Mehrheitsaktionäre zahlen beim Squeeze-Out häufig deutlich über dem Börsenkurs
Spekulation auf Abfindung kann sich lohnen

Seit Jahresbeginn können Mehrheitsaktionäre Kleinanleger aus Aktiengesellschaften herauskaufen. In manchen Fällen beschert dieses Verfahren den Minderheitsaktionären gute Renditen.

mp DÜSSELDORF. Altgediente Mitarbeiter der Kölner Ford-Werke freuten sich im Juli dieses Jahres über einen 100-prozentigen Wertzuwachs ihrer Unternehmens-Aktien: 640 Euro bekamen sie für ihre Papiere, obwohl der Börsenkurs nur bei 320 Euro lag. Sie gehörten zu den Minderheitsaktionären, die der Hauptanteilseigner der Ford AG herauskaufte. Nach der mit dem Übernahmegesetz Anfang des Jahres eingeführten Squeeze-Out-Regelung können Mehrheitsaktionäre, die mehr als 95 % einer Gesellschaft halten, die Aktien der verbliebenen Kleinanleger gegen eine Abfindung übernehmen.

Generell raten Analysten gerade in schlechten Börsenzeiten nicht unbedingt dazu, auf ein Squeeze-Out zu warten und vorherige Angebote auszuschlagen. So meint Kai Franke, Leiter Investmentresearch bei der ING-BHF-Bank, dass die verbliebene Aktie meist wenig liquide sei. Zudem würde das Papier von den Analysten nicht mehr abgedeckt werden und deshalb aus dem Index fliegen.

Dennoch: "Im Einzelfall kann es sich für Minderheitsaktionäre durchaus lohnen, auf einen Squeeze-Out zu spekulieren," sagt etwa Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zum Beispiel für Aktionäre einer Gesellschaft, deren Mutter übernommen werden soll. So sicherten sich die Kleinanleger der MSH International, einer Tochter der Systematics AG, mit einer Abfindung von 16,80 Euro je Aktie einen 35 %igen Aufschlag gegenüber dem letzten Börsenkurs von 12 Euro.

Der Hintergrund: Das US-Software-Unternehmen EDS hatte Systematics übernommen und die Systematics-Kleinaktionäre mit 29,40 Euro herausgekauft. Dem Bewertungsgutachten über die Höhe der Abfindung lagen die Zahlen beider Gesellschaften zu Grunde. Allerdings sind die MSH-Aktionäre auch mit den 16,80 Euro pro Aktie nicht zufrieden, liegt doch der aktuelle Kurs der MSH Aktie rund 5 % darüber. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat bereits eine gerichtliche Überprüfung der Abfindungshöhe angekündigt. Denn aus dem Bewertungsgutachten gehe hervor, dass MSH auf Basis der Gewinn- und Verlustrechnung im Jahr 2001 deutlich besser abgeschnitten hatte als ihre Muttergesellschaft Systematics. Dennoch wurde Systematics mit 324,7 Millionen Euro rund 61 % höher bewertet als MSH.

Eine Chance, dass Minderheitsaktionäre von einem Squeeze-Out profitieren, könnte sich auch bei der Salamander AG ergeben, die EnBW verkaufen will. Sie hat den verbliebenen Kleinaktionären bereits eine Abfindung von 22,71 Euro angeboten. Aktionärsschützer um den Würzburger Professor Ekkehard Wenger klagen bereits auf Nachbesserung des Angebotes. Aber: "Eine wesentlich interessantere Gelegenheit ergibt sich bei der Salamander-Tochter Apcoa-Parking," meint Christoph Schäfers von der Falkenstein AG. -Nebenwerte

Der Marktführer bei den Parkhäusern hat mit der Salamander AG einen Gewinnabführungsvertrag geschlossen, der rückwirkend zum 1.1.2001 gelten soll. Bei einem solchen Vertrag schreibt das Aktiengesetz einen "angemessenen Ausgleich" für außenstehende Aktionäre vor. Den Apcoa-Anlegern wurde eine einmalige Abfindung von 95,50 Euro angeboten. Über die Höhe der Abfindung wird zurzeit noch in einem gerichtlichen Spruchverfahren gestritten, eine Entscheidung soll noch vor Jahresende fallen.

Schäfers hält es für wahrscheinlich, dass die Abfindung noch einmal deutlich angehoben wird. Denn "aus einem von Salamander vorgelegten Wertgutachten kann für die Apcoa-Aktie ein Wert von mindestens 115 Euro abgeleitet werden," meint er. Wegen "konservativer Angaben, auf denen das Gutachten basiere", sei sogar mit einem Wert von 125 bis 140 Euro zu rechnen. Der Squeeze-Out bei Salamander könnte den Apcoa-Aktionären nützen: Da die EnBW noch in diesem Jahr Salamander komplett an einen Finanzinvestor verkaufen will, müsste der Käufer auch für die Apcoa Aktionäre ein Abfindungsangebot abgeben.

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