Mehrheit soll gehalten werden
Deutsche Telekom reduziert Anteil an T-Online

Die hochverschuldete Deutsche Telekom will den Anteil an ihrer Internettochter T-Online deutlich reduzieren und mit dem Erlös von voraussichtlich mehr als 700 Millionen Euro ihre Verbindlichkeiten weiter abbauen.

Reuters BONN. Der Konzern plane den Verkauf von rund 100 Millionen T-Online-Aktien zuzüglich einer Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") von 20 Millionen Aktien, teilte die Telekom am Montag mit, ohne eine Preisspanne zu nennen.

In Kreisen aus dem Umfeld der Transaktion hieß es, die Telekom biete die Stücke in einer Spannbreite zwischen 5,60 und 6,10 Euro an. Der maximale Abschlag gegenüber dem T-Online-Schlusskurs vom Freitag von 6,15 Euro würde damit rein rechnerisch bei 8,9 Prozent liegen. Mit einem Gegenwert von bis zu 732 Millionen Euro wäre die Transaktion eine der größten Platzierungen in diesem Jahr. Der Streubesitz von T-Online steigt durch den Aktienverkauf deutlich an. Die mittelfristigen Chancen von T-Online für eine Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax) verbessern sich Analysten zufolge dadurch.

Die Platzierung, die von Dresdner Kleinwort Wasserstein und Goldman Sachs begleitet wird, soll nach Angaben aus Branchenkreisen noch an diesem Montag abgeschlossen werden. Der Aktienkurs von T-Online eröffnete am Montag 5,7 Prozent höher mit 6,50 Euro, die T-Aktie kletterte um vier Prozent auf 12,74 Euro. Händler erklärten die Kursgewinne bei T-Online mit der durch den größeren Streubesitz steigenden Gewichtung der Aktie im Nemax-50-Index.

Die Beteiligung der Telekom an Europas größtem Internetzugangsanbieter werde durch den Aktienverkauf voraussichtlich auf 73,5 Prozent von derzeit 81,7 Prozent sinken, teilte die Telekom weiter mit. Die Telekom wolle jedoch auch weiterhin eine Mehrheitsbeteiligung von mindestens 51 Prozent an dem Online-Unternehmen halten.

"Die Deutsche Telekom sieht T-Online als Kernbestandteil ihrer vier strategischen Divisionen", hieß in der Mitteilung weiter. Das Unternehmen erwarte aus heutiger Sicht nicht, im Zuge der Maßnahmen zur Reduzierung seiner Verbindlichkeiten weitere T-Online-Anteile zu veräußern.

Die Telekom plant derzeit, die Verschuldung bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro von gegenwärtig 64 Milliarden Euro zu senken. Der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke steht unter großem Druck, die Schuldenlast des ehemaligen Staatsunternehmens zu senken.

Der Streubesitz von T-Online erhöht sich den Angaben zufolge durch die Transaktion und ohne Berücksichtigung der Mehrzuteilungsoption voraussichtlich auf 18,6 Prozent von derzeit 10,4 Prozent. "Durch die Platzierung steigen die Chancen, dass T-Online im nächsten Jahr in den Deutschen Aktienindex aufsteigt", sagte Christian Stocker, Indexexperte bei der HypoVereinsbank. Nach seinen Berechnungen dürfte T-Online durch die Platzierung auf der maßgeblichen Rangliste nach Marktkapitalisierung Rang 32 oder 33 liegen. Wenn der Börsenwert des Streubesitzes eines Unternehmen Platz 35 oder besser in der Rangliste aller deutschen Börsenunternehmen einnimmt, kann die Deutsche Börse die Gesellschaft in den Dax befördern.

Da die Deutsche Börse derzeit ihre Indizes neu strukturiert, wird man Genaueres erst bei Vorlage der Börsenstatistik aus dem Dezember sagen können. Aus dieser ließe sich dann auch entnehmen, ob T-Online auch das Börsenumsatzkriterium erfüllt. Die nächste außerplanmäßige Dax-Überprüfung ist Anfang Februar.

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