Firmen im dritten Quartal 2001 schon deutlich nieder. Damit wird die Vergleichsbasis für die Ergebnisse der Dax-Unternehmen ab der zweiten Jahreshälfte 2002 niedriger.

Gleichwohl warnen Analysten vor zu hohen Erwartungen. Sie befürchten, dass die Unternehmensgewinne nicht mehr dem von Konjunkturerwartungen beflügelten Kursanstieg der Börsen gerecht werden könnten. "An der Börse werden Erwartungen immer ruck, zuck eingepreist", sagt Georg Elsäßer, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Da kann der Aktienkurs schnell zu weit vorlaufen."

Viele Anleger haben bereits auf den konjunkturellen Aufschwung gesetzt und verschafften damit schon in den vergangenen Wochen vor allem zyklischen Werten am Aktienmarkt einen deutlichen Aufwind. Klassische Frühzykliker wie zum Beispiel Chemiewerte gelten als Wertpapiere, die als erste von einem nahenden Konjunkturaufschwung profitieren dürften.

Doch trotz des erneuten Anstiegs des Ifo-Geschäftsklimaindex im März ist ein Aufschwung in Deutschland noch nicht ausgemacht. "Man kann nicht sagen, dass der Aufschwung schon gesichert ist, das sind immer noch Frühindikatoren", mahnt Ifo- Chefvolkswirt Nerb. Es gebe erst dann einen Aufschwung, wenn die Unternehmen auch ihre aktuelle Lage besser beurteilten.

Nerb rechnet damit bereits im Monat April. Eine Prophezeihung, die sich mit der Vorstellung so manches Konzernlenkers deckt: Viele Großunternehmen haben ihre Investoren mit einer konkreten Ergebnisprognose noch bis auf den kommenden Monat vertröstet. So vertagte neben den beiden größten deutschen Chemiekonzernen BASF und Bayer auch der Gasehersteller Linde den Geschäftsausblick auf die Zukunft.

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