Mehrheitsübernahme bei Beiersdorf möglich
Ende der Tchibo-Fehde heizt Spekulation an

Das bevorstehende Ende der jahrelangen Familienfehde bei Tchibo hat die Spekulationen über eine Übernahme des Kosmetikkonzerns Beiersdorf wieder angeheizt.

Reuters HAMBURG. Die zunächst aus Industriekreisen bekannt gewordenen Rückzugspläne der Tchibo-Anteilseigner Günter Herz und seiner Schwester Daniela wurden am Dienstag an der Börse wie in der Branche als wichtiger Schritt für eine mögliche Mehrheitsübernahme der Hamburger Beiersdorf AG gewertet. "Die Einigung der Herz-Familie ist sicher ein Schritt in Richtung einer Übernahme der Allianz-Anteile an Beiersdorf", kommentierte ein Fondsmanager. Weder Allianz noch Tchibo wollten sich aber am Dienstag näher dazu äußern.

Tchibo bestätigte am Nachmittag allerdings die künftige Aktionärsstruktur. Danach scheiden der frühere Vorstandschef Günter Herz und dessen Schwester Daniela sowie der mit ihnen verbundene Aktionär Otto Gellert aus dem Aktionärskreis aus. Nach Angaben aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen werden sie bar abgefunden. Zur Höhe der Zahlungen wurde nichts bekannt. Tchibo-Aktionäre bleiben die Herz-Brüder Wolfgang, Michael und Joachim mit bisher 51 % und Mutter Ingeborg Herz mit zehn Prozent der Tchibo-Aktien. An sie sollen den Kreisen zufolge auch die 39 % der frei werdenden Anteile gehen.

Erneut Interesse signalisiert

Tchibo signalisierte in der kurzen Erklärung erneut sein Interesse an einer Mehrheitsübernahme von Beiersdorf, an dem der Kaffeeröster bislang gut 30 % hält. Der Kosmetikkonzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt gut 4,7 Mrd. ? und einem Reingewinn von 290 Mill. ? im Jahr 2002 gilt seit längerem als potenzieller Übernahmekandidat. Dessen Münchener Großaktionär Allianz lässt seit geraumer Zeit die Bereitschaft zum Verkauf seines Pakets von knapp 44 % erkennen.

Nach der Übernahme des Darmstädter Kosmetikspezialisten Wella für rund 6,5 Mrd. ? durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) - zuvor auch als Interessent für Beiersdorf gehandelt - gilt neben Tchibo noch der Düsseldorfer Henkel-Konzern bei Branchenexperten als denkbarer Partner für Beiersdorf.

Das Tchibo-Management bemühte sich bislang vergeblich um den Allianz-Anteil an Beiersdorf. Als wesentliches Handikap galt in Konzernkreisen der Dauerzwist in der Familie Herz, deren Mitglieder sich und damit auch das Management blockierten. Aufgrund der Dauerfehde mutmaßten Branchenexperten, dass der seit Juni amtierende neue Tchibo-Chef Klaus Ammer die Beiersdorf-Pläne möglicherweise aufgeben und nach Alternativen für die künftige Ausrichtung des Kaffeerösters suchen könnte.

Tchibo-Kasse gut gefüllt

Im Falle einer Einigung zwischen Tchibo und der Allianz kämen möglicherweise auch die scheidenden Aktionäre Günter und Daniela Herz wieder ins Spiel. "Für den Fall, dass die Tchibo Holding AG Gelegenheit zur substantiellen Aufstockung ihrer Beteiligung an der Beiersdorf AG erhält, haben die Familienmitglieder vereinbart, ihre Kräfte gegebenenfalls wieder zu bündeln", hieß es in der Tchibo-Erklärung. Denkbar sei, dass neben der Tchibo Holding auch die Ex-Aktionäre ein Beiersdorf-Aktienpaket von der Allianz erwerben. Günter Herz habe ein größeres Engagement bei dem Kosmetikkonzern immer unterstützt.

Bislang gab es nach Angaben aus Industriekreisen zwar in den vergangenen Monaten Gespräche zwischen Allianz und Tchibo, aber keine Verhandlungen. Ob diese nun tatsächlich neuen Schwung bekommen, gelte auf beiden Seiten als offen. Finanziell wäre Tchibo in der Lage den Allianz-Anteil am Nivea-Hersteller zu übernehmen. Allein aus dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma im vorigen Jahr an die britische Imperial Tobacco verfügt Tchibo über rund fünf Mrd. ?, die bislang nicht wieder investiert wurden.

Das Ende des Tchibo-Streits beflügelte auch den Kurs der im MDax für mittelgroße Werte notierten Beiersdorf-Aktie. Sie gewann rund drei Prozent und lag am Nachmittag bei knapp 116 ?. Die für Donnerstag kommender Woche geplante Hauptversammlung von Tchibo dürfte nach Angaben aus Unternehmenskreisen um einige Wochen verschoben werden.

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