Mehrheitlicher Beschluss wegen "moralischer Unfähigkeit"
Peruanisches Parlament setzt Präsidenten ab

Mit großer Mehrheit wurde die Absetzung von Alberto Fijimori beschlossen. Sein Rücktrittsgesuch wurde nicht akzeptiert. Als Grund wurde die "moralische Unfähigkeit" genannt.

ap LIMA. Das Parlament in Lima hat den peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori abgesetzt und sich demonstrativ geweigert, sein Rücktrittsgesuch anzunehmen. Nach mehr als zwölfstündiger Debatte sprachen sich die Abgeordneten am Dienstagabend mit 62 zu 9 Stimmen dafür aus, Fujimori auf Grund "moralischer Unfähigkeit" zu entlassen. Neun Abgeordnete enthielten sich. In Tokio bekräftigte Fujimori, er wolle vorerst nicht nach Peru zurückkehren.

"Triumph für lateinamerikanische Demokratie"

Während der Debatte verließen zahlreiche Anhänger Fujimoris das Parlament. Nach der Abstimmung schwenkten seine Gegner Fahnen und riefen: "Die Diktatur ist gestürzt!" Die Entscheidung sei ein Triumph für die lateinamerikanische Demokratie, erklärte der oppositionelle Abgeordnete Daniel Estrada. "Viele Peruaner müssen heute Nacht überglücklich sein, nachdem die Diktatur Fujimoris zusammengebrochen ist - zusammengebrochen unter der Last ihrer eigenen Korruption", sagte Jorge del Castillo von der linksgerichteten Aprista-Partei.

Anhänger sprechen von reinem Racheakt

Anhänger Fujimoris protestierten gegen die Absetzung. Die Abgeordnete Carmen Lozada sprach von einem reinen Racheakt. Fujimori werde wegen seines Kampfes gegen Terrorismus und Inflation und seines Einsatzes für den Bau von Autobahnen in die Geschichte eingehen, betonte sie. Hintergrund von Fujimoris Rücktritt ist unter anderem seine Verwicklung in einen Bestechungsskandal um seinen früheren Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos. Als aussichtsreichster Nachfolger für das Amt des Staatschefs gilt der oppositionelle Parlamentspräsident Valentin Paniagua.

Fujimori bleibt vorerst in Japan

Fujimori, der Peru zehn Jahre lang autokratisch führte, erklärte am Dienstag in Tokio, er wolle auf unbestimmte Zeit in Japan bleiben. Der 62-Jährige ist japanischer Abstammung, sein Sohn und seine Schwester leben dort, sein Schwager ist peruanischer Botschafter in Tokio. Am Mittwoch verließ Fujimori nach Angaben der Botschaft sein Hotel in der japanischen Hauptstadt. Der Sender NHK berichtete, Fujimori ziehe in das Haus eines Freundes.

Fujimori wurde erstmals 1990 zum Präsidenten gewählt und trat nach einer umstrittenen Wahl im Sommer dieses Jahres eine dritte Amtszeit an, obwohl die Verfassung nur zwei Amtsperioden zulässt. Das Ende seiner Ära begann im September: Damals wurde ein Video veröffentlicht, das seinen Vertrauten Montesinos bei der Bestechung eines oppositionellen Abgeordneten zeigt. Danach entließ Fujimori Montesinos und kündigte vorgezogene Neuwahlen an, bei denen er selbst nicht mehr kandidieren will.



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