Mehrheitsposition beansprucht
Bayer dämpft Hoffnung auf rasches Ende der Partnersuche

Bayer-Chef Werner Wenning hat in einem Zeitungsinterview Erwartungen gedämpft, bei der Partnersuche für das Pharmageschäft schon sehr bald fündig zu werden.

Reuters FRANKFURT. "Ich habe nie gesagt, dass wir bis Jahresende einen Partner benennen," sagte der oberste Bayer-Manager in einem Gespräch mit der "Financial Times Deutschland". Zudem bekräftigte der Manager in dem Interview, dass Bayer bei möglichen Partnerschaften in allen vier Unternehmensbereichen die Mehrheitsposition beanspruchen werde. Für das Gesamtjahr 2002 geht Wenning weiter davon aus, dank Erlösen aus Verkäufen einen über dem Vorjahreswert liegenden Konzerngewinn auszuweisen. Das operative Ergebnis vor Sonderposten werde jedoch das Vorjahresniveau verfehlen. "Den Rückgang aus dem ersten Halbjahr können wir nicht mehr ausgleichen", sagte er. Die Bayer-Aktie gab im Handelsverlauf 0,3 Prozent auf 21,35 Euro ab, während der DJ-Stoxx-Chemicals-Index mit 0,8 Prozent im Minus bei 229,13 Punkten lag.

Der auf den Säulen Chemie, Polymere, Pflanzenschutz und Gesundheit (Healthcare) basierende Bayer-Konzern will auch künftig über alle vier Bereich die unternehmerische Kontrolle behalten. Auf keinem der vier Gebiete werde das Leverkusener Unternehmen eine Minderheitsposition in Partnerschaften mit anderen Konzernen einnehmen, sagte Wenning. Er trat damit Spekulationen entgegen, Bayer könne bei der Suche nach einem Kooperationspartner für seine Pharmasparte notfalls dort die unternehmerische Führung aus der Hand geben. "Wir haben den Anspruch, in allen Kerngeschäften eine Mehrheitsposition zu haben - und natürlich ist Pharma ein Kerngeschäft", sagte er.

Im Bereich Pharma gebe es Wachstumsprobleme, die werde Bayer durch Kooperationen lösen. "Wenn es gar nicht geht, müssen wir neu nachdenken, aber das heißt nicht, dass ich da bereit bin, in die Minderheit zu gehen", sagte Wenning. Seit seinem Amtsantritt im April steht die Suche nach einem Partner für die Pharmasparte oben auf der Prioritätenliste. Wegen Problemen mit dem Cholesterinsenker Lipobay, der wegen des Verdachts auf tödliche Nebenwirkungen vom Markt genommen werden musste, geriet das Pharmageschäft voriges Jahr in die Krise.

Im September hatte Wenning Reuters gesagt, er hoffe bis Jahresende eine Indikation für die Zukunft der Pharmasparte geben zu können. Es werde daran gearbeitet, so rasch wie möglich "eine Lösung" vorstellen zu können.

Nach Einschätzung der Analysten von M.M. Warburg hat Wenning in dem Interview ein Plädoyer für den Erhalt des Status Quo bei Bayer gegeben. "Allerdings scheint die Präsentation einer Strategie einige Schwierigkeiten zu bereiten," hieß es in einem Kommentar der Bank, die die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herunterstufte. Ähnlich äußerte sich auch Guy Philips von der Bank BNP Paribas. "Ich denke, das ist eine Bekräftigung ihrer Position der Pharma, was wenig Fortschritte aber ein wenig Vorsicht beim Ergebnisausblick nahelege

In dem Zeitungsinterview sagte Wenning ferner, in seinen Sparten Chemie und Polymere habe Bayer im dritten Quartal geringere Umsatzrückgänge verzeichnet als im ersten Halbjahr. "Das Industriegeschäft hat sich im dritten Quartal relativ zum Vorjahr besser entwickelt als im ersten Halbjahr", sagte Wenning. Das Industriegeschäft umfasst mit Chemie und Polymere (Kunststoffe) zwei der vier Konzernsparten und ist für rund die Hälfte des Konzernumsatzes verantwortlich. Zudem sagte der Bayer-Chef, ein über bisherige Pläne hinausgehender Arbeitsplatzabbau sei gegenwärtig nicht vorgesehen. "Es gibt derzeit keine weiter gehenden Pläne", so der Bayer Chef.

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